Konzept vermisst - BVB-Frauen verlieren

2. Handball-Bundesliga

Gerade mal fünf Minuten waren gespielt, da begaben sich Borussia Dortmunds Handballfrauen in den Kriechgang, robbten über den Hallenboden und suchten einträchtig die Kontaktlinse von Kreisläuferin Esther Meyfarth. Es war ein symbolträchtiges Bild – später suchte der BVB vor 350 Zuschauern nach dem geeigneten Konzept gegen die SGH Rosengarten-Buchholz.

DORTMUND

von Von Dirk Krampe

, 09.10.2011, 20:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Mit dem Kopf durch die Wand - das funktionierte nicht nur bei Steffi Glathe in dieser Szene nicht.

Mit dem Kopf durch die Wand - das funktionierte nicht nur bei Steffi Glathe in dieser Szene nicht.

Noch vor Meyfarths Missgeschick mit der Sehhilfe musste der Gast den Ausfall seiner routiniertesten Spielerin verkraften. Natascha Kotenko kugelte sich einen Finger aus und saß fortan nur noch auf der Bank, doch während der BVB beinahe hilflos nach einem Weg suchte, diesen psychologischen Vorteil zu nutzen, schweißte die Personalie die Gäste nur noch mehr zusammen. Die Hamburger zermürbten mit einer konsequenten und hart zupackenden Deckung den BVB, der auch daran zu knacken hatte, dass er in der Rückraum-Mitte vergeblich auf spielerische Geistesblitze wartete. Steffi Glathe ging dort viel zu hohes Risiko und hatte in ihren Pässen eine riesige Streuung, links neben ihr blieb Dagmara Kowalska – gut bewacht – über 60 Minuten blass.

So spielte allein Zuzana Porvaznikova im Rückraum rechts so zielstrebig und temporeich, wie es Vogler gern von allen gesehen hätte. Weil eine echte Spielgestalterin nicht in Sicht war, krankte das Spiel über den Kreis. Auch über Rechtsaußen lief so gut wie gar nichts. Es blieb das Geheimnis der neuen Trainerin, warum sie in Karina Schäfer eine absolute Stammspielerin vor dem Zweitliga-Spiel noch als Verstärkung zur Regionalliga-Mannschaft abstellte. Denn als es ernst wurde (23:23/53. Minute), saß Schäfer, die auch als Regisseurin Qualitäten mitbringt, müde auf der Bank.

Und Vogler brachte für Glathe, die schon viel eher eine Pause gebraucht hätte, in der Mitte Svenja Spriestersbach, die mit drei technischen Fehlern in Serie binnen vier Minuten, die allesamt zu leichten Gegentreffern führten, zum großen Pechvogel avancierte. Zwei Mal hatte der BVB zuvor einen größeren Rückstand mit hohem Aufwand aufgeholt. Als Rosengarten aber Porvaznikova in die kurze Deckung nahm, war es mit der Dortmunder Herrlichkeit vorbei. Ein wirksames Konzept gegen die 5:1-Defensive suchte der BVB vergeblich. Und auch die Kontaktlinse Meyfarths brachte die groß angelegte Suchaktion nicht wieder zum Vorschein. Zum Glück hatte der BVB-Neuzugang ein Ersatzstück noch in der Tasche. Ihr erging es besser als ihrem Klub.

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