Erfolgsgeschichte: Dortmunder Klub geht in seine 40. überkreisliche Saison am Stück

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Davon träumen viele Dortmunder Klubs. Geschafft es hat es aber nur ein Fußballverein: 40 Jahre am Stück in einer überkreislichen Liga zu spielen.

Dortmund

, 26.06.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Der Dortmunder Fußball hat viele Klubs kommen und gehen gesehen. Das waren Emporkömmlinge wie der SC Fatih, der sich binnen kürzester Zeit in die Landesliga katapultierte und heute nicht mehr existiert.

Da sind Traditionsklubs wie der TuS Eving-Lindenhorst, der finanziell auf der Rasierklinge jongliert ist, um das Ziel Westfalenliga zu erreichen. Heute ist der Klub froh darüber, dass die Saison Corona-bedingt abgebrochen wurde, ansonsten wäre der TuS Eving-Lindenhorst in der kommenden Spielzeit in der Kreisliga C zu Hause.

Im Dortmunder Osten gibt es aber einen Verein, der über all die Jahre durch eins besticht. Nicht durch Größenwahn. Nein, durch Kontinuität. Der SV Brackel geht in der kommenden Spielzeit zum 40. Mal in Serie in einer überkreislichen Liga an den Start. Diese Bilanz kann nur ein weiterer Dortmunder Verein vorweisen. Der Hombrucher SV, aber nur, wenn die Zeit des Fusionsklubs Hombrucher FV hinzugezogen wird. Der Verein spielt seit 1945 durchgängig überkreislich. Erst als Hombrucher FV, später als Hombrucher SV.

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Eins kann man definitiv festhalten: Kein Dortmunder Vereinsname hält außerhalb von Dortmund schon länger die städtische Fahne hoch wie der SV Brackel 06, da das Hombrucher Team umbenannt wurde. Aktuell spielen die Jungs vom Hallenbad, wie sie genannt werden, in der Landesliga. Trainer Giovanni Schiattarella baut hier ein junges, erfolgshungriges Team auf, das in der Staffel mit ambitionierten Klubs wie Türkspor Dortmund oder IG Bönen konkurrenzfähig sein wird.

In dem Jahr, in dem Brackels Erfolgsgeschichte begann, war Schiattarella noch nicht auf der Welt. Denn der Schritt raus aus der Kreisliga A, hinein in die Bezirksliga gelang dem stolzen Traditionsverein in der Spielzeit 1980/81. Damaliger Trainer war Wolfgang Dawert. Und im Team standen viele Fußballer, die aus Brackel kamen. In der vergangenen Spielzeit hatte nur Ricardo Ruocco eine Brackeler Junioren-Vergangenheit.

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„Die Zeiten haben sich geändert“, sagt der Vorsitzende Olaf Schäfer, „die Jugend von heute hat einfach keine Geduld mehr. Schaffen sie nicht sofort den Sprung in die Erste, wechseln sie den Klub oder hören ganz auf.“ Das sei früher anders gewesen. Deshalb sei die Identifikation mit dem Team innerhalb des Orts damals viel größer geworden.

Schäfer erinnert sich an Bezirksliga-Zeiten, in denen mehr als 1000 Zuschauer zu den Derbys gegen den Ortsnachbarn TuS Neuasseln kamen. Heute sind es vielleicht 100 bis 150 Zuschauer, die zu den Landesliga-Partien kommen. Schäfer sieht einen Grund in der nicht mehr vorhandenen Identifikation vieler Spieler mit dem Klub.

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„Die Zeit hat sich halt gewandelt, ist schnelllebiger geworden. Für die Jungs ist es nicht mehr wichtig, nach den Spielen im Vereinsheim zu bleiben und mit unseren Zuschauern zu sprechen. Sie haben andere Dinge zu tun.“ Olaf Schäfer ist aber nicht der Typ, der nur in der Vergangenheit lebt und den schönen alten Zeiten hinterher trauert.

Trainer betreiben einen höheren Aufwand

Er hebt zum Beispiel seinen aktuellen Trainer hervor. Es sei unglaublich, was der heute leiste. „Es ist ja nicht nur, dass er dreimal die Woche zum Training kommt und sonntags zum Spiel. Giovanni muss ein Netzwerk haben, sich überall auskennen, damit wir überhaupt eine reelle Chance haben, an gute, talentierte Spieler zu kommen. Diesen Aufwand mussten früher die Trainer nicht so betreiben.“

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Schäfer war in dem Jahr, in dem der SV Brackel 06 in die Bezirksliga aufstieg, noch Jugendspieler beim SV Brackel 06, seit 2004 Vorsitzender des Vereins. Fast immer an seiner Seite war Gerd Wild, in den unterschiedlichsten Positionen. „Zwei Verrückte wie uns findet man heute nur noch selten“, sagt Wild. Es sei insgesamt schwer geworden, Leute für Vorstandsposten zu gewinnen. „Trainer und Spieler findet man immer. Aber wenn es darum geht, Leute für den Vorstand zu gewinnen, wird es ganz schwer“, ergänzt Schäfer.

Und dann schwelgt er doch wieder in der Vergangenheit, als die Frage aufkommt, welcher Spieler in all den Jahren den Verein am meisten geprägt hat. Da muss Schäfer nicht lange überlegen. „Erich Mörchel.“ Der Stürmer, der Goalgetter, der Spieler, vor dem jeder Gästetrainer gewarnt hat. Aber nicht nur deswegen nennt Schäfer diesen Namen.

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„Erich war ein Brackeler Junge, ein Top-Fußballer und Top-Mensch. Er und seine Familie haben diesen Verein gelebt. Gab es Probleme, war die Familie immer da. Leider ist Erich viel zu früh gestorben“, sagt Schäfer. Mörchel war nicht nur Spieler beim SVB, er war auch Trainer und Sportlicher Leiter.

Als es im Gespräch mit Schäfer und Wild um den erfolgreichsten Trainer geht, fällt schnell der Name Axel Schmeing. Sechs Jahre lang coachte der heutige Oberliga-Trainer des Holzwickeder SC den Klub und führte ihn aus der Bezirks- in die Westfalenliga. Drei Jahre lang hielt sich der SV Brackel in dieser Klasse.

„Von der Kohle her war die Westfalenliga für uns eigentlich nicht machbar.

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Trotzdem haben wir drei Jahre in der Westfalenliga gespielt. Jetzt sind wir in der Landesliga und fühlen uns da auch wohl“, sagt Schäfer. Er möchte wieder viel mehr die Jugendarbeit forcieren. In den 1990er-Jahren kickten die A-Junioren noch in der Landesliga. Heute sind alle Brackeler Junioren-Teams in der Kreisliga A zu Hause.

16 gemeldete Junioren-Teams

Qualitativ stimmt es auf jeden Fall bei den Junioren. Der SVB hat 16 gemeldete Junioren-Teams und „viele engagierte und qualifizierte Trainer“, sagt Schäfer. Trotzdem würde er sich freuen, wenn mal wieder Teams in die Bezirksliga aufsteigen würden. Denn er wünscht sich nichts mehr, als dass wieder mehr Brackeler Jungs in der ersten Mannschaft spielen. Jahrelang stand der Klub auch für erfolgreichen Frauenfußball. 1990 wäre das Frauenteam fast in die Bundesliga aufgestiegen. Als Tabellenzweiter der Regionalliga zog der SVB in die Relegationsrunde zur Bundesliga ein. Der Klub verzichtete aber aus finanziellen Gründen an der Teilnahme. Heute gibt es kein Frauenteam mehr beim SVB.

Ein Highlight des Klubs ist der Kronen-Hellweg-Cup, neben dem Hecker-Cup des ASC, das zweite große Senioren-Turnier in Dortmund. „Wir hoffen, dass wir es in diesem Jahr stattfinden lassen können“, sagt Schäfer. Er hebt hervor, dass bei dem Turnier die Familie Brackel 06 lebt. Denn ohne die 40 ehrenamtlichen Helfer wäre dieser Kraftakt nicht möglich.

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