Sportarzt Dr. Jens Enneper gibt Tipps gegen Schmerzen und Verletzung

Die Pech-Regel

Es zwickt in der Wade, im Knie und in der Achillessehne. Wie viele Laufanfänger schlagen sich auch die Kandidaten unseren Marathon-Projekts mit Wehwehchen und Verletzungen rum. Doch was ist überhaupt zu tun, wenn Sehnen, Bänder und Knorpel schmerzen?

DORTMUND

von Von Alexandra Neuhaus

, 04.03.2011, 18:17 Uhr / Lesedauer: 2 min
Blutende Füße: Bei intensivem Lauf-Training bleiben Verletzungen oft nicht aus.

Blutende Füße: Bei intensivem Lauf-Training bleiben Verletzungen oft nicht aus.

Erste Maßnahme bei einer Verletzung: die PECH-Regel. „Damit wird etwa nach Umknicken eine Schwellung verhindert und eine schnelle Heilung beschleunigt“, sagt Jens Enneper. P = Pause, sprich das betroffene Körperteil ruhig stellen. E = Eis. Die Kälte sorgt dafür, dass Schwellungen zurückgehen, Hämatome sich nicht ausdehnen und der Schmerz gelindert wird. C = Compression. Bei Schwellungen, Prellungen oder Zerrungen hilft ein Druckverband. Aber Vorsicht. „Nicht zu fest zurren, damit die Durchblutung nicht gestört wird“, sagt der Doc. H = Hochlagern, verringert zusätzlich Schwellungen.

Besonders gefürchtet unter Läufern ist die schmerzende Achillessehne, der Klassiker unter den Sportverletzungen. „Da doktern die Läufer gerne selber dran rum“, weiß Jens Enneper. Am häufigsten treten die Schmerzen ein paar Zentimeter oberhalb des Sehnen-Ansatzen auf, und das Gleitgewebe der Sehne ist geschwollen und schmerzt entsprechend fies. Der Grund, warum oft lange ein Bogen um Ärzte gemacht wird? „Die Leute wollen nicht hören, dass sie eine Lauf-Pause machen sollen.“ Dabei muss das auch gar nicht sein. Alternatives Training, sprich Radfahren oder Aquajogging, kann einen Trainingsrückstand auffangen. Zweiter Punkt: Prüfen, ob die Schuhe zum Laufstil passen. „Schuhe, die vier Jahre im Schrank standen, sind ungeeignet zum Training“, sagt der Doc mit bestimmendem Unterton.

Manchmal helfe auch schon eine leichte, drei Millimeter dicke Fersenerhöhung, um die Sehne zu entlasten. Dennoch – zu lange sollte an der Sehne nicht in Eigenregie herumgedoktert werden. „Aus der Reizung können schnell dauerhafte Beschwerden werden“, sagt Jens Enneper. Und dann sei der Trainingsausfall im Zweifel noch länger. Unter den Top drei der häufigsten Läuferverletzungen rangiert auch das so genannte Läuferknie. Die Traktus-Sehne, die an der Außenseite des Beins den Oberschenkelmuskel mit dem Schienbeinköpfchen verbindet, ist leicht reizbar. Das ständige Reiben der Sehne über den unteren Teil des Oberschenkelknochens kann zur Entzündung eines Schleimbeutels am äußeren Kniebereich führen.

„Der stechende Schmerz ist unangenehm“, sagt Jens Enneper, selbst Hobby-Läufer. Der Grund für die Schmerzen: falsche Belastung durch alte oder ungeeignete Laufschuhe, O-Beine oder eine falsche Laufhaltung. Was hilft? „Moderate Kühlung ist bei einer Entzündung immer erstmal gut“, sagt Jens Enneper. Doch wenn die Hausmittelchen keine Besserung bringen, hilft nur der Weg zum Orthopäden und bis zu drei Wochen Pause bzw. alternatives Training. Ein Tipp, damit die Beschwerden nicht wieder auftreten? „Die Laufstrecke einfach mal anders herum laufen, um den Körper gleichmäßig zu belasten“, sagt Jens Enneper.

Auf Platz drei der Laufbeschwerden: Schmerzen an der Wirbelsäule. „Das betrifft vor allem die Läufer zwischen 30 und 45 Jahren“, sagt Jens Enneper. Damit es gar nicht erst zu Beschwerden im Lendenwirbelbereich kommt, predigt der Sportarzt Gymnastik. „Mindestens einmal in der Woche sollte sich jeder Läufer Zeit für Bauch- und Rückenübungen nehmen und konsequent durchziehen.“ Konsequenz ist auch das Zauberwort beim Dehnen. „Gaaaanz wichtig“, sagt Jens Enneper. Regelmäßig gedehnte Sehnen und Muskulatur sorgen für eine gute Beweglichkeit. „Neben regelmäßigen Stabilisationsübungen ist auch Dehnen Prävention.“ Ennepers Dehn-Devise: drei Mal pro Woche. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen, Beschwerden können nie ganz ausgeschlossen werden. Im Zweifel hilft laut Jens Enneper vor allem eins: „Den Kopf auch beim Laufen einschalten.“ 

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