Lena Ostermeier - vom Dorfklub in die 1. Bundesliga

Fußball

Das Wetter an diesem Vormittag ist eines Dortmunder Aschenplatzes würdig. Nieselregen, um die zehn Grad. Doch genau diese Mischung hat Lena Ostermeier vor rund zehn Jahren zum Fußball gebracht. Es begann in der Jugend der Sportfreunde Sölderholz. Am 15. September 2013 absolvierte die damals noch 16-Jährige für die SGS Essen ihre ersten kompletten 90 Minuten in der Frauenfußball-Bundesliga.

DORTMUND

von Von Florian Groeger

, 10.10.2013, 14:43 Uhr / Lesedauer: 2 min
Lena Ostermeier spielt für die SGS Essen in der Bundesliga.

Lena Ostermeier spielt für die SGS Essen in der Bundesliga.

Derzeit stehen die Essenerinnen mit zwei Punkten aus vier Spielen auf Rang zehn – das Saisonziel lautet Klassenerhalt. Deutlich besser lief es im DFB-Pokal. Gegen den sechsfachen Deutschen Meister 1. FFC Turbine Potsdam lag die SGS bereits mit 0:2 in Rückstand, drehte die Partie mit drei Treffern binnen elf Minuten aber noch. „Erst haben wir gedacht, dass wir hoch verlieren. Aber ab der 75. Minute ging ein Ruck durch die Mannschaft“, sagt Lena Ostermeier. Mutter Heidi Ostermeier war live dabei: „Wir sind stolz“, erklärt sie – und blickt zurück: „Lena wollte nach einem Turnier im Kindergarten unbedingt auch im Verein spielen.“ Die Eltern waren wenig begeistert, „wir haben versucht, es hinauszuzögern, bis das Wetter schlechter wurde“. Vergeblich. „Jetzt unterstützen wir sie, wo es nur geht“, erklärt die 43-Jährige – schiebt allerdings ein „aber“ hinterher. „Der Aufwand ist groß.“ Die SGS trainiert fünf Mal pro Woche, an vier Einheiten nimmt Lena Ostermeier teil. „Ein Training findet vormittags statt, da muss ich ja in die Schule.“

An den anderen Tagen ist der Ablauf immer identisch. Schule bis nachmittags, schnell nach Hause, umziehen und ab zum Bahnhof. Mit dem Zug geht es nach Essen, nach dem Training tritt der Ostermeier-Fahrtdienst in Aktion. Hausaufgaben werden im Zug oder am Abend erledigt. „Es ist“, gibt Lena Ostermeier zu, „schon schwierig, aber ich habe mich nur in einem Fach um eine Note verschlechtert.“ Doch die Schülerin des Schwerter Friedrich-Bährens-Gymnasiums weiß, wie man sich durchsetzt. Bis zur B-Jugend spielte sie dank einer Sondergenehmigung bei den Jungen. „Am Anfang haben sie noch Rücksicht genommen, dann immer öfter gefoult“, sagt Lena Ostermeier. „Und zum Schluss haben sie sich gegenseitig angeschrieben, weil sie die Zweikämpfe gegen mich verloren haben“, erklärt sie. Auf einem Turnier in Hamburg gab es den ersten Kontakt nach Essen. „Damals war Lena mit elf Jahren zu jung“, begründet die Mutter.

Vier Jahre später sollte es aber soweit sein. Über das U 17-Bundesliga-Team ging es in die erste Mannschaft. Für Sportfreunde-Geschäftsführer Joachim Schanz eine Genugtuung. „Dass die Spielerin eines kleinen Dorfvereins jetzt in der Bundesliga spielt, macht uns stolz. Bei Lena ist viel Eigenantrieb dabei.“ Der ist mittlerweile auch nötig. Seit dem Spiel in Frankfurt würden die Mitspielerinnen im Training viel mehr auf sie achten. Den Namen Ostermeier sollten Fußballfans auf der Festplatte speichern.

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