Olympiasiegerin Ursula Happe feiert 85. Geburtstag

Schwimmen

Es ist nachmittags, kurz vor fünf, und Ursula Happe ist gerade zur Wohnungstür in Wellinghofen hereingekommen. Sie war schwimmen, wie jeden Tag, 1000 Meter. Auch am Donnerstag, an ihrem 85. Geburtstag.

DORTMUND

von Von Petra Nachtigäller

, 20.10.2011, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das Wasser ist ihr Element: Auch heute noch schwimmt Olympiasiegerin Ursula Happe täglich 1000 Meter.

Das Wasser ist ihr Element: Auch heute noch schwimmt Olympiasiegerin Ursula Happe täglich 1000 Meter.

Von professioneller Olympiavorbereitung heutigen Zuschnitts war die Europameisterin von 1954, die in ihrer Laufbahn auch 18 Deutsche Meistertitel sammelte, damals weit entfernt. Morgens um sechs radelte Ursula Happe, die als Tochter eines Bademeisters in Danzig das Licht der Welt erblickte und nach dem Krieg in Dortmund heimisch wurde, zum einzigen Hallenbad mit 25-Meter-Bahn. „Wenn ich Glück hatte, ließ mich der Hausmeister vor halb sieben rein“, erinnert sich die 85-Jährige, und fährt fort: „Ich konnte aber höchstens einen Kilometer trainieren, dann musste ich schnell nach Hause“. Ehemann Heinz Günter musste zur Arbeit, und die Kinder brauchten ihre Mutter.

Nach dem EM-Titel von ´54 hatte sich Ursula Happe vom Schwimmsport zurückgezogen, doch packte sie zwei Jahre später, im reifen Sportlerinnen-Alter von 30 Lenzen, nochmals der Ehrgeiz, der in der Olympia-Qualifikation für Melbourne mündete. Das 200 Meter-Finale selbst fand gegen halb Zehn abends statt, „es war Schlafenszeit, ich wäre viel lieber ins Bett gegangen“. Gut, dass sie es nicht tat. Nach 2:53,10 Minuten schlug Happe als Olympiasiegerin über 200 Meter Brust an. Eine Sensation – und der beste Zeitpunkt, die Karriere zu beenden. Ein turbulenter Rückflug aus Melbourne (Happe: „Das Gemüse flog uns nur so um die Ohren“) konnte ihr nichts anhaben, aber ihrer Goldmedaille: Die wurde im Plastikkästchen so hin- und hergeschleudert, dass die Goldbeschichtung abplatzte.

Egal, die Momente von Melbourne überstanden alles unbeschadet. Zweimal wurde Ursula Happe zu „Deutschlands Sportlerin des Jahres“ gewählt (1954, 1956), die Dominikanische Republik widmete ihr 1960 sogar eine eigene Briefmarke. Happe auf dem Startblock stehend – 100 Centavos wert, aber eigentlich unbezahlbar. Letztes Jahr, Ursula Happe war mit dem Rad gerade auf dem Weg zum Freibad, wurde sie von einem Auto angefahren. Krankenhaus, Hüft-Operation – alles überstand sie mit großem Willen.  Am Donnerstag will sie ihren Ehrentag nicht groß feiern. Am Sonntag kommen die vier Kinder (darunter Sohn Thomas, der mit den DHB-Handballern 1984 Olympia-Silber gewann) nebst Enkeln zum Kaffeetrinken – aber vorher, da geht‘s noch ins Hörder Hallenbad. 

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