Syrische Wasserballer im Südbad vereint

Beach-Wasserball-Turnier

Premiere im Südbad. Zum ersten Mal fand dort ein Beach-Wasserball-Turnier statt. Mit dabei eine Mannschaft aus syrischen Asylbewerbern. Der Sieg ging nach Recklinghausen, gefolgt vom SV Westfalen und dem Team aus Syrien. Doch die Ergebnisse stehen dabei nicht im Vordergrund.

Dortmund

, 08.11.2017, 08:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
So sah Begeisterung im Südbad aus. Das syrische Team (gelbe Kappen) freut sich zusammen mit Spielern des SV Westfalen über die Einladung für das 1. Beach-Wasserball-Turnier. Das Spiel gegen die Dortmunder verloren sie mit 8:10.

So sah Begeisterung im Südbad aus. Das syrische Team (gelbe Kappen) freut sich zusammen mit Spielern des SV Westfalen über die Einladung für das 1. Beach-Wasserball-Turnier. Das Spiel gegen die Dortmunder verloren sie mit 8:10. © Stephan Schuetze

Zwei Fragen stellte sich geradezu zwangsläufig am Samstagmorgen im Dortmunder Südbad. Beach-Wasserball? Was ist das eigentlich? Und warum gilt - oder besser gesagt galt - ausgerechnet dieser Sport in dem vom Bürgerkrieg geplagten Syrien als äußerst populärer Sport?

Spielfläche erheblich kleiner

Wie bei allen Beach-Sportarten - also Beach-Tennis und Beach-Volleyball - ist die Sache ganz einfach. Die Spielfläche, in diesem Fall die Wasserfläche, ist erheblich kleiner als beim traditionellen Wasserball, die Spielzeit beträgt zwei Mal zehn Minuten ohne Pausen oder Auszeiten und es wird nur mit drei Spielern plus Torwart pro Mannschaft gespielt. Unterm Strich steht ein Spiel, was erheblich schneller und damit auch spannender als normales Wasserball ist.

Zumindest in Deutschland gilt Beach-Wasserball als noch exotischer als traditionelles Wasserball. Ganz anders in Syrien und in Asien. Es gibt eigene Ligen und bei den Asian-Games genießen die Spieler einen hohen Stellenwert und sind populär.

Anreise aus ganz Europa

Dementsprechend motiviert waren auch die sieben Wasserballer aus Syrien, die am Wochenende aus ganz Europa angereist waren, um nach mehrjähriger Pause in dieser Formation zum ersten Mal zusammenzuspielen. Vier Spieler kamen aus Schweden, aus Ängelholm im Süden, einer echten Hochburg dieses Sports. Dazu ein Spieler von einem Berliner Dritt-Ligisten, ein Spieler aus der niederländischen Profiliga und ein syrischer Asylbewerber, den alle nur Mo nannten und der für den SV Westfalen aktiv ist.

Gecoacht wurden die Jungs von Hussein Abboud, ehemaliger Spieler und Trainer der syrischen Nationalmannschaft. Zusätzlich dabei war auch der Bjaerne, der schwedische Vereinstrainer, der besonders von dem mit Plastik-Palmen und Plastik-Flamingos aufgehübschten Südbad angetan war: „Die weite Anreise hat sich gelohnt, ich hoffe, wir waren nicht das letzte Mal in Dortmund.“

Bürgerkrieg zwingt Spieler zur Flucht

Eigentlich eine lockere Gruppe. Andererseits auch eine äußerst erfolgreiche. Denn in einer fast identischen Besetzung gewann diese Mannschaft den Titel bei den Asian Games 2011. Dann kam der Bürgerkrieg und die Spieler flüchteten.

„Dass die Jungs hier bei uns antreten, ist nicht selbstverständlich. Die sind vor Jahren aus ihrer Heimat geflüchtet und treffen sich zum ersten Mal wieder hier im Dortmunder Südbad“, erklärte Enrico Michelini, der das Turnier für die beiden Vereine SV Westfalen in Kooperation mit dem SV Derne organisiert hatte: Und dabei jede Schwierigkeiten zu überwinden hatte. Immerhin musste ein Etat von 4000 Euro gestemmt werden. Angefangen von Reisekosten bis zur Miete für das Südbad.

Geschichte einer dramatischen Flucht

Auch wenn der Sieg schlussendlich an das Team aus Recklinghausen-Vest ging, im Mittelpunkt standen natürlich die Spieler aus Syrien. Jeder hatte seine eigene Geschichte mitgebracht, eine Geschichte einer meist dramatischen Flucht. So wie die des 23-jährigen Mo, der seit zwei Jahren für den SV Westfalen Wasserball spielt und von sich selbst behauptet: „Wasserball war mein Leben. In Syrien konnte man damit sein Geld verdienen, in Deutschland geht das natürlich nicht.“ Aktuell gibt’s zudem andere Dinge für Mo zu erledigen, der als selbstständiger Möbeltransporteur unterwegs ist und zuletzt den Umzug für seine Familie aus dem Wohnkomplex Hannibal in Dorstfeld organisierte.

Humanitäre und kultureller Gedankenaustausch prägten das Event, zumal nach dem Turnier eine Party mit Live-DJ lief. Doch auch der Sport kam nicht zu kurz. Nach jeweils fünf Spielen setzte sich das Team aus Recklinghausen/Vest mit 8:2-Punkten durch, gefolgt vom SV Westfalen und den Teams aus Syrien, Kamen, Bochum und Derne. Lautstarker Höhepunkt des Tages war der 10:8-Sieg der Westfalen gegen Syrien.

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