Lückenkemper sprintet über 200 Meter zum Titel

Leichtathletik: Deutsche Meisterschaften

Gina Lückenkemper wurde bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften deutsche Meisterin über 200 Meter, erneut unterbot sie die Olympia-Norm, mit dem Titel sicherte sie sich das Ticket für die Sommerspiele in Rio.

KASSEL

, 19.06.2016, 18:44 Uhr / Lesedauer: 2 min
Lückenkemper sprintet über 200 Meter zum Titel

Gina Lückenkemper (r.) musste sich strecken, um Lisa Mayer noch in den Griff zu bekommen.

Soviel "Doping" durfte, musste sein. Unmittelbar vor dem Start zum 200-Meter-Vorlauf griff Gina Lückenkemper in ihren Korb, holt ein Stück russisches Brot heraus und biss herzhaft hinein."Es war ein Notfall", sagte die 19-Jährige später mit einem putzmunteren Grinsen, "ich hatte einfach Hunger". Und jeder weiß, dass die Sprinterin der LG Olympia Dortmund es gar nicht mag, wenn sie nichts zu essen bekommt. Und ab sofort war sie nicht mehr aufzuhalten.

Herz auf der Zunge

Ob sie mit diesem Erfolg gerechnet habe? Die 19-Jährige, die sonst eigentlich immer das Herz auf der Zunge trägt, zögerte einen kleinen Moment. Es war ja erst ihr erstes Rennen im Seniorenbereich, "ja, geträumt habe ich davon", mehr wäre auch vermessen gewesen.

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Es war ein ungemein enges, ja dramatisches Rennen, "und nach dem Zieleinlauf wussten wir beide nicht, wer zuerst über der Linie war", sprudelte es aus der 19-Jährigen heraus. Lisa Mayer hatte ihr das Leben nach Kräften schwer gemacht, ganze drei Hundertstelsekunden lag sie am Ende vor der gleichaltrigen Kontrahentin. Natürlich habe sie aus dem Augenwinkel verfolgt, dass Lisa Mayer nicht nachgab. "Du musst dann locker bleiben", sagte sie, als sei dieses Rezept so einfach zu verschreiben. Sie versuche einfach, sich so wenig beeindrucken zu lassen, "es gewinnt eben die Läuferin, die entspannt durchläuft".

Unbekümmertheit

Das ist so einfach gesagt, aber Gina Lückenkemper scheint für solche Rennen wie gemacht. Nun, da sie das Abitur in der Tasche hat, geht sie mit einer beneidenswerten Leichtigkeit an den Sport, "wenn ich keinen Spaß dabei habe, dann bringt es doch auch nichts". Und auch am Sonntag strahlte ihre Unbekümmertheit bis in den letzten Winkel des Stadions, sie lässt die Freude am Sport spüren.

Leicht und locker hatte sich Gina Lückenkemper im ersten Vorlauf für das Finale qualifiziert. 23,20 Sekunden standen auf der Anzeigetafel, und die 19-Jährige konnte glänzend mit der Zeit leben. In der Kurve habe sie noch richtig Druck gemacht, "auf der Geraden habe ich mich dann mehr oder weniger treiben lassen".

Wahnsinnig konstant

Dieser Erfolg in einem harten Finish gebe ihr sicher einen neuen Schub. Und auch die Zeit von 22,84 Sekunden lässt sie strahlen. Alle 200-Meter-Rennen in diesem Jahr hat sie mit einer 22er-Zeit beendet, "es ist wahnsinnig, wie konstant ich in dieser Saison bisher bin". Das macht nicht übermütig, aber selbstbewusst. In der europäischen Bestenliste liegt sie auf Rang drei, wie sehr darf man da vor der Europameisterschaft in Amsterdam träumen? "Es wäre toll, wenn ich ins Finale käme", sagt sie. So ehrlich sie auch ist, alle Träume muss man nicht verraten. 

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