Spielabbruch: Osmanlispors stadtbekannter Sportdirektor chauffiert die Frau des Opfers

mlzFußball-Kreisliga

Ein Spieler des SC Osmanlispor hat für einen Eklat gesorgt. Er schlug und trat den Referee. Das musste der neue stadtbekannter Sportdirektor miterleben. Macht er weiter? (Video im Text)

Dortmund

, 17.09.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es waren grausame Bilder auf der Anlage des VfB Lünen 08. Beim Stand von 1:2 flippte am Sonntag ein Spieler des SC Osmanlispor nach einer Elfmeterentscheidung aus und attackierte den Schiedsrichter. Er trat und schlug den Referee. Das Spiel wurde abgebrochen, die Polizei und ein Krankenwagen kamen.

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Der Schiedsrichter wurde ins Krankenhaus gefahren. Die Ärzte diagnostizierten später eine Rippen- und Kiefer-Prellung. Der Referee durfte am Sonntagabend noch das Krankenhaus verlassen. Der Schläger des SC Osmanlispor hat laut einer Mitteilung der Polizei eine Anzeige wegen Körperverletzung zu erwarten.

Am Sonntagabend hatten dann noch der Vorstand und die Sportliche Leitung des SC Osmanlispor zusammen beschlossen, dass der Täter nie mehr für den Klub spielen werde. Mit am Tisch saß Hasan Kayabasi. Der neue Sportdirektor des Klubs. Erst am Freitag hatte er sich dem Verein angeschossen. Und dann so ein Erlebnis zwei Tage später.

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Kayabasi ist in Dortmund stadtbekannt. Er hat den SC Fatih und den VfL Kemminghausen trainiert. Später führte er den Lüner SV als Sportdirektor in die Westfalenliga. Zuletzt war er für ein Jahr beim ambitionierten Landesligisten IG Bönen als Sportdirektor aktiv.

Hasan Kayabasi (schwarzes T-Shirt) ist neuer Sportdirektor beim SC Osmanlispor,

Hasan Kayabasi (schwarzes T-Shirt) ist neuer Sportdirektor beim SC Osmanlispor, © Goldstein

„Der neue Präsident Burhan Erdem hatte mich angesprochen, ob ich nicht Lust hätte, den Posten des Sportdirektors bei Osmanlispor zu übernehmen“, erklärt Kayabasi. Er hatte überlegt und kam zu dem Entschluss, den Klub zu unterstützen. „Für mich ist das Wichtigste, dass hier im Klub Disziplin großgeschrieben wird. Dafür bin ich bekannt“, sagt Kayabasi.

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Am Sonntag erlebte er etwas ganz Anderes. Er hatte schon Mitte der ersten Halbzeit ein schlechtes Gefühl. „Der spätere Täter hatte schon Gelb, legte sich im Anschluss noch mit den eigenen und gegnerischen Spielern an“, sagt Kayabasi, „wäre ich schon länger im Klub gewesen, hätte ich unserem Trainer gesagt, er soll den Spieler sofort vom Platz nehmen.“

Hätte er es sich nur schon bei seinem ersten Spiel getraut. So musste er mit ansehen, wie sein Spieler den Schiedsrichter schlug und trat. „Jetzt wird es wieder überall heißen: die Türken wieder. Aber der Angreifer war gar kein Türke“, sagt Kayabasi. Er sah im Anschluss dagegen viel Positives.

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Zum Beispiel, dass die eigenen Spieler den Angreifer stoppten und den Schiedsrichter schützten. Die Osmanlispor-Akteure entschuldigten sich auch bei den anwesenden Zuschauern und Lüner Spielern. Dafür gab es sogar Applaus. „Eine starke Aktion war auch, dass unser Präsident Burhan Erdem dem Täter sofort das Trikot vom Leib gezogen hat“, sagt Kayabasi.

Mitglied der Kreisspruchkammer

Er selbst begleitete den Schiedsrichter in die Kabine. Nicht als Verantwortlicher des SC Osmanlispor, sondern als Mitglied des Fußballkreises Dortmund. Kayabasi ist Beisitzer der Kreisspruchkammer. Er hofft auch, dass der Übeltäter mit aller Härte der Sportgerichtsbarkeit bestraft werde.

Als der Schiedsrichter dann mit dem Krankenwagen ins Hospital gebracht wurde, suchte dessen Frau jemanden, der sie mit ins Krankenhaus nehmen könne. Kayabasi stellte sich sofort zur Verfügung und brachte sie zu ihrem verletzten Mann.

Und wird Kayabasi, dem dessen Ruf immens wichtig ist, sein Amt nach dem Erlebten beim SC Osmanlispor fortsetzen? „Jetzt erst recht“, sagt er. Er habe einen Einzeltäter gesehen und auf der anderen Seite eine Mannschaft, die sich sofort von diesem distanziert und den Schiedsrichter geschützt hat. „Es ist aber klar, dass für mich Disziplin an oberster Stelle steht. Das ist die Grundlage für mein Engagement hier.“

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