Personalschock: TV Hörde verliert sechs Spieler und viel Erstliga-Erfahrung

Volleyball

Sechs Spieler verlassen die Drittliga-Männer-Mannschaft des TV Hörde. Darunter ist auch ein Spieler mit Erstliga-Erfahrung, der aber einige seiner ehemaligen Kollegen nach Hörde bringen will.

Dortmund

, 25.05.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Volleyballer des TV Hörde müssen sechs ihrer Routiniers verabschieden.

Die Volleyballer des TV Hörde müssen sechs ihrer Routiniers verabschieden. © Folty

Sein Abschied aus der Volleyball-Halle stand schon länger fest, das letzte Heimspiel des Drittligisten TV Hörde am 29. März sollte der krönende Schlusspunkt unter seiner beeindruckende Laufbahn sein.

Nun, Corona stoppte diesen Abschied von Jan Terhoeven äußerst abrupt, und so ließen sich seine „Hörder Jungs“ zum Ausstand ihres langjährigen Kapitäns etwas Besonderes einfallen. Der Reihe nach schickten seine Mitspieler, alle in ein weißes T-Shirt mit dem Aufdruck „Danke Jan #9“ über Instagram kurze Videos mit vielen warmen Worten, vor allem des Dankes, an ihre Nummer 9. Jeden Tag ein Neues. „Das war schon sehr, sehr lieb“, sagte der so geehrte 31-Jährige und mochte seine Rührung über diesen „Liebesbeweis“ seiner Mitspieler gar nicht verbergen.

Seit seinem achten Lebensjahr pritscht und schmettert Jan Terhoeven mit großer Leidenschaft, er feierte schon in der Jugend mit den Hörder Rothemden schöne Erfolge. Seine Klasse führte den ehrgeizigen Außenangreifer sogar bis in die 1. Bundesliga. Knapp drei Jahre spielte der 1,94-Meter-Mann für den VC Bottrop – bis ihn ein Bandscheibenvorfall stoppte und seine Erstliga-Karriere beendete. Terhoeven heuerte 2011 wieder beim TV Hörde an, stieg mit den Südlichen in die Regional- und dann in die 3. Liga auf.

Jan Terhoeven hat 18 Spielzeiten ohne Pause hinter sich

Mit 31 ist nun Schluss. „Das hat mehrere Beweggründe“, erklärt der Wirtschaftsingenieur, der bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und -medizin in Dortmund arbeitet und gerade an der TU Berlin promoviert. „Ich möchte gern meine Promotion abschließen, das braucht seine Zeit. Außerdem habe ich jetzt 18 Hallen-Spielzeiten in Serie absolviert. Es hat zwar mit dem Gedanken ans Aufhören bei mir ein wenig im Kopf gedauert, aber jetzt fühlt es sich richtig an“.

Der Kapitän geht von Bord: Jan Terhoeven hängt seine Hörder Hallenschuhe an den berühmten Nagel.

Der Kapitän geht von Bord: Jan Terhoeven hängt seine Hörder Hallenschuhe an den berühmten Nagel. © Nils Foltynowicz

Eigentlich wollte der TVH-Kapitän, der nicht nur auf, sondern auch außerhalb des Spielfeldes in Team- und Spiel-Organisation eine prägende Person am Phoenixsee war, in diesem Sommer noch eine Beach-Saison mit einem alten Kumpel aus Bundesliga-Zeiten dranhängen, doch Corona-bedingt ist für alle deutschen Sandwühler bisher nur klar, dass gar nichts klar ist. Zur Zeit hält er sich mit vielen Lauf- und Rennrad-Einheiten in Form. „Die Jungs müssen keine Sorge haben, so schnell werden sie mich nicht los“, sagt der Außenangreifer im Ruhestand mit einem Grinsen, „ich werde mal ab und an beim Training vorbeischauen und natürlich bei den Spielen“.

In der kommenden Saison wird er dann in der Sporthalle an der Seekante eine stark veränderte Hörder Mannschaft antreffen, denn nicht nur Jan Terhoeven hängt seine Hallenschuhe an den Nagel. Mit ihm hören die Routiniers Marius Harrmann, Hans-Peter Ludwig, Fabian Fingerhut, Niklas Mielke und Dominik Sikorski auf. „Das war vereinsintern erst mal ein kleiner Schock, aber nach anfänglicher Panik haben wir in einem Meeting ein neues klares Ziel vereinbart: Wir bauen weiter ein junges Team mit sportlicher Perspektive auf, das mittelfristig ans Tor zur 2. Liga anklopfen kann. Und das nur mit Leuten, die ins Hörder Konzept passen“, sagt der scheidende Kapitän, der zusammen mit Trainer Michael Kohne und dem Vorstand in die Personalplanung für die kommende Saison noch eingebunden ist.

Jan Terhoeven hofft auf Benefizspiel mit Ex-Erstliga-Kollegen

Die Meldung für die 3. Liga wurde abgegeben, es kann weitergehen. Wir haben eine talentierte Truppe, da müssen jetzt die Jungen mehr Verantwortung übernehmen“, weiß das Hörder Urgestein. So ganz ohne Abschied möchte Jan Terhoeven seine Hallen-Laufbahn übrigens nicht beenden. Sollte vor dem ersten Heimspiel der kommenden Saison wieder Publikum in der „Hörder Festung“ erlaubt sein, könnte sich der 31-Jährige durchaus ein Benefizspiel vorstellen: die aktuelle Drittliga-Mannschaft des TVH könnte dann auf eine „Jan & Friends“-Auswahl treffen. „Ein paar ehemalige Erstliga-Kollegen wie Lukas Kampa (langjähriger Zuspieler der deutschen Nationalmannschaft/die Red.) und ein paar alte Hörder Haudegen machen da bestimmt gerne mit“, hofft Terhoeven auf einige Volleyball-Prominenz.

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