Fußballkreis mit deutlichen Worten zu Kabinen-Partys: Vereine müssen Eier in der Hose haben

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Wenn die Großen Party machen, leiden die Kleinen – nach Berichten über Kabinenpartys im Amateurfußball sieht der Fußballkreis Dortmund den größten Schaden nicht bei den feiernden Senioren.

Dortmund

, 08.11.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Andreas Edelstein, stellvertretender Vorsitzender des Fußballkreises Dortmund, ist weit davon entfernt, die Schilderungen über Kabinenpartys im Seniorenfußball der Amateure zu verallgemeinern. „Auf acht von zehn Sportanlagen funktioniert alles toll, da kommen die Leute umgezogen dahin. Da greifen die Hygienekonzepte. Die Masse macht es anständig“, sagt Edelstein.

Aber es sei eben auch so gewesen, dass die Vorgaben, die da waren, der kleinstmögliche Nenner waren, um Spiel- und Trainingsbetrieb zu gewährleisten. Daraus hätten einige aber ganz schnell ein „Es ist wie immer“ gemacht, sagt Edelstein.

„Man begibt sich in ein Feld der Gemütlichkeit“, sagt er. „Wir spielen nicht nur Fußball im Fußball. Amateursport ist eben auch mal das Bier danach. Aber eben nicht jetzt – das muss allen klar sein. Jedem Westfalenliga- und jedem Kreisliga-C-Spieler – jeder trägt mit seinem Verhalten dazu bei, ob gespielt werden kann oder nicht. Darum müssen beim Bewusstsein für die Situation bei den jungen Leuten im Verein permanent nachschärfen. Sagen, dass wir gerade nicht bei früher sind. Und wenn am Dienstag was schiefläuft, muss man am Donnerstag klar machen, dass das Mist war und nicht noch drei Wochen warten.“

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Manchen Seniorenfußballern, sagt Edelstein, sei oft gar nicht bewusst, welche Konsequenzen ihr Verhalten habe. „Ein Verein besteht ja nicht nur aus der ersten Mannschaft. Der geht runter bis zu Vier- oder Fünfjährigen. Und denen wird dadurch irgendwann die Möglichkeit genommen, Sport zu machen, obwohl sie am wenigsten was dafür können. Dann sind es die Jugendmannschaften, die den Scheiß der Senioren ausbaden müssen. Guck ich mir D-, E- oder F-Jugenden an, wie die auf den Platz kommen, das ist ein Traum. Die sind soviel vorbildlicher als ganz viele Erwachsene.“

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Darum gelte sein Appell für die Zukunft, wenn der Ball wieder rollt, auch den Seniorenspielern: „Wenn es in der Kabine hoch her geht, dann nützt es nix, erst mitzumachen und dann ein schlechtes Gewissen zu haben. Sondern als Spieler muss ich in dem Moment den Mund aufzumachen, meine Tasche packen und den Mist nicht mitmachen. Dann werden vielleicht auch ein paar andere wach.“

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Was die Durchsetzung eines Hygienekonzepts angeht, sieht der stellvertretende Kreisvorsitzende zu 100 Prozent die Vereine in der Pflicht und keine externen Kontrolleure. Für die Vereine gelte ganz klar: Meine Kabine ist mein eigener Verantwortungsbereich. „Wenn ich als Verein nicht in der Lage bin, eine Kabine nutzbar zu machen, dann kann ich sie nicht zur Verfügung stellen. Dann muss ich als Verantwortlicher einfach die Eier in der Hose haben und sagen: Da geht nicht. Und wenn mir dann irgendein 21-Jähriger sagt: Ich will das aber, sonst spiel ich hier nicht mehr – dann spielt er eben hier nicht mehr.“

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Den Vereinen sei vom Verband und von den Gesundheitsbehörden aufgetragen worden, wie man sich zu verhalten habe, um den Spielbetrieb zu ermöglichen. Und wenn sich die Leute nicht an diese Regeln hielten, müsse man auch den Mut haben, laut zu sagen, dass sie damit nicht nur den Spielbetrieb ihres Klubs gefährden, sondern aller Vereine – vor allem der breiten Mehrheit von Vereinen, in denen alles vorbildlich laufe. Zugespitzt heiß das für Edelstein: „In so einer Situation muss ein Verein die Dinge so unattraktiv wie möglich machen, damit das aufhört.“

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