Jung, wild, Wickede: Wie die Westfalia die Westfalenliga mit jugendlicher Frische aufmischen will

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Das Foto mit Wickedes Neuzugängen sieht aus wie ein Mannschaftsfoto. Das neue Gesicht des Fußball-Westfalenligisten ist deutlich jünger. Das birgt viele Chancen - aber natürlich auch eine Gefahr.

Dortmund

, 03.08.2019, 07:33 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mit dem Sieg beim Kronen-Hellweg-Cup hat Westfalia Wickede in dieser Vorbereitung ein frühes Ausrufezeichen gesetzt. Doch Trainer Alex Gocke will diesen Erfolg nicht überbewerten: „Da waren wir die am höchsten spielende Mannschaft - und fast schon zum Siegen verdammt.“ Ohnehin tritt Gocke lieber auf die Bremse, als seinen Partybus voller vieler junger Neuzugänge einfach rollen zu lassen: „Es gibt keinen Grund zur Euphorie, wir haben noch viel Arbeit vor uns.“

Im Seniorenbereich etablieren

Er hat selbst zusammen mit dem Sportlichen Leiter Emre Konya darauf hingewirkt, dass das neue Gesicht der Westfalia ein deutlich jüngeres ist. Nach den Abgängen von Routiniers wie Andreas Toetz oder Benedict Zwahr kamen viele Spieler, die im Pappelstadion ihr erstes Seniorenjahr absolvieren werden: „Fußballerisch haben sie alle die Qualität, aber sich müssen sich im Seniorenbereich erst noch etablieren“, sagt Gocke.

Einer, der das besonders gut geschafft zu haben scheint, ist Marcel Pietryga (kam aus der U19 vom VfB Waltrop), der in der Vorbereitung fast alle Spiele absolvierte und sich auf der Zehn zum jetzigen Zeitpunkt festgespielt hat. Auch Armin Mehovic (SV Beckum) hat seine Torgefährlichkeit bereits gezeigt. Doch hevorheben möchte Gocke keinen seiner Neuzugänge: „Sie machen alle einen guten Job, aber sie haben alle auch noch Luft nach oben.“

Wodniok muss warten

Robin Wodniok dagegen - der vom ASC 09 zur Westfalia kam, um endlich viel Spielzeit zu bekommen - musste nach dem Kronen-Hellweg-Cup erstmal pausieren: „Wir haben ihn bewusst rausgenommen und geschont“, sagt der Sportliche Leiter Emre Konya. Wodniok trainiert momentan nicht mit der Mannschaft, der Saisonstart kommt für ihn ziemlich sicher zu früh.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Westfalia Wickede 2019/20

Der Kader von Westfalia Wickede für die Saison 2019/20
02.08.2019
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Alex Gocke (Trainer)© Nils Foltynowicz
Anil Konya© Nils Foltynowicz
Armin Mehovic© Nils Foltynowicz
Christof Tielker© Nils Foltynowicz
Christopher Herwig© Nils Foltynowicz
Daniel Dukic (Co-Trainer)© Nils Foltynowicz
Daniel Frieg (Co-Trainer)© Nils Foltynowicz
Don Schreiber© Nils Foltynowicz
Emre Konya (Sportlicher Leiter)© Nils Foltynowicz
Finn-Jona Heinings© Nils Foltynowicz
Fynn Krahn© Nils Foltynowicz
Hakan Cevirme© Nils Foltynowicz
Jens Bonde (Betreuer)© Nils Foltynowicz
Joel Kiranyaz© Nils Foltynowicz
Justin Lange© Nils Foltynowicz
Kadir Akinci© Nils Foltynowicz
Kevin Franzen© Nils Foltynowicz
Lukas Homann© Nils Foltynowicz
Malte Remmers© Nils Foltynowicz
Marcel Großkreutz© Nils Foltynowicz
Marcel Pietryga© Nils Foltynowicz
Mehmet Erdogan© Nils Foltynowicz
Mohammed El Moudni© Nils Foltynowicz
Muhammed Cakir© Nils Foltynowicz
Nico Dürkop (Athletiktrainer)© Nils Foltynowicz
Ralf Dieckmann (Betreuer)© Nils Foltynowicz
Robin Dieckmann© Nils Foltynowicz
Robin Wodniok© Nils Foltynowicz
Sebastian Niesewicz© Nils Foltynowicz
Sefa Topcu© Nils Foltynowicz
Tim Rawers (Betreuer)© Nils Foltynowicz

Das gilt nicht für alle drei Torhüter. Auch so etwas, was sie in Wickede lange nicht hatten. „Drei fitte Torhüter, was für ein glücklicher Umstand“, freut sich Konya. Dass Torwarttrainer Rüdiger Panzer noch einmal reaktiviert werden muss, wie in der vergangenen Saison, ist deshalb ziemlich unrealistisch. Aber Joel Kiranyaz, Malte Remmert (der beim Kronen-Hellweg-Cup zum Helden wurde) und Sebastian Nisiewicz machen es dem Trainerteam momentan schwert: „Es gibt noch keinen Favoriten“, sagt Konya, „alles haben ihre Spielanteile in der Vorbereitung bekommen. Jetzt gucken wir auf die Details und dann entscheiden wir, wer am ersten Spieltag spielt.“

Schwacher Hecker-Cup

Die Zeit des vorzeitigen Lobs ist in Wickede vorbei. Die Zeit, in der Zufriedenheit herrschte, bevor es losging, auch: „In der Vorbereitungen waren die Leistungen schwankend, da waren wir teilweise zu lieb. Das darf uns in der Liga nicht passieren“, sagt Gocke.

Nach dem 3:1-Finalsieg beim Kronen-Hellweg-Cup gegen den Landesligisten SV Brackel gab es einen klaren 4:1-Erfolg gegen Mengede, ein Remis gegen den Hombrucher SV „mit einer ganz schwachen ersten Hälfte von uns“ und die Niederlage im Elfmeterschießen gegen Schüren, „was insgesamt einfach ein schwaches Spiel war.“

Mehr Aktion als Reaktion

Und vor allem so gar nicht der Prämisse folgte, die in Wickede jetzt vorherrscht: „Wir wollen mehr agieren als im letzten Jahr. Natürlich muss man sich immer auch am Gegner orientieren, das macht der BVB, das machen die Bayern auch“, sagt Gocke. Aber die Devise lautet: Mehr Aktion als Reaktion.

Damit das auf dem Platz keiner vergisst, sind die Hierarchien „so flach wie möglich“, sagt Gocke, „jeder darf Verantwortung übernehmen.“ Natürlich würden die Wortführer der letzten Jahre auch jetzt noch vorangehen, Anil Konya, Christof Tielker, Robin Dieckmann etwa, „aber ein Finn Heinings, ein Lukas Homann oder ein Muhammed Cakir dürfen auch mehr Verantwortung übernehmen.“

Nicht Jugend forscht, aber nah dran

Mit einem vorformulierten Ziel für die Westfalenliga-Saison tut sich der Coach allerdings schwer: „Wir machen hier nicht ‚Jugend forscht‘, aber wir sind nah dran“, sagt Gocke, „wir müssen uns in der Liga erstmal zurechtfinden.“ Wanne-Eickel, Finnentrop, der Lüner SV, Erkenschwick und der Auftaktgegner Sinsen, das seien Kaliber, „gegen die musst du dich als Jugendlicher erstmal behaupten“, sagt Gocke.

Sein Team wird es ab dem 11. August versuchen: „Der Vorteil nach dem Aufstieg von Meinerzhagen - die fußballerisch überragend waren - ist: Die Liga ist relativ ausgeglichen. Für die Zuschauer ist das zwar spannend, weil jeder jeden schlagen kann“, sagt Gocke, „aber es birgt eben auch die Gefahr, mit so einer jungen Truppe unten reinzurutschen, wenn man nicht in jedem Spiel 100 Prozent bringt.“

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