Semih Dalkic will an die Taekwondo-Weltspitze – dabei ist er bereits Weltmeister

Taekwondo

Durch seinen Bruder gerät Semih Dalkic mit zehn Jahren ans Taekwondo. Nun hat er bereits zahlreiche Titel gelandet. Doch er will mehr, er will nach oben, nach ganz oben.

Dortmund

von Dennis Winterhagen

, 22.01.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Semih Dalkic ist einer der erfolgreichsten Taekwondo-Sportler Dortmunds.

Semih Dalkic ist einer der erfolgreichsten Taekwondo-Sportler Dortmunds. © Stephan Schuetze

Freizeit ist für Semih Dalkic ein Fremdwort. Es sei schon anstrengend, sagt er über sein wöchentliches Pensum. „Aber ich muss Opfer bringen, um meine Ziele zu erreichen.“ Denn diese sind hoch: Dalkic möchte zu den Olympischen Spielen, dabei ist er bereits Welt- und Europameister - und macht nebenbei seine Ausbildung zum Medizinischen Fachangestellten.

Keine Ausreden, sonst gibt es Ärger vom Trainer

“Wenn ich Training habe, werde ich auch immer hingehen. Da suche ich kein Ausreden. Sonst gibt’s auch Ärger vom Trainer“, erklärt Semih Dalkic mit einem Lächeln in seinem Gesicht. Der 20-Jährige Dortmunder ist einer der erfolgreichsten Taekwondo-Kämpfer Deutschlands - und schuftet nebenbei noch im Klinikum Dortmund.

Semih Dalkic ist ein ruhiger, höflicher Typ - bis es in den Kampf geht.

Semih Dalkic ist ein ruhiger, höflicher Typ - bis es in den Kampf geht. © Stephan Schuetze

Er darf sich Weltmeister, zweifacher Europameister und vierfacher Deutscher Meister nennen. Dazu kämpft er auch für die deutsche Nationalmannschaft.

So richtig angefangen hat alles vor knapp zehn Jahren. „Mein Bruder hat früher Taekwondo gemacht, ich habe ihn dann häufiger mit meiner Mutter gemeinsam vom Training abgeholt. Dann hab ich mir die Sportart eine Weile angesehen und wusste: Das will ich auch machen!“, sagt Dalkic.

Der große Bruder erleichterte Semih Dalkic den Einstieg

Er macht es, und das auch heute noch, bei Tan Gun Sports in Brambauer. „Es hat mir natürlich ein bisschen geholfen, um mich vor ihm zu wehren, aber hätte er ernst gemacht, wäre es ohnehin unfair gewesen – schließlich ist er 13 Jahre älter als ich!“, erzählt er weiter. Er habe viel von ihm lernen können, sich viel abgeguckt. Sein Bruder sei für ihn zu Beginn eine große Hilfe gewesen.

Jetzt lesen

Die Sportart Taekwondo hat zwei große Verbände: Da ist zum einen die International Taekwondo Federation (ITF), die sich mehr auf das Kämpfen mit den Fäusten fokussiert. Und zum anderen die World Taekwondo Federation (WTF), in der eher ohne Fäuste gekämpft wird.

Semih gehört der ITF an, auch, weil er seine kämpferische Ader ebenfalls im Kickboxen wiedergefunden hat. Semih macht viel für sein großes Hobby – und nimmt hohe Einschränkungen in seinem Privatleben in Kauf, damit er immer besser wird.

Nach dem Arbeitstag bleibt kaum Zeit zum Verschnaufen

Im Krankenhaus arbeitet er täglich von 8 Uhr bis 16 Uhr. „Im Anschluss“, erzählt er, „habe ich noch kurz Zeit um nach Hause zu fahren. Aber dann geht’s auch schon zum Training.“ Von Dortmund-Mitte nach Brambauer.

Beim Kampf hat Semih Dalkic keine Angst.

Beim Kampf hat Semih Dalkic keine Angst. © privat

Und das satte drei Mal in der Woche. Was für viele bereits genug sein mag, ist für den 20-Jährigen zu wenig. Immer mit dem großen Ziel vor den Augen: „Olympia, das ist einmal mein Traum“, und dafür tut er viel. Drei weitere Tage in der Woche trainiert er noch für sich selbst.

Fitness, Laufen, Sprints. Freizeit hat er nicht so viel, versucht sich diese aber möglichst am Wochenende zu nehmen. „Ein oder zwei freie Tage“, wolle er dann haben, meint er.

Die Medizin hat Semih Dalkic schon immer interessiert

Seine Ausbildung ist in rund eineinhalb Jahren vorbei. Was der Dortmunder danach machen möchte, das weiß er noch nicht. Studieren oder weiter arbeiten. „Wenn ich studiere, dann auf jeden Fall Medizin.“

Die habe ihn schon immer fasziniert. Seine Tante sei Ärztin gewesen, während seiner Schulzeit machte er ein Praktikum in ihrem Krankenhaus. Sofort habe ihn die Arbeit angetan. „Ich wollte schon immer was mit Menschen machen, dazu interessiert mich die Medizin sehr. Ich lese Bücher, und wenn mir jemand was erklärt, höre ich genau zu.“

Er habe, anders als viele, nie den Reiz in einem Büro-Job für sich gefunden. Inzwischen ist er in der Ambulanz angekommen, und erlebt dort ein wahres Kontrastprogramm zum Sport. Denn er arbeitet im Team, ist ausnahmsweise mal kein Einzelkämpfer. „Wir sind ein kleineres Team, alle verstehen sich super. Es macht Spaß“, versichert er.

Semih Dalkics Trainer sagt: „Sein Weg kann bis an die Weltspitze führen“

Elementar ist bei Allem auch sein Trainer, Brahim Triqui, der sehr viel von Semih hält. „Er ist ein sehr netter Junge, sehr diszipliniert. Dazu äußerst zielstrebig, fleißig. Er setzt alles schnell um, und hat definitiv noch viel vor sich. Sein Weg kann bis an die Weltspitze führen, wenn er so weitermacht. Er gehört zur Elite“, erzählt er über seinen Schüler.

Brahim Triqui traut seinem Schützling Semih Dalkic beim Taekwondo viel zu.

Brahim Triqui traut seinem Schützling Semih Dalkic beim Taekwondo viel zu. © Timo Janisch

Zudem erhält er auch Unterstützung von seinem Kollegium und seinem Chef. „Wenn ein wichtiger Wettkampf ist, bekomme ich außerplanmäßigen Urlaub“, sagt er.

Semih Dalkic kennt nur eine Angst - die vorm Verlieren

Und bei diesen geht es zumeist zur Sache. Mit gezielten Tritten und Schlägen soll der Gegner besiegt werden. Schon bei der bloßen Vorstellung kann einem Angst und Bange werden – Semih eher weniger. „Früher hatte ich Angst, ja. Dabei hatte ich immer einen Gedanken: Man wird doch verprügelt. Doch mit der Zeit legt sich das, inzwischen ist es vielleicht eher die Angst vor dem Verlieren.“

Sehr geholfen habe ihm Taekwondo auch in seinem Alltag. „Durch den Sport bin ich definitiv selbstbewusster, offener geworden. Aber das passiert zwangsläufig. Bei Welt- und Europameisterschaften lernt man viele Leute aus verschiedenen Ländern kennen“, erklärt er.

Die nächste Europameisterschaft ist im Sommer, in der Slowakei. Dann will Semih Dalkic nicht nur für sich selbst kämpfen. Sondern auch für die deutsche Nationalmannschaft.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt

Edelmetall für die Kampfsportler-Schmiede von Tan Gun Sports: Bei der Taekwon-Do-Weltmeisterschaft in Inzell (Bayern) holten sich unter anderem Anis und Maissa Triqui die Goldmedaille. Von Patrick Schröer

Lesen Sie jetzt