„Teee“ Slacanin-Williams: „Brauche mit einem Co-Trainer keine drei Augen mehr“

Co-Trainer-Serie

In einer Serie wollen wir die Aufgaben und Charaktere von Co-Trainern vorstellen. Wer sind die Coaches hinter den Übungsleitern, die eigentlich im Fokus stehen? Weiter geht es mit Volleyball.

Dortmund

, 14.06.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 4 min
Die Volleyballdamen des TV Hörden werden von Tonya „Teee“ Slacanin-Williams und Reinhard Wiesner trainiert.

Die Volleyballdamen des TV Hörden werden von Tonya „Teee“ Slacanin-Williams und Reinhard Wiesner trainiert. © Verein

Sie sorgen für die gute Stimmung im Team, sind näher dran an den Spielern und kümmern sich um volle Wasserflaschen, ein trockenes Handtuch und weitere kleinere Erledigungen. Alles nur Mythen über Co-Trainer? Was macht eigentlich ein Assistent und was sind seine Aufgaben? Wir sind der Sache auf den Grund gegangen und durchleuchten hierbei verschiedene Sportarten in diversen Ligen.

Wir machen weiter mit den TV Hörde, der in der 3. Liga im Frauen-Volleyball spielt. Das Team wird betreut von Cheftrainerin Tonya „Teee“ Slacanin-Williams und ihrem Co-Trainer Reinhard Wiesner.

In den vergangenen Jahren gelang den Frauen des TV Hörde Außergewöhnliches: Das Team stieg zweimal auf: Erst von der Oberliga in die Regionalliga, dann von der Regionalliga in die 3. Liga. Dort lag das Team in der aktuellen Saison zum Zeitpunkt des Abbruchs wegen Corona auf dem achten Platz - eine starke Leistung für einen Liga-Neuling.

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Lange als Co-Trainer in der Männer-Bundesliga

Beachtlich ist es auch, wenn man einen Blick auf die Trainerbank der TVH-Frauen wirft. Dort sitzt nämlich die geballte Erfahrung: Cheftrainerin Tonya „Teee“ Slacanin-Williams spielte als Aktive für den USC Münster in der Bundesliga. Mit dem USC wurde die 52-Jährige im Jahr 2004 Deutsche Meisterin und Pokalsiegerin. Zudem gewann sie mit der US-amerikanischen Nationalmannschaft Bronze bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona und bei der Weltmeisterschaft in China im Jahr 1990.

Ihr Assistent ist kein geringerer als Reinhard Wiesner. Der 58-Jährige war langjähriger Co-Trainer beim Männer-Bundesligisten SV Bayer Wuppertal. „Die Zeit unter Mark Lebedew war sehr besonders und schön für mich. Ich habe viele Erfahrungen gesammelt“, erzählt Wiesner. Seit mittlerweile vier Jahren ist er nun Co-Trainer bei den Frauen des TV Hörde und durfte mit dem Team bereits zweimal einen Aufstieg feiern.

Reinhard Wiesner ist Co-Trainer bei den Damen des TV Hörde.

Reinhard WIesner ist Co-Trainer der Frauen des TV Hörde. © Verein

Seit 2019 bilden Slacanin-Williams und Wiesner ein Duo. Die Cheftrainerin coachte vorher die Herren des TV Hörde, die ebenfalls in der 3. Liga spielen. Die Erfahrung, mit einem Assistenten eine Mannschaft zu betreuen, ist für die 52-Jährige total neu. „Ich hatte vorher nie einen Co-Trainer. Daher muss ich mich an viele Dinge noch gewöhnen. Sonst habe ich immer alles alleine gemacht.“ Wiesner hingegen kennt den Job des Assistenten bestens. „Ich bin gelernter Co-Trainer“, sagt der Inhaber einer B-Trainerlizenz mit einem Schmunzeln, „ich mache das jetzt seit 26 Jahren und weiß, was wichtig ist.“

Neben dem Spielfeld

Da das Trainerteam beim TV Hörde neu ist, mussten sich die beiden erstmal ein bisschen abtasten, abstimmen und Zuständigkeiten klären. „Wir telefonieren öfter. Ich finde, wir ergänzen uns gut und harmonisieren super“, meint Wiesner, den es beruflich in den Ruhrpott zog. Slacanin-Williams befindet sich immer noch im Gewöhnungsprozess. „Manchmal muss ich mich selbst daran erinnern, dass ich einen Co-Trainer habe und nicht alles alleine machen muss. Ich denke, ich werde noch eine gewisse Zeit brauchen, bis ich das alles verinnerlicht habe. Es ist auf jeden Fall eine Erleichterung“

Obwohl Wiesner den Großteil des Teams bereits länger kennt, denkt er, dass seine Cheftrainerin näher an der Mannschaft dran ist als er. „Ich denke, das ist normal, wenn eine Frau auch Frauen trainiert. Bei Männermannschaften habe ich es erlebt, dass Männer als Coach einen engeren Draht zu ihren Spielern haben.“

Im Training

Die Trainingseinheiten beim TV Hörde organisiert „Teee“ meist selbst. Aufbau des Trainings, Schwerpunkte und vieles mehr. „Für mich ist es normal, die Einheiten alleine zu gestalten. Auch die Vorbereitung auf eine kommende Saison plane ich meistens alleine“, sagt sie. Wiesner sieht sich hierbei als helfende Hand. „Ich nehme Korrekturen bei Angriff oder Verteidigung vor. Auch beim Techniktraining gebe ich den Mädels Feedback, was gut war und was sie verbessern können.“

Tonya Williams trainierte, bevor sie das Damenteam übernahm, auch die Herrenmannschaft des TV Hörde.

Tonya Williams trainierte, bevor sie das Damenteam übernahm, auch die Herrenmannschaft des TV Hörde. © Folty

Regelmäßiger Bestandteil des Trainings sind Videoeinheiten. Beide Übungsleiter schauen sich die vorherigen Spiele des eigenen und des gegnerischen Teams an. Im Anschluss folgt eine Einschätzung von Stärken und Schwächen. Meist gibt erst Slacanin-Williams ihre Meinung ab, und Wiesner ergänzt dann. „Jeder sieht unterschiedliche Dinge. Viele Aktionen fallen uns gleichermaßen auf, aber es gibt natürlich auch Situationen, wo jeder woanders hinschaut. Daher ist es gut, eine zweite Meinung zu hören“, findet die 52-Jährige.

Im Spiel

Während einer Partie ist der Assistent wohl die größte Erleichterung für die Cheftrainerin. „Vorher brauchte ich immer drei Augen: Wie spielen wir, was macht der Gegner, wie könnte ich wechseln. Das waren Punkte, die ich immer selbst entscheiden musste. Nun bin ich froh, eine zweite Meinung zu haben“, sagt die Ex-Profispielerin.

Das Trainerteam hat sich die Aufgaben im Spiel so aufgeteilt, dass Slacanin-Williams eher die Aktionen des eigenen Teams im Blick hat und Wiesner mehr auf den Gegner achtet. „Ich schaue, welche Angriffsvariationen unser Gegner wählt, wie schlägt er auf, welche Spielerin geht wie in die Annahme. Zudem gebe ich den Mädels in den Auszeiten ab und zu kleine Hinweise, worauf sie achten sollen oder was sie besser machen können.“

Profil

Wer sollte besser etwas über die Beschaffenheit eines Co-Trainers im Volleyball sagen können als Reinhard Wiesner? Schließlich ist er schon 26 Jahre Assistent und beschäftigt sich seit 42 Jahren mit Volleyball. „Ich denke, es ist von Vorteil, wenn ein Co-Trainer im Volleyball selbst gespielt hat - idealerweise natürlich etwas hochklassiger, aber das muss auch nicht sein. Ich selbst habe in der Landesliga gespielt.“

Außerdem sollte ein Assistent vor allem die technischen und taktischen Gegebenheiten des Sports verinnerlicht haben. „Er oder sie sollte ein Spiel lesen können“, findet Wiesner. Zudem brauche man eine „soziale Affinität zu Menschen“ und sollte mit Menschen umgehen können.

In den vergangenen Wochen hat der 58-Jährige sein Team übrigens leider nicht sehen können. Wiesner gehört wegen einer Vorerkrankung zur Hochrisikogruppe und muss daher in Corona-Zeiten auf eine Begegnung verzichten. Aktuell leitet die Cheftrainerin das Training - auf der Athletik liegt momentan der Schwerpunkt.

Wie viele andere Sportler wissen auch die Frauen des TV Hörde noch nicht, wann die nächste Saison startet. Fest steht, Reinhard Wiesner würde gern mit der Mannschaft in seine fünfte Saison als Co-Trainer gehen. Dann hätte Tonya Slacanin-Williams auch ein bisschen mehr Zeit, sich daran zu gewöhnen, einen Co-Trainer zu haben.

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