Taylan Duman hatte in Düsseldorf einen Profivertrag, kam jedoch bis auf ein einziges Mal nicht zum Zug. Ein Gespräch über den Neuanfang beim BVB II, zu dem er erst gar nicht wechseln wollte.

von Daniel Otto, Leon Elspaß

Dortmund

, 22.02.2019, 11:13 Uhr / Lesedauer: 8 min

Taylan Duman ist erst 21 Jahre alt und war schon einmal Fußballprofi. Bei Fortuna Düsseldorf bekam er einen Profivertrag, stand im November 2016 sogar mal in der Startelf des Zweitligisten. Doch es blieb sein einziger Einsatz als Fußballprofi.

Und deshalb wechselte er im Winter zum BVB II. Über die Gründe spricht er im Interview. Sein erstes Spiel war allerdings ein ähnlicher Reinfall wie sein Profi-Debüt. Beim 1:1 gegen Wiedenbrück musste er mit Verdacht auf ein Schleudertrauma ausgewechselt werden, nachdem er mit seinem Gegenspieler zusammengerasselt war. Doch vor dem Duell mit seinem Ex-Klub ist wieder fit.

Taylan Duman, Ihr Debüt haben Sie sich vermutlich anders vorgestellt oder?

Ja, ich hatte mir sehr viel vorgenommen, vielleicht etwas zuviel. Ich bin mit einer Erwartungshaltung mir gegenüber ins Spiel gegangen, die vielleicht etwas zu hoch war. Das passiert mir nicht nochmal. Aber es ist alles gut. Der Kopf hat noch drei Tage gebrummt. Jetzt geht’s wieder.

Wie hat Ihnen der Rasen in der Roten Erde gefallen...?

(schmunzelt) Ich sage es mal so: Der ist gewöhnungsbedürftig. Meine Stärken liegen eher im fußballerischen, im technischen Bereich. Das ist auf diesem Rasen nicht so leicht. Unsere Mannschaft ist spielerisch sehr stark, aber das umzusetzen ist bei solchen Platzverhältnissen wie am Samstag relativ schwer. Wir haben fast in der kompletten Vorbereitung auf einem guten Rasen oder Kunstrasen trainiert und da hat man die Qualität der Mannschaft gesehen.

Wie sind Sie eigentlich zum Fußball gekommen?

Mein Vater hat mich zum Fußball gebracht. Als ich drei Jahre alt war, habe ich angefangen im Verein zu kicken. Dann habe ich irgendwann in den Sommerferien eine Fußballschule mitgemacht und wurde vom MSV Duisburg für die U9 gescoutet. Bis zur U17 war ich beim MSV und bin dann zu Fortuna Düsseldorf gewechselt.

Mit drei Jahren ist früh oder?

Ja, das höre ich oft. Meine Familie ist einfach fußballbegeistert.

Wo kommt ihr Talent her?

Mein Papa hat Oberliga gespielt. Das Talent kommt vielleicht von ihm, aber es ist auch viel Training und eine gute Ausbildung.

Gab es einen Trainer, der Sie geprägt hat?

Ja, den gab es auf jeden Fall mit Sinisa Suker, dem U19-Trainer von Fortuna Düsseldorf. Bis zur U17 war Fußball noch Spaß, aber in der U19 hat es angefangen, Ernst zu werden. Ich bin relativ früh hoch zu den Profis, in meinem ersten Jahr bin ich da durch Glück reingerutscht und er hat mir gezeigt, dass Fußball nicht mehr nur Spaß bedeutet, sondern dass es eben auch ein paar Regeln gibt, an die man sich halten sollte.

Peter Hermann, der Co-Trainer von Friedhelm Funkel, war mit der einflussreichste Trainer, den ich hatte. Er lebt den Fußball. Andere machen das als Mittel zum Zweck, er nicht. Ich kann mich an eine Geschichte erinnern: Ich habe nach jedem Training mit ihm Extraschichten gemacht und an einem Tag wollte ich noch mehr mit ihm machen, da sagte er, wir müssten uns beeilen, weil seine Frau und er 40. Hochzeitstag hätten. Darauf habe ich gesagt: Dann lassen wir es heute sein und machen es dafür morgen. Seine Antwort war: Auf keinen Fall, wir machen das. Wir müssen uns nur ein bisschen beeilen. Er lebt den Fußball. Ich war auch sehr traurig, als er nach München gegangen ist. Aber so ist der Fußball. Er lebt von Veränderungen und ist sehr schnelllebig.

Sie haben in einem Interview in Düsseldorf mal gesagt: „Du kannst ein riesiges Talent sein. Aber wenn du dich außerhalb des Platzes nicht benimmst, wird das im deutschen Fußball nichts.“ Wo kommt diese Einstellung her?

Ja, das war die erste Sache, die ich in meinem Profileben gelernt habe. Man muss aufpassen, wie man sich als Profi verhält, weil man sonst schnell rasiert wird - sowohl von gestandenen Spielern als auch von Verantwortlichen. Es gibt Dinge, die wollen sie eben nicht sehen und das habe ich relativ früh gelernt.

Und dann standen Sie am 4. November 2016 im Zweitligaspiel gegen Dynamo Dresden plötzlich in der Startelf. War es für Sie damals auch plötzlich?

Es hatte sich angebahnt, weil viele Spieler auf meiner Position verletzt waren. Ich hatte aber ehrlich gesagt gehofft, schon früher zu spielen. In der Woche davor hatte ich allerdings in der Startaufstellung trainiert, ich wusste also, dass ich spiele, der Trainer hatte auch mit mir geredet. Und dann ging es relativ schnell.

Nach 27 Sekunden stand es 0:1. Nach einer guten Stunde mussten Sie verletzt raus. Da kam wirklich alles zusammen an dem Tag oder?

Schlechter kann man sich ein Debüt nicht vorstellen oder? (lacht) Es war auch noch mein Gegenspieler. Das war natürlich blöd. Bis zu meiner Auswechslung habe ich aber ein ganz gutes Spiel gemacht. Es lief aber an dem Tag einfach gar nichts zusammen, die ganze Mannschaft war nicht da. Es war halt schade, dass ich mich in dem Spiel verletzt habe, weil ich davon ausgehen konnte, dass ich in den nächsten Wochen noch gespielt hätte - eben weil so viele andere auch verletzt waren. Aber so ist der Fußball.

Es blieb Ihr einziges Profispiel bislang. Wann haben Sie gemerkt: Das wird hier nichts mehr?

Jeder Trainer arbeitet anders, mit seinen Methoden. Der Erfolg gibt Friedhelm Funkel Recht. Er hat Fortuna von einem Abstiegsplatz in der 2. Liga zu einem gestandenen Bundesligisten geformt. Das schaffen die Wenigsten. Nur hat er auf diesem Weg eben wenig auf junge Spieler gesetzt. Damit geht jeder anders um, aber mir persönlich hat das schon zugesetzt. Ich war zwar im Aufstiegsjahr noch ein paar Mal im Kader, aber irgendwann fing ich an, mental abzubauen und an mir zu zweifeln. Und dann wird es erst recht schwer in eine Mannschaft reinzurutschen, die durchgehend Erfolg hat.

Gab es Gespräche mit Funkel?

Ehrlich gesagt nicht wirklich. Ich bin der Meinung, dass ich bei der U23 meine Leistung gebracht, in der aktuellen Hinrunde zum Beispiel als Sechser sechs Tore geschossen und ein paar vorbereitet habe. Aber es hat nicht gereicht, um oben aufzufallen. Ich bin sowieso der Meinung, dass mentale Stärke 90 Prozent ausmacht im Fußball. Es spielen in der Bundesliga nicht die besten Spieler, sondern die, die am klarsten im Kopf sind und am besten mit Druck umgehen können. Mir fehlte eben das Vertrauen des Trainers, so konnte ich nicht meine beste Leistung bringen. Das war bei meinen Freunden Andy Lucoqui (jetzt Arminia Bielefeld, Anm. d. Red.) und Emmanuel Iyoha (jetzt Erzgebirge Aue, Anm. d. Red.) nicht anders. Und wenn man keine Einsätze bekommt, muss man eben Veränderungen suchen.

Es war also keine Überraschung mehr, dass Funkel im Januar gesagt hat, dass Sie weit weg sind von der Mannschaft?

Nein, natürlich nicht. Es war nur schade, weil ich der Meinung war, dass ich in der Regionalliga so gut gespielt hatte, dass ich im Winter neu hätte angreifen können. Aber da ich in der Hinrunde nicht einmal im Kader war, musste ich mir darüber im Klaren sein, dass meine Perspektiven bei diesem Trainer nicht die besten sind. Als ich dann nicht mit ins Trainingslager durfte, war das hart für mich – aber ich habe mir dann eben vorgenommen, mich auf die Sachen zu konzentrieren, die ich in der eigenen Hand habe.

Wie kam der Kontakt mit dem BVB zustande?

Mein Berater sagte mir, dass Interesse besteht. Ich habe erstmal gesagt, dass ich das auf keinen Fall machen möchte. Ich wollte nach dieser Hinrunde unbedingt in die 2. Liga, das stand für mich fest. Es gab dann ein paar Angebote aus der dritten Liga, aber nichts, wo ich gesagt hätte, das möchte ich machen. Und dann hatte ich das Gespräch mit Jan Siewert und Ingo Preuß und hatte sofort ein Top-Gefühl. Über die Bedingungen hier brauchen wir nicht zu sprechen, das ist gute dritte Liga und besser als viele Zweitligisten. Der Hauptgrund, hier hinzugehen, ist, dass man hier anders gesehen wird als bei Fortuna Düsseldorf, dass mehr Leute zum BVB kommen, dass man beim BVB mehr Chancen hat, den Verein nach oben zu verlassen als bei Fortuna Düsseldorf - selbst wenn man da einen Profivertrag hat und dem Bundesliga-Kader angehört.

Und dann kommen Sie zum BVB und Jan Siewert ist gar nicht mehr da…

(lacht) Ja, das war relativ witzig. Ich hatte sehr gute Gespräche mit ihm, er kannte auch vieles von mir, was mir ein gutes Gefühl gegeben hat. Er hatte da auch erzählt, dass er Angebote aus der zweiten englischen Liga hatte, den Verein aber nicht Fall verlassen will. Aber wie schon gesagt: So ist der Fußball. Und wenn man ein Angebot aus der Premier League von Huddersfield bekommt, dann würde wohl jeder zugreifen. Das ist schon unglaublich. Ich habe nur Gutes über ihn gehört, von keinem Spieler habe ich etwas schlechtes gehört. Ich mache ihm überhaupt keinen Vorwurf und wünsche ihm nur das Beste.

Wie kommen Sie mit dem neuen Trainer Alen Terzic klar?

Sehr gut, es ist schon was anderes, wenn man ein Spieler ist, der gezielt geholt wird anstatt ein Spieler zu sein, mit dem nicht geplant wird. Bei Fortuna war das so, dass ich mit dem Trainer vielleicht einmal in vier Wochen geredet habe, hier habe ich einen täglichen Austausch und das gibt einem jungen Spieler wie mir Selbstvertrauen, um konstant spielen zu können. Es freut mich sehr, dass er hier angefangen hat.

Terzic hat über Sie gesagt, dass Sie hier als Spielerpersönlichkeit eine besondere Rolle einnehmen sollen. Wie interpretieren Sie das?

Ich bin halt nicht mehr der Jüngste hier, wie es vorher meistens war. Hier sind viele 99er aus dem A-Jugendbereich hochgekommen. Ich freue mich, dass er so etwas sagt, ich möchte hier als Führungsspieler vorweggehen und die Mannschaft zu dem Erfolg führen, den sie hatte.

Ist es eine neue Rolle für Sie?

Nein, die hatte ich bei Fortunas U23 auch schon. Es ist aber schwierig, wenn man keine richtige Mannschaft hat. In Düsseldorf habe ich immer oben trainiert und unten gespielt. Da hat man kein Gefühl für die anderen Spieler, keinen Zusammenhang, und dieses „Zusammen-Gefühl“ gab es da eben auch nicht, dieses Zwischenmenschliche. Das ist hier anders, ich wachse mit der Mannschaft und freue mich einfach, den Jungs mit meiner Qualität helfen zu können.

Ihr Lebensmotto hast du dir auf den Arm tätowiert: „Heute mache ich das, was andere nicht machen, damit ich morgen machen kann, was andere nicht können.“ Wann haben Sie zuletzt so etwas gemacht?

Ich denke immer von Tag zu Tag. Egal, ob es der Personal-Trainer ist, bei dem ich durchgehend bin, ob es die Vor- oder Nachbereitung des Trainings ist: Mein Motto ist: Wenn ich mehr tue, als alle anderen, dann kann mich nichts aufhalten. Qualität setzt sich irgendwann durch. Wenn jemand mehr investiert, wird er auch mehr bekommen und deshalb ist mein Vorbild auch nicht Lionel Messi mit seinem unglaublichen Talent, sondern Cristiano Ronaldo, weil er so hart an sich gearbeitet hat, um der Spieler zu sein, der er heute ist.

Taylan Duman vom BVB II im Interview: „Sonst wird man schnell rasiert“

Taylan Duman nach dem Zusammenprall im Spiel gegen Wiedenbrück. © Bielefeld

Mit Blick auf den Durchbruch nach oben haben Sie mal gesagt: „Das A und O wird Geduld sein.“

Ja, das habe ich mir auch tätowiert. Als junger Spieler ist es schwer, wenn dein Umfeld darauf drängt. Wenn du ständig gefragt wirst: Wann spielst du? Was ist im Training los? Sind die zu gut? Ich war sehr ungeduldig. Das erste war ein Lehrjahr, aber im zweiten war ich schon der Meinung, dass ich spielen kann. Meine Mitspieler haben mir gesagt, ich kann locker mitspielen, dass ich die Chance bekommen könnte. Aber das Wichtigste ist wirklich, Geduld zu haben. Ungeduldige Spieler schaffen es nicht. Leute, die Dinge erzwingen wollen, scheitern. Mit Geduld und einem gesunden Umfeld kommt der Rest von alleine.

Müssen Sie sich zu dieser Geduld ein bisschen zwingen?

Ja, schon, weil ich vom Typ her eigentlich eher so bin, dass ich Gerechtigkeit haben möchte. Die gibt es im Fußball nicht immer. Das habe ich in den letzten zweieinhalb Jahren als Profi auch gelernt. Ich muss mich dazu zwingen, weil ich andere Ziele habe, die ich über Umwege schaffen kann. Das weiß ich. Es gibt eine Hand voll Top-Talente, die es schon mit 18 in die Bundesliga schaffen. Mit denen sollte man sich aber nicht messen, sondern glücklich sein und das schätzen, was man hat. Wieviele Leute würden sich einen Finger dafür abschneiden, damit sie beim BVB spielen dürfen? Deshalb gilt für mich: Ich schaue nach oben, vergesse aber nicht, was ich schon erreicht habe.

Sehen Sie es also nicht als Rückschritt?

Nein, wie auch? Ich habe ja Regionalliga gespielt und spiele jetzt wieder Regionalliga. Für mich ist es kein Rückschritt, weil ich hier etwas höheres erreichen kann, was ich dort nicht erreichen konnte.

Jetzt geht es Sonntag (15 Uhr, Paul-Janes-Stadion, Düsseldorf) gegen die alten Kollegen. Ist schon was Besonderes oder?

Ja, auf jeden Fall. Mehr als 30 Leute von mir kommen zugucken, meine ganze Familie, alle Freunde sind da. Jetzt muss ich wieder den Druck rausnehmen, mir nicht so viel vornehmen, wie im ersten Spiel. Mit Spaß reingehen und zeigen, was ich kann.

Wie ist der Rasen in Düsseldorf?

(lacht) Ich habe ihn lange nicht gesehen, aber ich denke Mal nicht schlechter als der in der Roten Erde. Der wird uns als Mannschaft mehr liegen.

Und wie sieht es mit dem Jubeln aus?

Schwierige Frage. Ich glaube an den Spruch, dass man sich immer zweimal im Leben sieht. Ich habe diesem Verein soviel zu verdanken, auch wenn die letzten zwei Jahre nicht gut für mich gelaufen sind. Ich bin dort Profi geworden und das ist nicht selbstverständlich. Deshalb würde ich bei einem Tor auch nicht jubeln.

Zum Schluss noch eine Frage zu Ihrer Leidenschaft. Sie haben in einem Interview mal gesagt: „Ich liebe es, shoppen zu gehen. Ich interessiere mich sehr für Mode.“ Dortmund ist jetzt nicht gerade eine Mode-Hochburg. Haben Sie in der Mannschaft schon jemanden gefunden, der diese Leidenschaft teilt und Ihnen hier ein paar Läden zeigen kann?

(lacht) Mit Haymenn Bah-Traore kann ich schon ganz gut drüber sprechen. Düsseldorf war für diese Leidenschaft natürlich perfekt. Ich ziehe jetzt aber am 1. März mit meiner Freundin in Dortmund-Hörde zusammen. Da wird also alles ein bisschen ruhiger. Ich interessiere mich zwar weiter für Mode, aber ich muss da jetzt auch Prioritäten setzen und konzentriere mich voll und ganz auf Fußball.

Lesen Sie jetzt