Reza Hassani packt aus: Das sind die Gründe für sein Türkspor-Aus

mlz

Lange hat Reza Hassani überlegt, ob er sich zu seinem Rückzug vom Fußball-Landesligisten Türkspor Dortmund noch einmal äußert. Jetzt packt er in einem langen Interview aus.

19.09.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Reza Hassani betont, dass er nicht der Typ sei, der sich an einer Schlammschlacht öffentlich beteiligen wolle. Die vergangenen Tage, mit den vielen spekulativen Kommentaren bei Facebook, dem Interview seines Nachfolgers Dimitrios Kalpakidis und die vielen Gerüchte innerhalb der Dortmunder Fußballszene haben ihn dann doch dazu bewogen, ausführlich zu erklären, warum er als Türkspor-Trainer zurückgetreten ist.

Wie waren die Tage seit dem Abschied?

Anstrengend. Unzählige Nachrichten, unglaublich viele Anrufe. Immer wieder musste ich mich erklären, warum ich gegangenen bin. Es gab aus der Fußballszene aber fast nur positives Feedback für meine Entscheidung.

In den vergangenen beiden Tagen wollten Sie uns gegenüber nichts mehr sagen. Warum jetzt doch?

Um aufzuklären, warum dieser Schritt notwendig war. Damit die Gerüchte endlich verstummen und nicht weiter spekuliert wird. Es ist ja unglaublich, was die Leute alles bei Facebook schreiben. Ich hatte manchmal das Gefühl, die wissen es besser als ich.

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Dann klären Sie uns auf.

Das geht natürlich nicht in einem Satz. Weil es mehrere Gründe für mein Aus gibt.

Wir geben Ihnen den Platz…

Es fing schon vor der Saison damit an, dass unser Präsident Dr. Akin Kara unseren Sportlichen Leiter Tim Eibold auf unpassende Art entlassen hat. Die Entlassung war für mich der erste Schlag ins Gesicht.

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Was war daran unpassend?

Es muss nicht alles an die Öffentlichkeit kommen. Jeder, der dabei war, weiß, dass der Abschied nicht sauber abgelaufen ist. Die Entlassung hat so richtig ins Bild der Vorbereitung gepasst. Die Entlassung, die Corona-Fälle, die Spielabsagen, die vielen verletzten Spieler. Ich habe es Dr. Akin Kara gesagt, dass es ein schwieriger Start für uns werden wird. Die Vorbereitung lief nicht zufriedenstellend.

Und dann gab es zum Start gleich die erste Niederlage…

Und ich musste mich gegenüber Dr. Akin Kara und Gökhan Aksoy dafür erklären. Was auch okay ist, weil die auch alles wissen dürfen und müssen. Aber plötzlich wurde alles hinterfragt, was bis dahin top war. Wir haben uns aber geeinigt, dass wir die Ruhe bewahren. Aber dann kam der Anruf von Dimi (Dimitrios Kalpakidis, Anm. d. Red.).

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Was hat er Ihnen gesagt?

Dass er von Dr. Akin Kara und unserem Geschäftsführer Gökhan Aksoy den Job des Sportlichen Leiters angeboten bekommen hat. Das war der zweite Schlag ins Gesicht. Ich habe es von Dimi erfahren und nicht von Dr. Akin Kara und Gökhan Aksoy. Das kann doch nicht sein. Ich habe mit Kevin Großkreutz zusammen das komplette Team aufgebaut, bin mit der Mannschaft aufgestiegen und habe unglaublich viel Zeit in diesen Verein investiert. Mit Herzblut. Und dann erfahre ich von Dimi, dass er das Angebot bekommen hat. Und nicht von den beiden.

Der neue Geschäftsführer Gökhan Aksoy hat gegenüber den Ruhr Nachrichten gesagt, dass die Verpflichtung von Dimitrios Kalpakidis der Grund gewesen sei, dass Sie den Job hingeschmissen haben.

Das ist definitv mit ein Grund. Aber nicht der alleinige. Da waren ja die ersten beiden negativen Erlebnisse mit der Entlassung von Tim Eibold und dass ich von Dimi erfahren habe, dass er das Angebot hat.

Hätten Sie sich nicht mit Dimitrios Kalpakidis im Sinne des Vereins zusammenraufen können?

Nach dem Telefongespräch mit Dimi nicht. Er hat mir gesagt, dass er sich irgendwann wieder als Trainer sieht und nicht als Sportlicher Leiter. Das passt für mich nicht. Er nimmt bei uns den Job des Sportlichen Leiters an, sieht sich aber bald wieder im Trainerjob. Ich habe ihm auch gesagt, dass ich meinen Job hinschmeiße, wenn er zusagt.

Aber ist es nicht wichtig, dass ein Klub einen Sportlichen Leiter hat?

Definitiv. Ich hätte ja niemals gesagt, dass Türkspor keinen Sportlichen Leiter holen soll. Wenn jemand wie Samir Habibovic oder Emre Konya gekommen wäre, ich hätte mich riesig gefreut. Aber ich habe keinen gemeinsamen Nenner gesehen, mit Dimi zusammenzuarbeiten. Es gab keine Basis.

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Aber letztlich entscheidet doch immer der Vorstand, wer Sportlicher Leiter wird und nicht der Trainer.

Aber ich muss die Entscheidung doch nicht mittragen. Dimi war zuletzt Trainer von Bövinghausen. Auch wenn wir nicht in einer Liga spielen, sind wir Konkurrenten. Es gibt schon ein bisschen Feuer unter den Klubs. Dimi hat vor kurzem noch im Interview gesagt, dass sein Bövinghauser Team besser sei als das von Türkspor. Und jetzt wechselt er zu Türkspor. Das passt für mich nicht. Das ist für mich so, als wechselt ein Spieler von Schalke nach Dortmund und will da Publikumsliebling werden.

Haben Sie Ihr Team nicht im Stich gelassen?

Nein, das sehe ich nicht so. Ich habe der Mannschaft alles erklärt. Und jetzt trainiert doch Dimi das Team. Dr. Akin Kara und Gökhan Aksoy sind überzeugt von ihm.

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Gehen Sie im Bösen?

Nein, überhaupt nicht. Natürlich hätte ich das Team gerne weitertrainiert, weil ich von der Mannschaft überzeugt bin. Aber es ging nicht. Trotzdem sage ich, dass ich eine tolle Zeit bei Türkspor hatte. Das Team ist top und ich habe da viele tolle Menschen kennengelernt, wie Servet Pehlivan, Zeki Bektas oder Nejdet Akey. Ich könnte noch so viele andere Namen aufzählen. Und denen allen gönne ich den Aufstieg. Für mich ist das Kapitel Türkspor jetzt geschlossen.

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