Schiedsrichter in der Corona-Krise: Gibt es eine Rücktrittswelle nach dem Restart?

Amateurfußball

Nur die Schiedsrichter in den obersten Spielklassen dürfen derzeit ran. Im Amateurfußball sind sie genauso beschäftigungslos wie die Kicker. Kehren nach Corona alle zurück?

Frankfurt/Main

17.04.2021, 12:55 Uhr / Lesedauer: 2 min
Schiedsrichter in der Corona-Krise: Gibt es eine Rücktrittswelle nach dem Restart?

© Stephan Schuetze

Als „Der Schiri mit dem Dönerladen aus der Kreisliga B“ hat es Bektas Bicici bei Youtube zu einer zumindest regionalen Bekanntheit in Fußball-Kreisen gebracht.

Derzeit kann sich der 45-Jährige ganz auf sein Geschäft mit den Drehspießen konzentrieren. Als Referee pfeift er eigentlich in der Landesliga und ist Assistent in der Oberliga. Doch auch die Unparteiischen - fast 52 000 gibt es in Deutschland - sind in der Corona-Krise ausgebremst.

„Da kommen schwierige Zeiten auf alle zu“

Kinder, Jugendliche und Amateurkicker dürfen nicht trainieren und spielen, die Vereine und Verbände klagen. Und was bewirkt die Pandemie bei den Unparteiischen, ohne die nichts geht? Bicici, der Referee von Arminia Lirich, bildet auch junge Spielleiter im Fußballverband Niederrhein mit aus. „Da verlieren wir gerade ein bis zwei Jahre. Die Schiedsrichter müssen ja immer jung sein, das wollen die beim DFB. Da kommen schwierige Zeiten auf alle zu“, sagt er.

Natürlich gibt es Online-Schulungen, aber ältere Referees tun sich damit manchmal schwer. Bei anderen verschieben sich gerade die Prioritäten im Leben. Und bei jenen, die auf der sportlichen Karriereleiter weiter nach oben klettern wollten, fehlt die Perspektive. Aufhören? „Niemals!“, sagt Bicici.

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„Natürlich ist es schwer, Menschen für etwas zu begeistern, das sie aktuell nicht ausüben können. Dies gilt im Grunde für Fußballer*innen gleichermaßen wie für Schiedsrichter*innen“, teilt der Deutsche Fußball-Bund auf Anfrage mit.

Der DFB verweist auf virtuelle Schulungsabende, Regel- und Videotests und Trainingspläne der Landesverbände und Kreise. „Sobald wieder gespielt werden kann, geht es darum, das ganze System schnellstmöglich wieder zu aktivieren. Wir sind optimistisch, dass dies gelingen wird.“

„Die Zahlen sind rückläufig“

Der DFB kämpft ohnehin mit Nachwuchssorgen in einer Sparte, die auf dem Rasen oft als Sündenbock herhalten muss: Zwischen 2018/2019 und 2019/2020 ging die Zahl der gemeldeten Schiedsrichter von 56 680 auf 51 884 zurück. Vor allem die Gruppe der unter 18-jährigen Männer schrumpfte - um über 18 Prozent. Spielleiterinnen gibt es nach der jüngsten Statistik ohnehin nur knapp 2000 bundesweit.

„Es gibt nichts zu beschönigen: Die Zahlen sind rückläufig“, sagt Lars Albert, Sprecher des Schiedsrichterausschusses beim Sächsischen Fußball-Verband. Noch habe sich bei ihm seit dem zweiten Lockdown niemand abgemeldet.

Die Verantwortlichen versuchen verschiedene Maßnahmen, um die Unparteiischen zu halten: Videokonferenzen zum Beispiel, wo Spielszenen aus der Bundesliga analysiert wurden, und einen virtuellen Laufwettbewerb („Referee at Work“). Die Ehrung soll bei der Leistungsprüfung im Juli sein - „hoffentlich“, sagt Albert. „Es läuft alles in Eigenverantwortung, nichts ist so richtig greifbar.“

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„Wenn man den Umfragen im Amateurfußball folgt, wird (...) deutlich, dass Fußball-Deutschland wieder zurück auf den Platz möchte und wir gehen davon aus, dass das auch für unsere Schiedsrichter*innen gilt“, heißt es von DFB-Seite. „Aber konkrete Corona-Folgen für den Bereich können wir aktuell noch nicht prognostizieren.“

„Es geht nie um die Schiedsrichter“, sagt Simon Henninger, wenn er auf die sportpolitsche Debatte in Corona-Zeiten blickt. Dass momentan nicht Fußball gespielt wird, findet er „absolut richtig“. Der 20-Jährige aus Bad Soden pfeift in der siebten Liga und engagiert sich im Kreisschiedsrichterausschuss.

„Ich kann mir vorstellen, dass die große Rücktrittswelle nach dem Restart kommt. Da bin ich wirklich gespannt“, sagt der Student, der sich mit Kollegen wenigstens zum Laufen trifft. Besonders schwierig sei die Zwangspause bei jenen Kollegen, die im Oktober einen Neulingslehrgang gemacht haben.

Henninger erinnert das Ganze an einen Vergleich von Meikel Schönweitz, dem Cheftrainer der U-Nationalmannschaften beim DFB, der die Problematik im Nachwuchsbereich so formulierte: „Als hätte eine ganze Generation einen Kreuzbandriss.“

dpa

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