Keine Rückkehr-Euphorie im Amateursport: „Ich hätte mir mutigere Schritte gewünscht“

Amateursport

Es gibt die ersten Lockerungen nach monatelangem Lockdown, doch die Freude darüber bei den Sportlern ist nicht allzu groß.

von dpa

Frankfurt/Main

, 06.03.2021, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Auf den Amateurplätzen ruht derzeit noch der Ball, eine klare Öffnungs-Perspektive ist schwierig.

Auf den Amateurplätzen ruht derzeit noch der Ball, eine klare Öffnungs-Perspektive ist schwierig. © Jens Lukas

Die ersten Lockerungen nach monatelangem Lockdown sorgen im deutschen Sport noch nicht für die große Rückkehr-Euphorie. Nur wenige Stunden nach dem Beschluss von Bund und Ländern für einen Stufenplan zur schrittweisen Öffnung forderte nicht nur der Deutsche Fußball-Bund möglichst rasche konkrete Vorgaben. „Ich hätte mir mutigere Öffnungsschritte gewünscht“, sagte DFB-Chef Fritz Keller, für den der Plan einen „ersten Schritt“ darstellt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Länderchefs hatten verschiedene Schritte der Öffnung auch für den Sport beschlossen. Abhängig von regionalen Corona-Inzidenzwerten können die Bundesländer ab dem 8. März als erste Maßnahme kontaktfreien Sport unter freiem Himmel in kleinen Gruppen mit maximal zehn Personen vorsehen.

Der Besuch von Fitnessstudios und Spielen im Amateurfußball ist aber erst später möglich. Dies gilt frühestens ab dem 22. März – bei höheren Inzidenzen braucht es dafür einen tagesaktuellen negativen Schnell- oder Selbsttest. Hallensportarten mit Kontakt sind im März gar nicht erlaubt. Wie die Beschlüsse konkret umgesetzt werden, ist nun Sache der Bundesländer.

Als „ersten Hoffnungsschimmer“ wertete Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), den Öffnungsplan. Bei der Umsetzung forderte Hörmann hohes Verantwortungsbewusstsein ein. Dann könne „die verordnete Bewegungslosigkeit unserer 90.000 Vereine und der 28 Millionen Mitglieder bald ein Ende finden“.

Das Ende ist aber nicht für alle Sportler greifbar. Erst in einem nächsten Öffnungsschritt kann es nach 14 Tagen und damit frühestens ab dem 22. März wieder kontaktfreien Sport im Innenbereich oder Kontaktsport draußen geben – aber nur bei einer stabilen Inzidenz unter 50. Auf keinen Fall vor dem 5. April können Hallensportarten mit Kontakt betrieben werden.

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Aus Sorge um den Nachwuchs regte Handball-Boss Andreas Michelmann deshalb eine Rückkehr zu den Wurzeln der Sportart an. „Wir müssen schauen, dass wir in nächster Zeit stärker ins Freie gehen. Jetzt müssen wir das machen, damit uns andere Sportarten die Kinder nicht abwerben“, sagte der Präsident des Deutschen Handballbundes. „Wir müssen mit den Kindern wieder ins Training kommen und auch in die Wettkämpfe.“

In der stufenweisen Öffnungsstrategie für den Amateur- und Breitensport ist dabei eine Notbremse eingebaut: Führen in einer Region einzelne Lockerungen zu einem starken Anstieg der Infektionszahlen, werden dort die Erleichterungen wieder gestrichen.


Die möglichen Öffnungen für den Sport sind in diverse Schritte unterteilt

Dritter Öffnungsschritt ab 8.3. (in den ersten beiden ist der Sport nicht berücksichtigt):

Inzidenz unter 50: kontaktfreier Sport mit maximal zehn Personen unter freiem Himmel.

Inzidenz zwischen 50 und 100: Individualsport im Freien mit max. fünf Personen aus zwei Haushalten. Dazu Sport mit max. 20 Kindern unter 14 Jahren draußen.

Vierter Öffnungsschritt (frühestens ab 22.3.)

Inzidenz unter 50: kontaktfreier Sport drinnen, Kontaktsport draußen.

Inzidenz zwischen 50 und 100: kontaktfreier Sport drinnen, Kontaktsport draußen – jeweils mit tagesaktuellem Schnell- oder Selbsttest.

Fünfter Öffnungsschritt (frühestens ab 5.4.)

Inzidenz unter 50: Kontaktsport drinnen

Inzidenz zwischen 50 und 100: kontaktfreier Sport drinnen, Kontaktsport im Freien – jeweils ohne Test.

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