Warum eine 20-jährige Dortmunderin Schiedsrichterin werden will

mlzFussball

Sehadet Seltan ist 20 Jahre alt und seit ein paar Tagen die erst zehnte Schiedsrichterin im Kreis Dortmund. Warum tut sie sich das an?

Dortmund

, 13.04.2019, 13:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Sehadet Seltan zum ersten Lehrgangsabend der Schiedsrichter-Ausbildung kam, da ging ihr sofort eine Frage durch den Kopf: „Bin ich hier richtig?“ Sie war unter 26 Teilnehmern die einzige Frau. „Ich hatte schon gehofft, dass da vielleicht noch ein, zwei andere dabei wären“, sagt Seltan, „aber es waren nur Männer da.“ Sie hat trotzdem durchgehalten und ist damit erst die zehnte Schiedsrichterin im Kreis Dortmund.

Warum entscheidet sich eine 20-Jährige für die Schiedsrichterausbildung und damit für eine Welt, die zumindest in der Öffentlichkeit oft durch Undankbarkeit und Beschimpfungen geprägt ist? „Ehrlich gesagt waren es die Fußballspiele im Fernsehen, die mich dazu gebracht haben“, sagt Seltan. Spiele von ihrer Lieblingsmannschaft Galatasaray Istanbul oder dem FC Bayern: „Ich wollte diese Verantwortung.“

Unterstützung in den ersten Spielen

Natürlich liegt es auch an ihren Freundinnen bei Ay Yildiz Derne. Nathalie Bergmann und Gizem Kilic machten die Schiedsrichter-Ausbildung schon vor zwei Jahren: „Damals war einfach kein Platz mehr für mich“, erzählt Seltan. In diesem Frühjahr klappt es dann aber. Sechs Abende in einer Männerrunde, dann ein Lauftest über 50, 100 und 1000 Meter sowie die schriftliche Prüfung: „Die war eigentlich ziemlich leicht“, sagt Seltan. Kein Wunder: Seit über zehn Jahren spielt sie selbst Fußball, erst in Moers, dann in Kamen, jetzt in Dortmund, sie war viel mit ihren vier Brüdern und ihrem Vater draußen auf dem Platz.

Doch Fußball im Verein spielt nur noch sie – und greift jetzt auch auf der Schiedsrichter-Ebene an. Los geht‘s im Juniorenbereich und in der Kreisliga C: „Aber natürlich fährt niemand zu Beginn alleine raus“, sagt Jörg Franke vom Lehrstab des Kreisschiedsrichterausschusses, der sich selbst als „altes Schiedsrichterpferd“ bezeichnet, „jeder neue Schiedsrichter kommt in unser Patenmodell, wird also die ersten drei, vier Male begleitet, um Anlaufschwierigkeiten zu überwinden.“

Seltan kann es kaum erwarten: „Der Wille, es bei den Männern zu schaffen, ist definitiv da.“ Vorbilder wie Bundesliga-Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus und Sina Dieckmann, die Spiele der Herren-Oberliga leitet, gibt es: „Ich würde schon gerne mal höher pfeifen“, sagt Seltan, schränkt aber realistisch ein: „Wenn ich merke, dass es nichts für mich ist, dann lasse ich es.“

Sehadet Seltan ist gewappnet

Ein bisschen hängt der Erfolg auch davon ab, wie viel sie selbst noch spielt und wie oft sie deshalb nicht pfeifen kann: „Die meisten entscheiden sich irgendwann für eine Schiene“, sagt Franke. Seltan spielt im Moment noch in der Kreisliga bei Ay Yildiz Derne, im Sommer will sie es in Berghofens zweiter Mannschaft in der Landesliga versuchen: „Ich habe beides im Fokus“, sagt Seltan.

Was natürlich auch sehr große Vorteile hat: „Sehadet weiß, was auf sie zukommt, weil sie schon lange im Fußball unterwegs ist. Dass man sich im Ton vergreift, ist ja kein geschlechtsspezifisches Problem, auch die Damen können untereinander rabiat werden“, sagt Franke. In beiden Fällen „kann es schon tief unter die Gürtellinie gehen.“

Seltan wirkt allerdings nicht so, als könnte sie damit nicht umgehen. Die 20-Jährige steht zwar noch ganz am Anfang ihrer Schiedsrichterlaufbahn, doch sie sagt mit Nachdruck: „Ich fühle mich gewappnet.“

Lesen Sie jetzt