Michael Schirmer arbeitet an seinem olympischen Traum

Dortmunds Sterne

Dortmunds Sterne - so heißt unsere neue RN-Serie. Wir zeigen Ihnen in zehn Folgen, dass es glänzend bestellt ist um den Nachwuchssport in unserer Stadt. Im neunten Teil stellen wir Ihnen Ruderer Michael Schirmer vor.

DORTMUND

von Von Petra Nachtigäller

, 20.04.2011, 10:25 Uhr / Lesedauer: 2 min
Michael Schirmer (r.) führte den deutschen Vierer ohne Steuermann bei der U 23-WM 2010 als Schlagmann auf Rang sechs.

Michael Schirmer (r.) führte den deutschen Vierer ohne Steuermann bei der U 23-WM 2010 als Schlagmann auf Rang sechs.

Michael ist ein absoluter Wettkampftyp, er kann sich stark motivieren“, sagt sein U 23-Trainer Peter Thiede über den 1,95 Meter langen, 90 Kilogramm schweren Schlaks. Der gebürtige Lütgendortmunder, der mit 13 Jahren über einen Schnupperkurs am Reinoldus-Schiller-Gymnasium an den Ems-Kanal kam und dann einfach dabei blieb, sagt, was er am Rudern so mag: „Es ist, viel mehr noch als im Fußball, eine extreme Teamsportart, da sitzen sprichwörtlich alle in einem Boot. Und wir sind als Mannschaft nur so stark wie der Schwächste von uns“, sagt Michael Schirmer. Ruderer im Hochleistungsbereich lieben es gemeinhin, sich zu quälen, im Training wie im Wettkampf. Der Hanseat kann das bestätigten: „Wenn es in einem Rennen eng zugeht, Kopf an Kopf, wenn es darum geht, die Nerven zu behalten, dann macht das Spaß, auch wenn es richtig wehtut. Die Schmerzen sind nach guten Wettkämpfen aber viel schneller vergessen“, erklärt der Blondschopf und lacht.

Diese Lust an der Qual und das Ausloten von Leistungsgrenzen führte den von Schirmer geführten Juniorenachter bei der Weltmeisterschaft 2007 in Peking zur Goldmedaille, zwei Jahre später kam noch einmal WM-Silber mit dem U 23-Großboot hinzu und 2010 ein sechster WM-Platz im Vierer ohne Steuermann – mit Schirmer als Schlagmann. Diese großen Erfolge auf internationalen Gewässern haben verständlicherweise Lust auf mehr gemacht, und so sagt denn auch der Dortmunder, nach seinem größten Ziel befragt, ohne Zögern „Olympische Spiele“. Im Herbst rückt Michael Schirmer nach vier U 23-Jahren in den von Bundestrainer Ralf Holtmeyer betreuten A-Bereich auf. „Dieser Sprung ist schon sehr groß. Ich will und muss mich da aufs Neue beweisen“, weiß er, der schon jetzt täglich in der Früh zum Training ans Bootshaus am Fredenbaumpark fährt, auf dem Ergometer, im Kraftraum oder auf dem Wasser an der Form arbeitet. „Zeitlich noch mehr trainieren geht kaum“, sagt der Noch-Lehramtsstudent, der sich gerade aber für eine duale Ausbildung für den gehobenen Dienst bei der Polizei beworben hat.

Michael Schirmer hat sein junges Leben auf den Rudersport ausgerichtet. Längst wohnt er in einer der Ruderer-Wohngemeinschaften an der Rheinischen Straße („Nach dem Training wird entspannt, dann gemeinsam aufgeräumt“), auch die Freundin muss Verständnis haben für seinen trainingsintensiven Sport. Und während in anderen Familien die Kinder oftmals in den sportlichen Spuren der Eltern wandeln, ist es bei Schirmers genau umgekehrt. Der jüngste der beiden Söhne steckte Mama und Papa derart mit dem „Ruder-Virus“ an, dass die beiden ebenfalls dem RC Hansa beitraten und sich jedes Jahr aufs Neue und mit einigem Erfolg um die Titel der „Kilometer-Könige“ bewerben. Michael Schirmer grinst. Seine Ziele sind etwas höher angesiedelt. „Olympia, davon träume ich, 2016 in Rio ...“, sagt er mit leuchtenden Augen, und schiebt augenzwinkernd nach: „Aber gegen London 2012 hätte ich auch nichts“.

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