Erst Abi, jetzt Sandkiste: „Baby-Hammer“ Svenja Müller lebt ihren Beach-Traum

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Das Abi hat Svenja Müller, Dortmunds Sportlerin des Jahres, in der Tasche. Jetzt stellt sich die 19-Jährige einer erneuten Reifeprüfung: bei der neu geschaffenen Beach-Liga in Düsseldorf.

Düsseldorf

, 29.06.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es sind anstrengende, aufregende Tage. Abends fällt Svenja Müller todmüde ins Bett eines Düsseldorfer Hotels und wacht erst neun Stunden später wieder auf. Zwei Beachvolleyball-Partien pro Tag, und das an sieben Tagen in Serie, fordern ihren körperlichen Tribut. Auch ihrer erfahrenen Sand-Partnerin Karla Borger, Nationalspielerin, ehemalige Vize-Weltmeisterin und amtierende nationale Beach-Titelträgerin, geht es nicht anders.

Großes Pensum für Svenja Müller und Karla Borger

„Wir absolvieren gerade viele Spiele auf recht hohem Niveau, das ist schon ein ordentliches Pensum, und am Ende der ersten Woche hatte ich echt schwere Beine. Aber ich kann da wirklich jede Menge lernen. Es ist cool, an Karlas Seite auf dem Feld zu stehen“, sagt die 19-jährige Dortmunderin über ihre zwölf Jahre ältere Mitspielerin, die ihr in den Spielpausen jede Menge taktische Tipps für ihr Spiel gibt und in Svenja Müller eine höchst aufmerksame Zuhörerin findet.

Svenja Müller (r.) wurde von ihrer Partnerin Karla Borger „Baby-Hammer“ getauft.

Svenja Müller (r.) wurde von ihrer Partnerin Karla Borger „Baby-Hammer“ getauft. © dpa

Die recht kurzfristig zusammengestellte Paarung aus erfahren und jung harmoniert erstaunlich gut, das Duo Borger/Müller setzte sich gleich nach der ersten Woche an die Tabellenspitze der acht Beach-Teams aus ganz Deutschland. Und Borger fand für ihre jüngere Partnerin auch gleich einen Spitznamen: „Baby-Hammer“.

Svenja Müller sammelt fleißig Spielpraxis

„Die Beach-Liga ist sicherlich gut für Svenjas Entwicklung, und ich freue mich ebenfalls, endlich wieder Spielpraxis sammeln zu können“, sagt Nationalspielerin Karla Borger, die normalerweise an der Seite von Julia Sude durch den Sand wühlt. Die allerdings gibt nach der weitestgehend ausgefallenen Saison ihrem Zahnmedizin-Studium den Vorrang, ehe es mit Borger um die Olympia-Qualifikation für Tokio 2021 geht. Svenja Müller ist´s recht, und so musste sie keine Sekunde zögern, als Borger ihr anbot, an ihrer Seite die „Beach-Liga“ im Schatten des Düsseldorfer Fußball-Stadions zu spielen.

„Anfangs war ich schon sehr nervös, aber es wurde dann schnell besser. Inzwischen ist es sogar richtig gut“, berichtet die U18-Europameisterin, deren Auftritte auf der Streaming-Plattform „Twitch-TV“ live im Internet zu sehen sind. Die Zuschauer der Übertragung wählen nach jeder Partie ihre „wertvollste Spielerin“ (MVP). Drei Mal schon durfte sich Svenja über diese Auszeichnung freuen. „Das ist natürlich mega, aber wir gewinnen natürlich als Team“, sagt Svenja bescheiden.

Tänzchen bei Tik-Tok

Die Beach-Liga ist ein privat organisiertes Experiment ohne Hilfe des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV), das auch abseits des Sand-Vierecks auf Social-Media-Kanälen unterhält. So waren Svenja und Co. plötzlich auf dem Tik-Tok-Portal mit einem Tänzchen zu sehen, auch bei Instagram ist die Beach-Liga äußerst aktiv.

„Damit erreichen wir viele Leute, ich habe schon einige neue Follower dazubekommen“, sagt die Dortmunderin, ermahnt sich dann aber gleich selbst, in den Pausen „nicht zu viel am Handy rumzuspielen“. Am Donnerstag und Freitag warten schließlich noch je zwei Spiele, „die Sprungbelastung ist schon ziemlich hoch“, so Müller. Nach einwöchiger Pause geht es dann weiter, ehe nach vier Wochen der Beach-Liga-Meister feststeht. Der DVV indes plant seine Deutsche Meisterschaft, wahrscheinlich wieder am Timmendorfer Strand. Svenja Müller will dann dabei sein, mit einem zweiten Reifezeugnis in der Tasche.

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