Rauswurf nach freiwilliger Quarantäne: Fußballer erhebt jetzt schwere Vorwürfe

mlzFußball

Nach einem Corona-Fall in der Mannschaft musste ein Spieler in Quarantäne. Das sei auch der Grund für seine Kündigung gewesen, erzählt er und erhebt einen noch schwereren Vorwurf.

Dortmund

, 30.10.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Bezirksligist VfB Schwelm hat den Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) am Montag (26.10.) in einer E-Mail scharf dafür kritisiert, dass er den Spielbetrieb nicht von sich aus absagt. Nach einem Corona-Fall hätten sich dort viele Spieler freiwillig in Quarantäne gemusst. Einer sei daraufhin gefeuert worden. Wir haben mit dem Spieler gesprochen.

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Er möchte anonym bleiben, will nicht noch mehr Ärger, als er ohnehin schon hat. Ihm sei eine Woche vor dem Ablauf seine Probezeit gekündigt worden, erzählt er auf Anfrage unserer Redaktion. Er hatte eine Ausbildung in einem Fitnessstudio gemacht. Er ist der Überzeugung, das Arbeitsverhältnis sei aufgelöst worden, weil er sich freiwillig in Quarantäne begeben habe.

Am 13.10. (Montag) hatte ein Mannschaftskollege nach einem Spiel Symptome gezeigt. Am 15.10. bekam er ein positives Ergebnis. Der Trainer des VfB habe deshalb seinen Spielern geraten, sich auf eigene Kosten testen zu lassen, damit sie ihrem Arbeitgeber schnell etwas vorlegen können. Der Spieler machte einen Termin für Montag (19.10.) aus und teilte seiner Chefin mit, dass er deshalb nicht arbeiten wollen würde.

Auszubildender erhebt schweren Vorwurf

Am Wochenende lag ein Testergebnis also noch nicht vor. An diesem Punkt erhebt der Auszubildende einen schweren Vorwurf: „Sie sagte mir, ich solle trotzdem arbeiten kommen, sie hätte mich eingeplant. Ich finde das verantwortungslos, weil ja noch kein Ergebnis vorlag.“ Er habe aber Angst vor Konsequenzen gehabt und sei arbeiten gekommen. „Wäre ich positiv gewesen, hätte ich Personen anstecken können.“ Er habe den Eindruck, seine Chefin würde Corona nicht ernst nehmen.

Im Laufe der Woche bekam der Spieler das Ergebnis seines Corona-Tests, den er am Montag (19.10) gemacht hatte. Es ist negativ. Das Gesundheitsamt, mit dem er mittlerweile Kontakt hatte, verhing trotzdem eine Quarantäne bis zum 2. November. „Ich dachte, ich sage direkt Bescheid, dass ich nicht arbeiten komme und habe angerufen“, erzählt der Spieler. „Die Studioleiterin habe daraufhin gesagt, dass ich dem ja nicht unbedingt Folge leisten müsste und ich trotzdem arbeiten kommen soll.“

Die Personalsituation sei in der Zeit schwierig gewesen. Seine Chefin habe seine Dienste übernehmen müssen. „Sie dachte wohl, ich würde einfach nur nicht arbeiten kommen wollen und wurde sauer.“ Am Telefon habe sie ihm gesagt, dass sie das Arbeitsverhältnis nicht verlängern würde, dabei wäre die Probezeit in einer Woche vorbei gewesen. „Ich könnte meine Schlüssel am 2. November abgeben und meinen Spint leer räumen“, erzählt der Spieler.

„Dann werde ich einfach gekündigt“

Für ihn sei vorher alles normal gewesen, er sei sogar noch gelobt worden, erzählt er. „Ich habe nie eine Abmahnung bekommen und dann werde ich einfach gekündigt.“ Die Studioleiterin habe Gründe angeführt, die nach seinem Empfinden für eine Rauswurf nicht reichen würden. „Man kann doch niemandem kündigen, weil er mal zehn Minuten zu spät gekommen ist“, findet der Fußballer.

Er sei immer gut mit den Kollegen und den Kunden ausgekommen. Für ihn sei die Kündigung einfach nur ein Grund gewesen, um ihn loszuwerden. „Eine günstige Arbeitskraft kann man ja rauswerfen“, vermutet er. „Mir wird damit meine Zukunft genommen. Von jetzt auf gleich verdiene ich nichts mehr.“ Er wolle aber nicht rechtlich dagegen vorgehen und schaue jetzt nach einer neuen Stelle, sagt der Spieler.

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Konfrontiert mit diesem Vorwurf, verweigerte die Studioleiterin die Aussage und verwies auf die Pressestelle, die am Donnerstagnachmittag auf eine schriftliche Anfrage antwortete, dass man aus Datenschutzgründen und zudem auch arbeitsrechtlich keine betriebsinternen Informationen teilen könne.

In einer vorherigen Version des Artikels fehlte die Stellungnahme der Pressestelle des Fitnessstudios, weil diese eine Anfrage dieser Redaktion zunächst unbeantwortet ließ. Nachdem diese Antwort da war, haben wir sie im Artikel ergänzt.

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