Durch die Hallensituation müssen die Dortmunder Handball-Klubs improvisieren. Wie zum Beispiel Borussia Höchsten, der TuS Wellinghofen und der ASC 09. Eine Trainerfrau ist schon erzürnt.

Dortmund

, 06.02.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Marc Rode fährt einen Tiguan. Ein geräumiges Auto. Das wird ihm aktuell zum Verhängnis. Der Trainer des Handball-Landesligisten Borussia Höchsten muss deshalb die Trainingsutensilien des Teams in seinem PKW bunkern. Denn der Klub ist wie viele andere Vereine in Dortmund aktuell heimatlos.

Die prekäre Hallensituation der Stadt bringt die Vereine in diese unbefriedigende Situation. Oberhalb der Bezirksliga betrifft das neben der Borussia auch den ASC 09 Dortmund, den TuS Wellinghofen und den BVB. In Rodes Auto lagern unter anderem Airbodys, Stangen und Leibchen. „Meine Frau hat sich schon beschwert. Es ist nicht gerade förderlich, mit einem vollen Kofferraum zum Einkaufen zu fahren“, sagt Rode.

Die Hallensituation ist schwierig für die Vereine

Die Vereine sind aber gezwungen zu improvisieren. Deshalb, weil die Halle Wellinghofen noch bis in den April hinein nicht genutzt werden kann und die Halle Aplerbeck 1 gerade erst für Renovierungsarbeiten geschlossen wurde. So trainieren Borussia Höchsten und der TuS Wellinghofen, deren Heimat die Halle Wellinghofen ist, in der Halle Nord 2 und in Hacheney. Der ASC 09 Dortmund reist mit seinen vielen Mannschaften in gleich sechs Hallen (Scharnhorst, Brackel, Nord 2, Kreuzstraße, Huckarde und Asseln alt).

Ganz kompliziert wird es an den Spieltagen. Der TuS Wellinghofen fuhr dafür am vergangenen Wochenende einmal quer durch Dortmund. Aus dem Süden ging es tief in den Norden. Die Partie gegen die TG Voerde fand in Eving statt.

Maximal 25 Wellinghofer nahmen den Weg in Kauf. „Vielleicht waren insgesamt 50 Leute in der Halle“, sagt Wellinghofens Sportlicher Leiter Jörg Witte, „25 davon kamen aber aus Voerde“. Auf einen Verkauf von Getränken verzichtete der Klub ganz, auch auf die eigene Fanbroschüre. „Für wen sollen wir die produzieren, wenn keiner kommt?, fragt Witte.

„Als wir morgens das Haus verlassen haben, müssen unsere Nachbarn gedacht haben, wir ziehen aus.“
Frank Fligge, Abteilungsleiter ASC 09

Die Landesliga-Herren und die Oberliga-Frauen des ASC 09 Dortmund hatten am Sonntag erstmals die Halle Hacheney als Heimstätte. „Als wir morgens das Haus verlassen haben, müssen unsere Nachbarn gedacht haben, wir ziehen aus“, sagt Aplerbecks Abteilungsleiter Frank Fligge.

Vereine bewältigen die logistischen Herausforderungen unterschiedlich

Er und dessen Frau kümmern sich um das Catering bei den Heimspielen. „Wir sind mit zwei Autos zur Halle Hacheney gefahren“, sagt Fligge. Unter anderem stapelten sich Tapeziertische, Waffeleisen und Sandwichtoaster in den Autos. Auch die Werbebanden nahm die Familie mit. Ein bisschen erinnerte das Einladen an Tetris. Jede freie Lücke wurde genutzt. Ein Kühlschrank fehlt aber in der Halle. Deshalb nahm der Klub nur Kisten mit. „Im Winter ist das ja kein Problem. Wenn die Temperaturen hoch gehen, werden die Getränke aber schneller warm“, sagt der ASC-Abteilungsleiter.

Borussia Höchsten transportiert sogar einen Kühlschrank zu seinen Heimspielen in der Fremde. „Ein Mitglied lagert den Kühlschrank in seiner Garage. Das Team, das als erstes spielt, holt ihn ab. Die Mannschaft, die als letztes in der Halle dran ist, bringt ihn wieder zurück“, erklärt der Abteilungsleiter Patrick Drees.

„Ein Mitglied lagert den Kühlschrank in seiner Garage. Das Team, das als erstes spielt, holt ihn ab. Die Mannschaft, die als letztes in der Halle dran ist, bringt ihn wieder zurück.“
Patrick Drees, Abteilungsleiter Borussia Höchsten

Zuletzt musste die Borussia das Derby gegen den ASC sogar in der damals noch offenen Aplerbecker Halle austragen. Das Dortmunder Duell gegen Brechten findet ebenfalls in der Heimstätte des Gastes statt. In Eving. Die nächsten beiden Heimspiele absolvieren die Borussen in der Kreuzhalle. Gegen den Zweiten Westfalia Herne und den SV Westerholt. Dazwischen warten die schweren Auswärtspartien gegen die Titelanwärter ATV Dorstfeld und DJK Oespel-Kley.

„Natürlich ist es immer ein positiver Faktor, in der gewohnten Heimhalle zu spielen. Vor allem gegen die Topteams. Dieser Faktor wird uns aber genommen. Ich hoffe, wir rutschen nicht noch einmal nach ganz unten rein. Der Abstand ist ja nicht ganz so groß“, sagt Rode.

Er betont aber, dass die Hallensituation nichts mit der sportlichen Situation zutun hat. So sieht es auch Wellinghofens Sportliche Leiter Jörg Witte. „Dass wir da unten stehen, hat nur sportliche Gründe. Wir kriegen einfach die Abwehr nicht dicht“, sagt er.

In der schwierigen Phase rücken die Dortmunder Handballklubs enger zusammen. Erst vor drei Wochen setzten sich die Dortmunder Südklubs mit dem Kreisvorstand an einen Tisch, um über die Möglichkeiten bei Trainingszeiten zu sprechen. „Wir können uns nur bei den anderen Klubs bedanken, dass sie uns so entgegengekommen sind und uns Trainingszeiten überlassen haben“, so Fligge.

Auch die BVB-Handballer sind betroffen

Mit am Tisch vor drei Wochen saßen auch die Verantwortlichen des Handball-Bundesliga-Klubs Borussia Dortmund. Die Schwarzgelben haben ihre Heimat ebenfalls verloren. Die Heimspiele trägt der BVB in Herdecke aus. Was sich bei den Besucherzahlen bemerkbar macht. Mit 411 Zuschauern im Schnitt lieg der Verein auf dem vorletzten Rang. In der vergangenen Saison waren es noch 161 Besucher mehr pro Partie. Die beiden Europapokalspiele wurden in Hamm angepfiffen.

Andreas Heiermann, BVB-Abteilungsvorstand, ist erst kürzlich auf einer HBF-Tagung auf das Thema angesprochen worden. „Natürlich spricht sich das in der Bundesliga herum, dass der Zustand bei uns unter aller Würde ist - beziehungsweise war.“

Heiermann hat sich am Freitag selbst ein Bild von den Renovierungsarbeiten in Wellinghofen gemacht. Und mit der Freigabe, so sie denn im April stattfindet, blickt auch der Abteilungsvorstand wieder zuversichtlich in die Zukunft. „Die Sportstätte dort wird sehr gut, es wird toll“, sagt er. Darauf dürften wohl die meisten hoffen. Allen voran Marc Rodes Frau.

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