Sie sind ziemlich beste Freunde, wohnen aber nicht in einem Haus. Skeptiker fragen: Wie soll es gutgehen, wenn in einem Vorort mit 10.000 Einwohnern drei Fußballvereine überleben wollen?

Dortmund

, 05.09.2019, 06:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Bei Zweien von den Dreien klappt das wie eingangs erwähnt ganz hervorragend. „Bei uns läuft es sehr gut, um nicht zu sagen überragend“, zeichnet Eddy Hoffmann, Vorsitzender des jüngsten Körner Klubs, des SV Körne 83, ein außergewöhnliches Bild. Nicht viel weniger euphorische Töne kommen ein paar Hundert Meter weiter östlich aus dem Mund von Andreas Langner, dem Vorsitzenden des DJk TuS Körne: „Eddy ist mein bester Freund. Ich gönne ihm und seinem Verein den Erfolg. Und uns geht’s auch sehr gut.“

Nachbarschaftshilfe gehört zum Alltag

Nachbarschaftshilfe gehört zum Alltag: Da erhält der eine vom anderen mal einen Bully, umgekehrt tauschen sie Bierzeltgarnituren für ihre Feste ein. So soll es sein, so soll es bleiben. Ausgerechnet der älteste Verein im Ort Körne, die ÖSG Viktoria, gegründet 1908, fristet aktuell ein Schattendasein und ist mal wieder in einer Findungsphase angekommen. „Da sind jetzt neue junge Leute am Werk. Wir helfen denen gerne, aber sie haben es nicht leicht“, erklären TuS- und SV-Vorsitzende unisono. Dabei hatte der mittlerweile einzige Körner Klub nördlich des Hellwegs (der TuS war vor Jahrzehnten von der Stuttgartstraße zum Zippen gezogen) vor zehn Jahren noch beste Voraussetzungen. Als erster Verein im Ort erhielt er einen Kunstrasen.

Plötzlich rannte ihm der Nachwuchs die Bude ein. Die Strukturen im Verein aber waren nie so entwickelt, dauerhaft dem Boom gerecht zu werden. Es waren jetzt nicht nur Kinder aus der nahen östlichen und nördlichen Innenstadt, die auf der Matte standen. Aber es entwickelte sich vielerorts Konkurrenz.

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Es waren nicht nur die Kunstrasenbauten des 1963 gegründeten TuS im Jahr 2014 am Zippen und des SV im Jahr 2016 am Winkelriedweg, die beide Klubs an der ÖSG vorbeiziehen ließen. Zuletzt musste die Viktoria sogar ihre 1. Mannschaft in der Kreisliga A vom Spielbetrieb abmelden. Dennoch meldet der neue ÖSG-Vorsitzende Marvin Schad, dass die Talfahrt gebremst ist: „Seit den Vorstandswahlen im Mai spielen freundschaftlich verbundene Spieler hochmotiviert in zwei C-Liga-Teams.“ Doch dazu später mehr.

Was die ersten Mannschaften betrifft, ist die Situation bei allen ausbaufähig, der TuS hat sich immerhin zu einem guten Bezirksligisten entwickelt, der SV spielt um den Aufstieg in die A-Liga. Das Schicksal der ÖSG ist bekannt. Hier unterscheiden sich die Meinungen der beiden Vorsitzenden ausnahmsweise: Langner sagt: „ Ob wir siebt- oder achtklassig sind, ist für das Vereinsleben egal. Ich habe lieber mehr als 250 Zuschauer gegen RW Germania in der Bezirksliga als eine Handvoll in der Landesliga gegen Langenbochum. Aber wenn die Jungs aufsteigen wollen, haben wir natürlich auch nichts dagegen.“ Hoffmann proklamiert hingegen deutlich: „Wir wollen eine Liga höher.“

Viel wichtiger als das ist ihnen aber das funktionierende Vereinsleben. Und das hat sich grundlegend geändert. Zum TuS kehrten viele Junioren, die es bei der ÖSG versucht hatten, zurück. Zuletzt befreite sich auch der SV mit seinem holprigen Käfig-Aschenplatz, der nur die familiäre Atmosphäre zu bieten hatte, aus der Tristesse. Hoffmann schwärmt: „Wir haben weit über 100 Senioren, vier Seniorenmannschaft, alle Altersklassen im Nachwuchsbereich besetzt, die E-Junioren doppelt, die F-Junioren dreifach.“

Dieser ganze auch noch rasant gewachsene Betrieb ließe es sich ohne Helferstab gar nicht realisieren: „Auch die Zahl der Ehrenamtlichen ist explodiert. Wir sind stolz und dankbar, ungefähr 60 Helfer zu haben. Dank ihnen lebt der Verein“

Der TuS bietet eine ähnlich familiäre Atmosphäre, praktisch Tür an Tür mit dem SV: „Uns hat kein Spieler der 1. und 2. Mannschaft verlassen. Sie fühlen sich alle wohl hier.“ Der TuS hat drei Seniorenteams und 16 Jugendmannschaften: „Wir haben eher das Problem, an Kapazitätsgrenzen zu stoßen“, sagt Langner. „Uns fehlt ein Kleinfeld.“ Das Konzept, mit dem die Schwarz-Roten auch Junioren für ihren Klub begeistern, ist wohl überlegt: „Wir wollen den Kindern und Jugendlichen vernünftiges Training bieten. Wir haben ausgebildete Trainer und keine Väter, die vielleicht mal Volleyball gespielt haben.“

Nachbarschaftsfeste gehören in Körne dazu

Wenn sich zwei Nachbarn so gut verstehen, müssen sie nicht gleich zusammenziehen, aber Nachbarschaftsfeste gehören dazu: Der jährliche Körner Treff ist eins davon. Hier feiert auch die ÖSG mit.

Schön, dass es nicht nur eine geschlossene Gesellschaft ist. So ist der SV auch offen in östliche Richtung. Da gründete er eine Altherren-Spielgemeinschaft mit dem Wambeler SV. „Es ist doch viel schöner, etwas gemeinsam zu machen“, sagt Hoffnann. Und an eine Fusion denkt keiner in Körne: „Wie sollen wir denn über 1000 Spieler unter einen Hut bringen. Es ist gut, wie es ist“, sagt Langner.

Und um die Geschichte abzurunden, meldet jetzt auch die ÖSG wieder „Aufbruchstimmung.“ Wie Schad berichtet, seien die Spieler der beiden Herrenteams zwischen 20 und 27 Jahren. Die 2. Mannschaft ist Tabellenführer der C-Liga. Das Besondere: Zwei Spieler der ehemaligen 3. Mannschaft baten den Vorstand, ein neues Team gründen zu dürfen. Die neue 3. Mannschaft besteht aus Spielern aus Guinea und Guinea-Bissau. Mit Kindergartenbesuchen und Jugendtagen wollen sich die „Östlichen“ wieder interessant machen.

Und so leben sie in Körne Tür an Tür in großer Harmonie. Jede Familie hat ihren eigenen Charakter, aber wenn es um den Zusammenhalt geht, sind sie gute Nachbarn.

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