Interview - "Für beide ist das Derby ein Endspiel"

Fußball: Oberliga Westfalen

Vor dem mit Spannung erwarteten Gipfeltreffen der lokalen Fußballszene zwischen dem FC Brünninghausen und dem ASC 09 traf sich Udo Stark mit den Torhütern, Muhammed Acil (24) und Jan Held (23), zum Interview in der Sportredaktion. Ihre einhellige Meinung zum Oberliga-Derby (17.30 Uhr, Am Hombruchsfeld) : "Für beide ist das ein Endspiel."

von Udo Stark

DORTMUND

, 17.12.2016, 08:02 Uhr / Lesedauer: 3 min
14-12-2016 Dortmund  Interview mit Acil und Held Foto Laryea

14-12-2016 Dortmund Interview mit Acil und Held Foto Laryea

Die Hinrunde ist beendet. Wie ist es für Sie persönlich gelaufen?

Muhammed Acil, Brünninghausen: Als Torhüter lebt man in großem Maße vom Vertrauen des Trainers, das habe ich von Anfang an genossen. Durch das intensive Torwart-Training habe ich mich noch verbessert und den Jungs den einen oder anderen Punkt gerettet. Das ist für die Psyche enorm wichtig.

Jan Held, ASC 09: In den ersten sechs Spielen saß ich auf der Bank, diese Rolle hat mir nicht wirklich gefallen. Dann habe ich meine Chance bekommen und sie auch genutzt. Ich bin zufrieden, wie es in den letzten Wochen gelaufen ist.

Warum steckt Ihre Mannschaft im Abstiegskampf?

Acil: Es ist eine normale Situation Kaum einer von uns hat zuvor jemals so hoch gespielt, deshalb war uns immer klar, dass es in dieser Liga, in der jeder Fehler eiskalt bestraft wird, nur um den Klassenerhalt geht. Allerdings hatte ich schon auf einen etwas größeren Vorsprung auf die Abstiegsplätze gehofft.

Held: Ich hatte mir mehr erwartet. Gegen den Abstieg zu spielen, war nicht unser Ziel. Wir haben ein wenig gebraucht, um die Situation anzunehmen, haben auch einige unnötige Punkte liegen lassen und zum Teil fehlte auch das nötige Glück. Jetzt aber weiß jeder bei uns, worum es geht.

Wie bewerten Sie die aktuelle Situation?

Acil: Wir standen nach 0:7 in Bielefeld in der Pflicht, einiges besser zu machen und vor allem die individuellen Fehler abzustellen. Das ist uns seither zumeist gelungen, nicht nur beim 5:0 im Pokal gegen Ahlen. Auch sonst sehe ich einen positiven Trend.

Held: Auch bei uns zeigt die Formkurve klar nach oben, die Stimmung ist viel besser geworden, dabei haben Siege wie das 7:1 gegen Rheine oder das 3:2 zuletzt in Marl-Hüls geholfen. Es tut uns gut, nicht mehr so viele Gegentore zu kassieren, daran haben wir auch akribisch gearbeitet.

Was speziell zeichnet den Lokalrivalen aus?

Acil: Die Tabelle spiegelt auf keinen Fall die wahre Klasse des ASC wider. Das ist ein Team mit vielen gestandenen Oberliga-Spielern und einer hohen individuellen Qualität und auf jeder einzelnen Position sehr gut besetzt.

Held: Brünninghausen ist ein sehr gut geführter Verein und verfügt über junge, talentierte Spieler, denen man anmerkt, dass sie gerne in der Oberliga spielen. Das macht sie auch so gefährlich.

FCB: Auch Enzmann fällt aus
Die personellen Sorgen beim FC Brünninghausen werden immer größer. Auch Leon Enzmann (Bänderverletzung im Sprunggelenk) fällt aus. Eine kleine Hoffnung gibt es noch für Arif Et. Ob der Flügelspieler nach seiner Leistenzerrung ins Team rückt, entscheidet sich erst kurz vor dem Spiel. Kagan Atalay und Abdullo Saidov fehlen dagegen definitiv. Trainer Alen Terzic gibt sich kämpferisch: „Wir werden ein noch größeres Wir-Gefühl auf den Platz bringen.“

Wie haben Sie das Hinspiel in Erinnerung?

Acil: Wir haben gewonnen, es waren viele Zuschauer da – solche Spiele ziehen einen hoch. Es war eine ausgeglichene erste Halbzeit. Nach dem 2:0 hat der ASC brutal gedrückt, aber wir haben den Sieg dank defensiver Stabilität und unserer Konterstärke gut nach Hause gebracht.

Held: Ich saß ja auf der Bank, habe aber ebenfalls ein sehr enges Duell gesehen, in dem Mo den FCB zweimal mit tollen Aktionen im Spiel gehalten hat. Letztlich aber haben wir damals verdient verloren.

Mit welchen Erwartungen gehen Sie ins heutige Spiel?

Acil: Ich bin ein Freund von Emotionen, von Galligkeit. Wir müssen von Anfang an voll da sein. Wir haben brutale Ausfälle zu verkraften, daher ist der ASC für mich Favorit. Aber wir spielen zu Hause und werden es ihnen nicht leicht machen. Ich glaube an das Team.

Held: Wir müssen zu 100 Prozent das abrufen, was uns zuletzt ausgezeichnet hat. Wir wollen die drei Punkte mitnehmen, die würden uns unheimlich gut tun.

ASC: Bangen um Podehl
Der ASC 09 Dortmund ist personell gut aufgestellt, alle sind an Bord. Allerdings bangt Trainer Adrian Alipour noch um die angeschlagenen Maximilian Podehl (Leiste) und Simon Rudnik (geschwollener Fuß). Für den ASC-Coach ist es nicht irgendein Derby: „Es geht um so viel. Wir können Brünninghausen ganz unten reinziehen. Ein Sieg wäre enorm wichtig. Meine Mannschaft hat unter der Woche auch sehr gut trainiert.“

Ist es von Bedeutung, dass Brünninghausen alle drei direkten Vergleiche in dieser Saison gewonnen hat?

Acil: Es wäre naiv und fahrlässig, wenn wir uns davon blenden lassen würden. Beim Hecker-Cup ging es um nichts, zuletzt im Pokal war es über 120 Minuten ein ganz enges Spiel.

Held: Die drei Siege machen es für Brünninghausen eher gefährlicher. Für uns ist es ein enormer Ansporn, nicht ein viertes Mal zu verlieren. Wer bei dieser Konstellation nicht brennt, hat in so einem Derby nichts verloren.

Wie wichtig wäre ein Derbysieg im Hinblick auf die Frühjahrsrunde?

Acil: Für mich ist es das wichtigste Spiel der Herbstserie. Ein Sieg gibt zusätzlich Selbstvertrauen und Sicherheit, wenn man in der Winterpause auf die Tabelle schaut und sieht, dass man drei Punkte gut gemacht hat.

Held: Auch für uns hat diese Partie eine enorme Bedeutung. Ein Sieg gäbe viel Rückenwind. Außerdem: Man kennt sich ja und trifft sich immer mal wieder. Und da mag ich einfach nicht mehr die Sprüche hören, wenn man wieder verloren hat…

Wer wird am Saisonende vorne liegen?

Acil: Unser primäres Ziel ist der Klassenerhalt. Aber die Nummer eins zu sein, wäre fürs Ego zusätzlich noch mal richtig gut.

Held: Ich hoffe natürlich, dass wir das sein werden. Klar, auch wir wollen vor allem in der Liga bleiben. Brünninghausen hinter uns zu lassen, wäre aber ein schöner Nebeneffekt. Auch darauf würden wir am Ende gerne ein Gläschen leeren…

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Gibt es dieses Duell auch in der nächsten Oberligasaison?

Acil: Ich bin davon überzeugt, dass es beide schaffen werden. Zwei Oberligisten zu haben, macht den Dortmunder Fußball noch attraktiver. Ohnehin ist das hier eine Szene, die es NRW-weit – siehe Hallen-Stadtmeisterschaft - kein zweites Mal gibt. Ich würde mich jetzt schon auf das nächste Derby freuen.

Held: Auch ich freue mich immer wieder auf diese Duelle, die besondere Anspannung, die vielen Zuschauer. Auch ich glaube, dass beide die nötigen Punkte holen werden. Beide haben die Qualität und werden es auch packen.

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