Ex-Trainer Norman Rentsch hat die Bundesliga-Handballerinnen des Borussia Dortmund verlassen, ohne jemals einen gültigen Kontrakt besessen zu haben. Eine Rückkehr wird es nicht geben.

Dortmund

, 19.09.2018, 17:22 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es geht um einen Vertrag, der unterschrieben, aber nie rechtskräftig wurde. Es geht um einen weiteren Vertrag, der angeblich ausgehandelt, aber nie verschriftlicht wurde. Es geht um ein Dienstverhältnis, das vorzeitig endet, weil ein Krankenschein vorliegt. Das ist nicht das Drehbuch einer neuen Netflix-Serie. Das sind Vorgänge, die mit dem Abschied von Norman Rentsch zusammenhängen, der seit Dienstag kein Trainer mehr des Handball-Bundesligisten Borussia Dortmund ist.

Es beginnt alles mit einer Pressemitteilung der Handball-Abteilung des BVB von Dienstagnachmittag. Eine Word-Datei ohne Briefkopf. Der wichtigste Teil des Inhalts:


„Norman Rentsch bat die Verantwortlichen der BVB-Handballabteilung, Andreas Heiermann und Andreas Bartels, um sofortige Vertragsauflösung. Die Beteiligten unterschätzten den Faktor „Entfernung“ zwischen dem Hauptwohnsitz von Norman Rentsch im Erzgebirge und dem Arbeitsplatz in Dortmund. Ein für alle Seiten tragfähiger Kompromiss, was das Thema Heimfahrten anbelangt, konnte nicht gefunden werden somit haben wir dem Wunsch des Trainers auf Vertragsauflösung entsprochen.“

Rentsch wehrt sich gegen die Aussagen

Wie von uns berichtet, wehrte sich Norman Rentsch gegen die Aussagen. Er bestand auf der Feststellung, dass er zum 31. Oktober gekündigt hat. Es bestünde keine Vertrauensbasis mehr aufgrund von nicht eingehaltener Vertragsabsprachen. Er erklärte zudem, dass er bis zum Tag seiner eingereichten Kündigung keinen von beiden Seiten unterschriebenen Vertrag vorliegen hatte und dadurch in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis gerutscht ist. In seiner dadurch entstandenen Probezeit habe er fristgerecht gekündigt.

Der Abteilungsvorstand Andreas Heiermann wollte sich am Dienstag nicht dazu äußern, tat das dann aber am Mittwoch. „Es stimmt, dass Norman Rentsch gekündigt hat. Ich habe aber einen unterschriebenen Vertrag bei uns in der Geschäftsstelle gesehen“, sagt Heiermann.

Vertragsinhalte finden sich nicht in anderer Version wieder

Das Dienstverhältnis von Rentsch begann am 1. Juli beim BVB. „Am 28. Juli habe ich einen Vertrag vorgelegt bekommen, den ich auch notgedrungen unterschrieben habe, um entsprechend sozialversichert zu sein“, erklärt Rentsch. Er habe den Vertrag aber nur unter Protest unterschrieben, weil versprochene Vertragsinhalte sich in der Version nicht wiederfanden.

Rentsch verabschiedet sich mit Krankenschein von Borussia Dortmund

Andreas Heiermann bestätigte die Kündigung von Norman Rentsch. © Stephan Schütze

„Der Vertrag wurde nie rechtskräftig, weil der Verein mir keine Version des Vertrages mit Unterschriften beider Vertragspartner zeitlich angemessen zugeschickt oder persönlich überreicht hat“, sagt Rentsch. Heiermann merkt an, dass er zum Zeitpunkt von Rentschs Unterschrift im Urlaub weilte und den Vertrag zuvor unterschrieben habe. „Den Vertrag hätte Herr Rentsch jederzeit anfordern können. Das ist aber nie passiert“, sagt Heiermann. Für Rentsch sei es ganz klar die Aufgabe des Vereins gewesen, den von beiden Seiten unterschriebenen Vertrag ihm zukommen zu lassen.

Heiermann blickt nach vorne

Ende August setzte sich laut Rentsch dann der Abteilungsvorstand mit ihm zusammen, um einen neuen Vertrag auszuhandeln. „Der erste Vertragsentwurf hatte eine Laufzeit von zwei Jahren, jedoch verständigten sich alle Beteiligten zum Saisonbeginn auf einen Einjahresvertrag unter der Bedingung, dass dann alle mündlich besprochenen Vertragsdetails vom 23. März eingehalten werden“, wie Rentsch betont. Das lässt Heiermann unkommentiert. Er will nur noch nach vorne blicken und eine tragfähige Lösung für die Zukunft finden.

Doch eine Frage ist offen. Wenn der Trainer bis zum 31. Oktober beim BVB angestellt ist, warum coacht Rentsch dann nicht das Team, bis ein neuer Trainer gefunden ist? „Fragen Sie doch Herrn Rentsch, wo er gerade ist“, sagt Heiermann. Wir fragen nach. Norman Rentsch ist wieder bei seiner Familie, er ist krankgeschrieben und wird auch nicht mehr nach Dortmund zurückkehren.

Und das eben Geschilderte steht wirklich nicht in einem Drehbuch für eine neue Netflix-Serie.

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