Steve Tunga verlässt die BVB-U23, um in den Niederlanden Geschichte zu schreiben

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Die Abschiedsfeier ist vorbei, ein neues Karrierekapitel steht bevor: Steve Tunga zieht es zu einem niederländischen Zweitligisten - und erstmals raus aus dem Ruhrgebiet.

Dortmund

, 24.06.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Am Freitagabend trafen sie noch einmal zusammen. Borussia Dortmunds U23-Mitglieder versammelten sich, plauschten und aßen gemeinsam. Elf Spieler feierten dabei ihren Abschied. Einer davon war Steve Tunga.

Etwas weniger als elf Monate nach seinem Antritt bei der Borussia schlägt er ein neues Karrierekapitel auf, wechselt zum niederländischen Zweitligisten Almere City. Dort, am Meer und nahe Amsterdam, hat er bis 2022 unterschrieben – und will Historisches schaffen.

Sein neuer Verein habe noch nie in der Eredivisie gespielt, wolle endlich aufsteigen, erzählt Tunga. „Wenn alles gut läuft, spiele ich spätestens in zwei Jahren in der ersten Liga.“ Er und seine Teamkameraden hätten „die Möglichkeit, Geschichte zu schreiben. Solche Herausforderungen packen mich. Deshalb war ich mir recht schnell sicher, dass ich diesen Schritt machen möchte.“

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Beim BVB führte sein Weg nicht mehr weiter. Das war recht zügig klar. Mit 23 Jahren gehörte er in der nun abgebrochenen Regionalliga-Spielzeit schon zu den älteren Akteuren im Kader, Gespräche über eine Fortsetzung der Zusammenarbeit gab es nicht.

Eine gute Zeit

Für die Borussia, die den im Sommer 2019 zeitweilig vereinslosen Spieler erst sehr kurzfristig verpflichtet hatte, wurde Tunga in 18 Pflichtspielen tätig, mal als rechter Verteidiger, öfter im zentralen Mittelfeld. Ein Faserriss im rechten Oberschenkel stoppte den gebürtigen Essener zwar zwischendurch. In Gänze spricht Tunga allerdings von einer guten Zeit im BVB-Dress. Durchaus zurecht.

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Denn zum einen bekam er verhältnismäßig viel Einsatzzeit von Trainer Mike Tullberg, den er bereits während seiner Zeit bei Rot-Weiß Oberhausen kennengelernt hatte. Zum anderen machte er einige persönliche Schritte nach vorn, erfüllte seine Aufgabe als aggressiver, zweikampfstarker Defensivmann im mittigen Mittelfeld – und schulte seine Fertigkeiten mit Ball am Fuß.

Einige seiner Kollegen waren ihm in dieser Disziplin zu Beginn ein gutes Stück voraus. Deshalb paukte Tunga voller Eifer. „Ich war häufig im Footbonauten“, erzählt er. „Da habe ich viel Impact bekommen, sodass ich die technische Lücke zwischen mir und den anderen Spielern nach und nach immer mehr schließen konnte.“

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Außerdem hielt Tunga mit seinem persönlichen Techniktrainer Markus Steffen in aller Regelmäßigkeit Extraschichten ab, setzte die schon länger währende Zusammenarbeit konsequent fort. „Angefangen haben wir in meinem zweiten Jahr in Wattenscheid“, sagt der Mittelfeldspieler. „Meine Agentur und ich haben überlegt, was wir noch machen könnten, um mich weiterzubringen. Markus und ich haben dann angefangen zu trainieren – und ich habe schnell eine Veränderung in meinem Spiel gespürt.“

Tunga: „Der niederländische Fußball ist technisch anspruchsvoll“

Früher sei er bei seinem „ersten Kontakt recht vogelwild“ gewesen, hätte sich dadurch „manche Situation kaputtgemacht. Das hat sich stark verbessert“, meint Tunga. Und Individualcoach Steffen sagt: „Ich glaube, Steve wird häufig noch unterschätzt. Technisch führt er fast alle Übungen schon so aus wie ein Bundesligaspieler“, sei zu Teilen sogar besser.

„Früher war sein Spiel eher körperlich, physisch, jetzt ist er auch fußballerisch richtig stark“, betont Steffen. „Den Schritt in die Niederlande traue ich ihm deshalb auf jeden Fall zu. Steve hat in den vergangenen Jahren eine tolle Entwicklung genommen.“ Die will er freilich fortsetzen.

Warum es unbedingt in die Niederlande gehen sollte? „Der Fußball dort ist technisch anspruchsvoll“, sagt Tunga. Er wolle ein „ja kompletter Spieler“ werden, könne sich in diesem Land „gut weiterentwickeln“. Seine Leistungsfähigkeit im technischen Themenfeld wähnt er längst nicht ausgeschöpft.

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In den vergangenen Wochen befand sich Tunga in Gesprächen mit mehreren Vereinen. Sorgen, in der undurchsichtigen Corona-Zeit keinen neuen Verein zu finden, plagten ihn zumindest laut Eigenauskunft nicht: „Ich war eigentlich entspannt, weil ich in Dortmund eine ganz gute Saison gespielt habe. Und ich wusste, dass viele Leute auf den BVB schauen. Außerdem bin ich der Meinung, dass der liebe Gott immer den besten Plan für mich hat – und es keinen Sinn ergibt, sich große Sorgen zu machen. Das lähmt nur, das frisst nur zu viel Zeit.“

Am 1. Juli startet sein Engagement bei Almere City

Am 1. Juli startet sein Engagement bei Almere City ganz offiziell, dann wird er dort antreten und wenig später die Leistungsdiagnostik absolvieren. Es ist seine erste Station außerhalb des Ruhrgebiets. Tunga, der zuvor bei der Essener SG, RWO, dem VfL Bochum und der SG Wattenscheid gespielt hat, bezeichnet die neue Aufgabe deshalb als „Abenteuer“.

In der Niederlande sei er „ein unbeschriebenes Blatt. Solche Situationen mag ich. Ich werden viel Neues lernen.“ Und größtenteils Englisch und Niederländisch sprechen. Für letztere Sprache, die er bislang nur bruchstückhaft versteht, erhält Tunga alsbald einen Lehrer.

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Vor allem die fürs Fußballspiel wichtigen Vokabeln will er ganz schnell beherrschen. Auf dem Platz ist Tunga kein Leisetreter, versucht seine Mitspieler in der Schaltzentrale bestmöglich zu delegieren. Mit dieser persönlichen Zielsetzung zieht er nun auch in die neue Umgebung - wenngleich er sich im Miteinander neben dem Platz zunächst etwas zurückhalten will.

„In Dortmund habe ich erst einmal versucht, die Füße für mich sprechen zu lassen. Du kannst nicht in ein neues Team kommen und sofort der Macker sein. Das Team signalisiert dir nach und nach, dass du jetzt auch mal mehr den Mund aufmachen kannst“, sagt Tunga. „Ich habe mich herangetastet.“ So soll auch die Eingliederung beim neuen Arbeitgeber gelingen.

Tunga will immer besser werden

Ob es möglich sei, die so ergiebigen individuellen Schichten mit seinem Techniktrainer weiterzuführen? Tunga grübelt noch. „Wenn ich jetzt in die Niederlande ziehe, habe ich höchstwahrscheinlich ein sehr straffes Programm. Wir versuchen, unsere Arbeit aufrechtzuerhalten, müssen aber mal schauen, ob das klappt.“

Coach Steffen ist da guten Mutes: „Wir werden weiterhin zusammenarbeiten.“ Er trainiere Spieler in Berlin oder Bayern, „bis dahin ist der Weg noch deutlich länger.“ Außerdem habe er ebenso Klienten in den Niederlanden, „da könnte ich dann Termine verbinden.“ Tunga bekräftigt, ihm wäre das „wichtig.“ Er will schließlich immer besser werden – und noch höher hinaus.

Im Fußballsport ist es da in etwa so wie beim Fahrradfahren: Wenn man stehen bleibt, fällt man irgendwann um. Tungas Reise aber soll doch gerade erst beginnen.

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