Kommentar zum Skibbe-Aus beim BVB: Die einzig logische Entscheidung

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Der BVB trennt sich von seinem U19-Trainer Michael Skibbe. Das bestätigte Lars Ricken dieser Redaktion am Freitag. Für Leon Elspaß ein logischer Schritt, wie er im Kommentar schreibt.

Dortmund

, 30.05.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Letztlich bestand nur noch die eine Frage. Wann würde Borussia Dortmund das Arbeitsverhältnis mit Ex-DFB-Coach Michael Skibbe offiziell beschließen? Nachdem die Ruhr Nachrichten am 14. Mai exklusiv von den Rauswurf-Plänen berichtet hatten, stellten sich die BVB-Oberen nicht demonstrativ an seine Seite.

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Sie unterließen diese kollegiale Geste, weil sie genug hatten vom 54-Jährigen. Das Vertrauensverhältnis war massiv beschädigt. Der nun öffentlich kommunizierte Schlussstrich ist deshalb die einzig logische Entscheidung.

Wenn einem leitenden Angestellten selbst intern derart heftige Kritik-Böen entgegenwehen, wenn gemeckert wird, wenn sich gar wegen ihm tiefe Enttäuschung breitmacht, dann ist der Grundstein für eine gesunde, zielführende Zusammenarbeit schlicht nicht mehr vorhanden. Nach unseren Informationen provozierte Skibbe exakt diese Reaktionen. Seine Eignung, als U19-Fußballlehrer und Boss aller Nachwuchsteams gleich zwei eminent wichtige Position in der Juniorenabteilung zu besetzen, wurde längst in aller Deutlichkeit infrage gestellt.

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Bereits im vergangenen Herbst dürften Dortmunds Offizielle erste Zweifel an der Zusammenarbeit bekommen haben. Wie diese Redaktion erfuhr, trudelten schon da die ersten Beschwerden ein. Berater vom zu Teilen durchaus hochqualifizierten U19-Aufgebot meldeten sich beim Verein, kritisierten Skibbes mangelhafte Arbeitshaltung. Von einer 15-Stunden-Woche, die dieser Trainer verlebe, wurde da gespottet. Es war fast zynisch.

Verstimmte Verantwortungsträger beim BVB

Gänzlich verstimmt, so vernahmen die Ruhr Nachrichten, waren Dortmunds Verantwortungsträger dann Anfang Mai, als eine weitere Negativ-Nachricht hereinplatzte. Die BILD-Zeitung berichtete, dass Skibbes Schwager wegen Vergewaltigung zu achteinhalb Jahren Haft samt Sicherheitsverwahrung verurteilt worden sei. Demnach dauerten die Ermittlungen zwölf Jahre an. Der vielmalige Bundesliga-Trainer allerdings ließ seine Kollegen und Vorgesetzten bis zum Schluss in Unkenntnis über den gesamten, hochbrisanten Vorgang.

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Jetzt mag der eine oder andere Leser denken, was des Schwagers Vergehen denn mit dem sportlichen Bereich, also Skibbes Kerngeschäft zu tun habe. Erst einmal herzlich wenig. Doch dass sich Skibbe laut BILD-Zeitung massiv darum bemühte, seinem Schwager statt der U-Haft einen Aufenthalt in seiner Villa zu ermöglichen, und dass in eben jener Villa auch noch zwei der drei letztlich verurteilten Delikte stattfanden – all das hätten sie in Dortmund-Brackel schon gerne gewusst. Eine vertraute Zusammenarbeit sieht für die schwarzgelben Entscheidungsträger deutlich anders aus.

BVB kann nicht zur Tagesordnung übergehen

Sie sind nun auf zweierlei Art und Weise gefordert. Zum einen bedarf es einer strengen Fehleranalyse. Das Projekt Skibbe scheiterte so krachend, dass die Borussen nicht einfach zur Tagesordnung übergehen können. Zum anderen müssen Dortmunds Verantwortliche Ersatz für Skibbe finden. Ersatz, der wahrlich passt.

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Bewerber mit (vermeintlich) toller Vita, großem Namen oder bereits vorhandener Klub-Verbundenheit dürfen beim Casting keinerlei Vorteile besitzen. Vielmehr braucht es Personal, das ebenso fachlich exzellent wie mit Verve bei der Sache ist und sich einer Beschäftigung im Nachwuchsbereich voll und ganz verschreiben will. Für das Mandat des Chefs aller Juniorenmannschaften wird eine solche Fachkraft gesucht. Und für den U23-Trainerposten.

Den sollte Skibbe eigentlich zur kommenden Saison übernehmen. Seit gestern aber ist das aus guten Gründen ganz offiziell Vergangenheit.

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