Nadja Nadgornaja über Form, Druck und Glück

BVB-Handball

Bereits vier Mal spielte Nadja Nadgornaja im Final Four, wenn vier Teams um den Titel des deutschen Pokalsiegers streiten. Vor dem Viertelfinal-Spiel der Handballerinnen von Borussia Dortmund am Sonntag (16 Uhr, Halle Wellinghofen) gegen SV Garßen Celle will sie ihre Mitspielerinnen noch einmal darauf einschwören, "wie einmalig die Atmosphäre an diesen beiden Tagen ist".

DORTMUND

, 08.01.2016, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Nadja Nadgornaja sagt: "Wir müssen den Sieg erkämpfen, vielleicht auch erzwingen."

Nadja Nadgornaja sagt: "Wir müssen den Sieg erkämpfen, vielleicht auch erzwingen."

Welchen Stellenwert hat der DHB-Pokal in dieser Saison für die Borussia? Natürlich einen sehr großen, uns fehlt nur noch ein Sieg, um zum Final Four reisen zu können. Es wäre für uns alle ein großes Ereignis, für viele wäre es die erste Teilnahme, also etwas ganz Besonderes. Wir hatten mit Bietigheim und Titelverteidiger Buxtehude bisher ein ganz hartes Programm, wir hätten uns die Teilnahme wirklich redlich verdient.

Was erwarten Sie für ein Spiel gegen einen Gegner, der bisher in der Bundesliga-Saison noch ohne Sieg ist? In den letzten Partien in der Bundesliga waren wir Außenseiter, jetzt sind wir der Favorit, wir haben den Druck des Siegen-Müssens, den legen wir uns auch selbst auf. Da wird sicher auch Nervosität mitspielen, aber wir müssen zeigen, dass wir die bessere, die stärkere Mannschaft sind.

Wie macht man das? Wir müssen den Sieg erkämpfen, vielleicht auch erzwingen. Es wird vielleicht nicht das schönste und beste Handball-Spiel, aber wir wollen am Sonntag das Ticket ziehen, wir wollen jubeln.

Da passt es, dass die Form der Mannschaft stimmt. Ja, mit den drei Punkten in den letzten beiden ungemein schweren Auswärtspartien hätten wir nie gerechnet. Niemand konnte erwarten, dass wir Metzingen und Bietigheim so viele Probleme bereiten. Aber das hat uns richtig Selbstvertrauen gegeben, darauf können wir aufbauen, diesen Wind, diese Dynamik wollen wir jetzt mitnehmen.

Sie selbst haben in den beiden Spielen stolze 16 Tore geworfen. Es ist auch bei mir definitiv eine Formsteigerung. Jetzt zeigt es sich, dass ich die freie Zeit während der EM gut genutzt habe, wir haben hart gearbeitet, vor allem die Abstimmung mit den Mitspielerinnen ist deutlich besser. Das ist für mich sehr wichtig, ich bin bei meinem Spiel auf die anderen angewiesen.

Die Nichtberücksichtigung für die EM hat keine Spuren hinterlassen? Ich war erstaunt und schockiert. Jeder, der mich kennt, weiß, wie sehr es mir zugesetzt hat. Es fiel mir nicht leicht, das zu verdauen. Vielleicht bin ich in ein kleines Tief gefallen. Aber ich habe mich nicht verkrochen, und ich habe mir auch nicht gesagt: Jetzt zeige ich es allen. Es war weder Wut noch Trotz im Spiel. Ich habe es verarbeitet, es akzeptiert. Ich bin mit mir im Reinen. Im Moment ist die Nationalmannschaft für mich gegessen, eine Nominierung lässt sich nicht mit der Brechstange erzwingen.

Ist Nadja Nadgornaja denn jetzt bei der Borussia leistungsmäßig schon da, wo sie hin will? Ich spüre, ich bin beim BVB angekommen, aber bei meiner Leistung ist sicher noch Luft nach oben. In Erfurt habe ich mich zuletzt blind mit meinen Mitspielerinnen verstanden, so weit können wir hier noch nicht sein. Ich habe es unterschätzt, es dauert länger als erwartet, bis die Abläufe stimmen. Aber das kommt erst mit der Zeit, und deshalb trügen die Tore auch ein wenig. Wichtig ist, die Mannschaft kommt voran, und dazu trägt jeder seinen Teil bei. Und da ist es egal, wer wie viele Tore wirft.

Vielleicht ja genug, um am 20./21. Mai den Pokal-Triumph zu feiern. Langsam, jetzt müssen wir erst einmal Celle besiegen, das wird schwer genug. Aber wir haben gezeigt, wir können mithalten, wir können auch gegen die ganz starken Teams bestehen, wir können auch die Großen zu Fall bringen. Saskia Weisheitel hat zuletzt gesagt: „Der Pokal ist unser Wettbewerb.“ Vielleicht werden ihre Worte ja wahr. Aber wir brauchen sicher auch ein Quäntchen Glück.

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