Keine Richtlinien für Sportler: Vereine sind nach Corona-Kontakten auf sich gestellt

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Es sind bereits erste Corona-Fälle im Amateurfußball aufgetreten. Behörden und Verbände bieten keine offiziellen Richtlinien an. Die Vereine wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen.

03.08.2020, 16:56 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Ball rollt endlich wieder. Zwar mit Meldelisten, eingeschränkter Kabinennutzung, teilweiser Maskenpflicht und anderen Hygienevorschriften - aber er rollt. All diese Maßnahmen machen es möglich, dass die Amateurfußballer trotz des Coronavirus wieder auf die Plätze dürfen. Einen hundertprozentigen Infektionsschutz gibt es bei Fußball-Testspielen aber natürlich nicht - viele Kicker in der Umgebung haben das bereits miterlebt.

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Aber was muss eigentlich passieren, wenn nach einem Testspiel festgestellt wird, dass ein Spieler oder eine Spielerin mit dem Coronavirus infiziert war? Alle beteiligten zu informieren ist selbstverständlich, aber wie muss ein Verein sonst noch verhalten? Hilfe suchen Vereine beim Land vergeblich. Auf der Homepage des Landessportbund (LSB) NRW gibt es zahlreiche Informationen zum Wiedereinstieg in den Sportbetrieb und den Hygienemaßnahmen, die Vereine ergreifen müssen - allerdings keine einzige dazu, was passiert, wenn all diese Maßnahmen nicht greifen und tatsächlich ein Coronafall auftritt.

Vereine müssen bei Trainings und Testspielen zahlreiche Hygienemaßnahmen ergreifen.

Vereine müssen bei Trainings und Testspielen zahlreiche Hygienemaßnahmen ergreifen. © Stephan Schuetze

Auch ein Anruf bringt keine neuen Erkenntnisse. „Wir haben zwar viele Checklisten für Vereine“, erklärt Frank-Michael Rall, „aber da geht es eher um allgemeine Verhaltensregeln oder Regeln für Mitgliederversammlungen.“ Der Pressesprecher des Landessportbund (LSB) NRW erklärt, dass jeder Fußballverband für sich selbst wissen müsse, zu welchen Maßnahmen er seinen Klubs rät, da die Verbände auch beim Wiedereinstieg in den Sport „ihr eigenes Süppchen kochen“. Für die heimischen Amateurkicker wäre also der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) der Ansprechpartner.

FLVW: „Es gibt keine Vorlage und auch keine Empfehlung“

Andere Homepage - gleiches Bild. Auch beim FLVW gibt es online keine konkreten Verhaltensempfehlungen bei einem aufgetretenen Coronafall. Aber auch beim Verband heißt es für Vereine in Sachen Hilfe: Fehlanzeige. „Es gibt keine Vorlage und auch keine Empfehlung vom Verband, wie in solch einem Fall entschieden werden muss“, sagt Manfred Schnieders. Die Vereine, so der FLVW-Vizepräsident, müssten sich an die lokalen Gesundheitsbehörden wenden.

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Auf Anfrage bei der Stadt Dortmund nach der richtigen Verhaltensweise können die Behörden am gleichen Tag keine Auskunft mehr erteilen - eine fertige Checkliste oder zumindest allgemeine Richtlinien scheinen also nicht vorzuliegen. Lediglich der Fußballkreis Dortmund hat anlässlich des Falles im Testspiel Türkspor Dortmund gegen den SuS Oberaden eine mündliche Empfehlung ausgesprochen: „Alle Spieler sollten sich testen lassen und der Trainingsbetrieb sollte ruhen bis die Ergebnisse vorliegen“, so Grondziewski.

Die dünne Informationslage ist angesichts der bisher aufgetretenen Coronafälle in der Amateurfußballwelt verwunderlich. Den ersten Fall gab es bereits zu Beginn der Coronakrise Anfang März. Nach dem Bezirksliga-Spiel der Dortmunder Klubs TuS Eichlinghofen und FC Roj wird bekannt, dass ein TuS-Spieler unwissentlich mit einer Coronainfektion auf dem Platz stand.

Im FLVW sind bereits einige Corona-Fälle aufgetreten

In der langsam wieder angelaufenen Testspielphase gab es bereits Coronafälle beim SV Herbern und beim Werner SC. Die Oberliga-Kicker des TuS Haltern warten noch auf die Testergebnisse eines Spielers von Teutonia Waltrop, gegen das die Halterner am Wochenende gekickt hatten. Türkspor Dortmund hat bereits die Gewissheit, dass ein Spieler von Testspielgegner SuS Oberaden mit dem Coronavirus infiziert war. „Uns fehlt jetzt einfach ein Leitfaden“, sagte Tim Eibold, Sportlicher Leiter von TSD, nachdem der Fall bekannt wurde.

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Und nicht nur die Spieler sind betroffen: Bei einem Junioren-Testspiel des SuS Stadtlohn gab es bereits Ende Juni einen Vorfall mit einem Zuschauer, der positiv auf Covid-19 getestet wurde. Hier gingen die Listen mit allen erfassten Daten der über 60 Zuschauer an das Gesundheitsamt des Kreises Borken. Diese wurden dann mit der Empfehlung kontaktiert, sich auf das Virus testen zu lassen. Das taten die meisten auch, letztendlich blieb es aber bei dem einen positiven Test.

Eine Coronainfektion im Amateurfußball ist also keineswegs eine Seltenheit. Verdüstern sich damit die Aussichten auf den Saisonstart am 6. September, wieder? Der FLVW versucht zu beschwichtigen. „Der Plan, dass am 6. September die neue Saison beginnt, steht weiterhin“, so Manfred Schnieders. Fehlt nur noch der Plan, was passiert, wenn ein aktiver Amateurkicker mit dem Coronavirus infiziert ist.

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