Nemarnik ist Dortmunds dienstältester Tennislehrer

Tennis

Zeljko Nemarnik hält einen Rekord im Dortmunder Tennis, an den nur schwer heranzukommen ist. Er ist der dienstälteste Tennistrainer der Stadt, seit 45 Jahren geht er diesem Beruf nach. Und was die Vereinstreue angeht, spielt er auch ganz vorne mit: Seit 35 Jahren ist er Trainer beim TC Berghofen. Obwohl: "Trainer" hört er eigentlich nicht so gern…

Dortmund

04.05.2017, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Nemarnik ist Dortmunds dienstältester Tennislehrer

Ein Institution, nicht nur im Dortmunder Tennis: Zeljko Nemarnik.

Es ist nicht nur ein sprachlicher Unterschied, sondern auch ein methodischer. „Es geht nicht nur ums Trainieren“, sagt der 71-Jährige, „es geht ums Lehren. Das ist ein Unterschied.“ Also: Nicht Trainer, sondern lieber Tennislehrer. Lehren heißt: Schauen wo die Stärken und Schwächen des Einzelnen liegen, zeigen, wie es richtig geht und dann konsequent daran arbeiten.

Mit Spaß bei der Sache

„Auch jemand, der kein großes Ballgefühl hat, kann Spaß am Tennis haben“, sagt Nemarnik. Das will er vermitteln. Es erfordert in diesem Fall eben manchmal etwas mehr Geduld (beim Lehrer). Und Fleiß (beim Schüler). Nemarnik weiß, wovon er spricht. Er gilt immer noch als der Mann mit dem besten Blick. Nach ein paar Schlägen kann er bei jedem Spieler genaustens analysieren, wo die Stärken und Schwächen liegen. Das hat er von Grund auf gelernt. Als Nemarnik das Tennis zu seinem Beruf gemacht hat, waren die Voraussetzungen noch etwas andere.

Eine dreijährige Ausbildung hat er im ehemaligen Jugoslawien absolvieren und 300 Stunden Arbeit auf dem Platz vorweisen müssen, um zur Prüfung zugelassen zu werden. Parallel mussten die zukünftigen Tennislehrer eine berufliche Ausbildung absolvieren. Nemarnik hat eine als Maschinenschlosser gemacht. Klar war aber schon damals: Tennis wird sein Leben bestimmen. Er hat in der Jugend-Nationalmannschaft gespielt, in der Auswahl für den  Galea-Cup, dem Davis-Cup für Juniorenteams.

Durch Zufall nach Dortmund gekommen

Sein Tennistalent hat ihn auch nach Deutschland gebracht. Zunächst nach Hannover, 1971. Doch dann hatte der Zufall seine Hände im Spiel. Hier fiel jemand aus, dort wurde Ersatz gesucht und Nemarnik landete 1972 in Dortmund. Zunächst beim DTK, seiner ersten Trainerstation in der Stadt, dann beim DTG Rot-Weiß (ab 1975), beim TC Eintracht (ab 1977), schließlich beim TC Berghofen. Auch das mehr ein Zufall. Es hatte, neben freundschaftlicher Verbundenheit, damit zu tun, dass auf der Anlage an der Rubinstraße aus dem Hartplatz ein Ascheplatz wurde. Selten hatte ein neuer Platz vermutlich so weitreichenden Einfluss für einen Klub …

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In Berghofen hat er die große Zeit mitgemacht, als von 1975 bis 1987 der Frühlingscup ausgerichtet wurde. Damals eine große Nummer, internationale Spitze. Und Bühne für den nationalen Nachwuchs. Ein junges Mädchen sorgte damals für einiges Aufsehen, an sie kann sich Nemarnik noch gut erinnern. „Der konnte man das Talent sofort ansehen, sie hatte die Gabe, sich im richtigen Moment durchzubeißen“, erinnert sich Nemarnik. Man sollte später noch ein wenig mehr hören von dieser Steffi Graf ...

Mit Spitzenspielern zusammengearbeitet

Auch Nemarnik, der 2010 vom Westfälischen Tennisverband als Erster zum „Trainer des Jahres“ gewählt wurde – eine besondere Auszeichnung auch für seine Lehrtätigkeit für den Verband – hat selbst mit Spitzenspielern zusammengearbeitet, sie nach vorne gebracht. Er hat aber nie einen großen Wirbel darum veranstaltet.

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„Ich weiß nicht, ob das ein Fehler war“, schaut Nemarnik zurück, „es sollten ja die Spieler im Vordergrund stehen.“ Die Liste ist dennoch beeindruckend: Daria Deskovic, ehemals 199 der Weltrangliste, Justine Ozga, Teilnehmerin am Orange-Bowl in Florida, drei Deutsche Meister der Junioren, einen Vize-Europameister, vier Westfalenmeister.

Nach dem Sommer kürzertreten

Nach diesem Sommer will Nemarnik als Tennislehrer kürzertreten. Noch steht er pro Woche 30 Stunden auf dem Platz, „weil’s Spaß macht, weil ich mich noch fit fühle.“ Langsam aber will er die Aufgaben an sein Trainerteam in Berghofen weitergeben. Dann hat er auch mehr Zeit für die Familie, die fünf Enkelkinder. Ganz vom Tennis lassen wird er vermutlich aber nie. Nemarnik und Tennis – das gehört einfach zusammen. 

 

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