Stella Kramer erstmals in der Nationalmannschaft

Handball: Bundesliga

Der Anruf kam plötzlich und unerwartet, und dann ging auch alles ganz schnell: Stella Kramer, Handballerin bei Borussia Dortmund, nimmt seit Montagabend an einem Lehrgang der Frauen-Nationalmannschaft in Kamen-Kaiserau teil.

DORTMUND

, 26.01.2016, 09:02 Uhr / Lesedauer: 2 min
Eine der ganz wichtigen Stützen im Spiel der BVB-Frauen: Stella Kramer.

Eine der ganz wichtigen Stützen im Spiel der BVB-Frauen: Stella Kramer.

Bundestrainer Jakob Vestergaard hatte sich am Sonntagabend bei Ildiko Barna, der Trainerin der Handballerinnen von Borussia Dortmund, nach der rechten Flügelspielerin erkundigt. Sie habe mehrere gute Spielerinnen, „und Stella gehört auf jeden Fall dazu“, so die Aussage der BVB-Trainerin. Sie hat dem Bundestrainer sicher noch ein wenig mehr über Stella Kramer gesagt, zumindest hat er sie kurzfristig eingeladen.

Absolute Leistungsträgerin

Eine Einladung, die mehr als verdient ist. Stella Kramer hat sich in der bisherigen Erstliga-Saison zur absoluten Leistungsträgerin entwickelt. „Sie gehört in der Liga sicher zu den richtig Guten auf der Rechtsaußen-Position“, sagt Ildiko Barna, „sie ist in den letzten eineinhalb Jahren sehr gereift, spielt abgeklärt, hat von uns viel Vertrauen bekommen und viel Verantwortung übernommen.“

Dabei muss Stella Kramer seit Saisonbeginn ganz harte Arbeit in der ersten Liga verrichten. Alternativen auf der rechten Seite sind bei der Borussia ganz dünn gesät, es wäre fatal, wenn die 26-Jährige ausfiele, eine ähnlich spielstarke Vertretung ist nicht in Sicht. Stella Kramer muss eigentlich immer durchspielen, beklagt hat sie sich darüber noch keine Sekunde. „Ich bin fit, ich habe genug Kraft“, sagt sie, „das halte ich durch, ich bin hoch motiviert“.

"Vorbildliche Kondition"

Das sieht jeder, der sie während der 60 Minuten beobachtet. „Es ist beeindruckend, wie sie die Belastung wegsteckt“, sagt Ildiko Barna, „sie hat eine vorbildliche Kondition.“ Doch damit längst noch nicht genug. „Stella hat ein Super-Gefühl für den Gegenstoß, dank ihrer Beweglichkeit ist sie auch enorm stark in den Eins-zu-Eins-Situationen. Und in der Abwehr steht sie ohnehin ihre Frau.“

Tatsächlich hat sich Stella Kramer zu einer Führungsperson entwickelt. Sportlich, vor allem auch als gefährliche Torschützin, auch menschlich mit einer angenehm positiven Ausstrahlung, unbekümmert, frisch, munter. Nun also die Premiere im Kreis der Nationalmannschaft, für Stella Kramer gar nicht so einfach, sich so kurzfristig beruflich freizustrampeln. Denn die 26-Jährige steckt gerade in einer Dreifach-Belastung: Der Sport, das Master-Studium in der Endphase, im Sommer will sie fertig sein, und die Tätigkeit in der Fußball-Abteilung der Borussia, unter anderem betreut sie dort die Kindercamps. „Und das ist wahrlich nicht nur ein Alibi-Job, da ist sie richtig gefordert“, sagt Ildiko Barna.

"Darf stolz sein"

Auf jeden Fall freue sie sich „total für Stella, sie darf auch stolz darauf sein“. Nun gehe es darum, erst einmal in den erlauchten Kreis der Nationalmannschaft hineinzuschnuppern. Ein Notnagel für die aktuell verletzten Maxi Hayn und Lone Fischer (beide Buxtehude) sowie Jennifer Rode (Leverkusen) soll sie aber nicht sein. „Ich hoffe, dass sie nicht nur Ersatz ist, sondern vielleicht langfristig in den Umbau der Nationalmannschaft eingebunden wird.“ Wer hätte das vor Tagen zu hoffen gewagt?

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