Teil 6: Industriegigant Hoesch und der Borsigplatz

Serie: 125 Jahre "Dortmund am Ball"

Fußball - eine "Fußlümmelei!" Mit dieser provozierenden Vokabel wurde zum Ende des 19. Jahrhunderts die Sportbewegung bedacht. Wie sich der Fußball in Dortmund entwickelte, das berichten wir in unserer zehnteiligen Serie "125 Jahre Dortmund am Ball". Hier lesen Sie Teil 6: "Industriegigant Hoesch und der Borsigplatz".

DORTMUND

von Von Gerd Kolbe

, 19.03.2015, 06:22 Uhr / Lesedauer: 2 min
Teil 6: Industriegigant Hoesch und der Borsigplatz

Das Eisen- und Stahlwerk Hoesch um 1885.

Als am 1. September 1871 Leopold Hoesch und vier weitere Familienangehörige in Düren den "Hoesch-Vertrag" unterzeichneten, wussten die Herren genau, was sie taten.

Sumpfiger Boden - günstiger Preis

Unter mehreren möglichen Örtlichkeiten war ihr Blick letztlich auf ein Gelände nordöstlich vor den Toren Dortmunds gefallen, "Oesterholz", "Ostermärsch" und "Stockheide" genannt. Diese Begriffe weisen unter anderem auf den "östlichen Wald" und die Tatsache hin, dass das dortige Gelände einen sumpfigen Untergrund hatte.

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Letzteres führte zwar zu einem sehr günstigen Preis für Grund und Boden, brachte aber praktische Probleme mit sich: Allein die Fundamentarbeiten für den 200 Zentner schweren Dampfhammer waren schwieriger und aufwendiger, als zunächst geplant, wie Annette Kritzler von den "Borsigplatz-Verführungen" in ihren Rundgängen durch das Hoesch-Viertel zu berichten weiß.

320 erste Hoeschianer

Für die Firmengründer war bei dem Standort vor allem wichtig, dass – seit 1847 – in der Nähe die Köln-Mindener-Eisenbahnlinie verlief. 1873 wurde die erste Charge Stahl im neuen Werk geblasen; 320 Arbeiter bildeten zu dieser Zeit die ersten "Hoeschianer".

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Die "Trabantenstadt Hoesch" wuchs und wuchs: 1895 lebten hier 6400 Menschen, um 1900 bereits 13.000. Im Jahr zuvor war "der Kaiser" – Wilhelm II – nach Dortmund gekommen, um den Dortmund-Ems-Kanal zu eröffnen. Auch Hoesch profitierte von der neuen Wasserstraße. 1910 wohnten rund um den Borsigplatz 25.000 Menschen, etwa 15.000 von ihnen arbeiten bei "Karl" Hoesch, wie das Unternehmen im Volksmund genannt wurde.

Vermeintlich bessere Zukunft

Die Arbeiter wurden von den verschiedensten Ruhrgebietsunternehmen in ganz Deutschland, aber auch in Polen, England und Frankreich angeworben. Diejenigen, die hierher kamen, träumten von einer besseren Zukunft.

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Das ist unser Autor Gerd Kolbe:
Fußball-Historiker, lange Jahre Pressesprecherin Dortmund und zwischenzeitlich auch beim Ballspielverein Borussia 09.

Diese "bessere Zukunft" hatte aber gewaltige Schattenseiten: Bis zu 16 Stunden Arbeit täglich, Kinderarbeit, so gut wie keine Rechte im Arbeitsleben, große soziale Probleme, Mietwucher, Grundstücksspekulationen, schlecht ausgestattete kleine Wohnungen und vieles mehr – das alles gehörte zum Alltag in dieser sogenannten "Gründerzeit" von der Mitte des 19. Jahrhunderts an.

Der "Stern des Nordens"

Der Borsigplatz erinnert an August Julius Albrecht Borsig. Die Familie Borsig hatte schon 1872 die "Maschinenfabrik Deutschland" gegründet, später auch dem Hoeschkonzern zugehörig. Ältere Urkunden weisen darauf hin, dass der Platz vor 1900 einen anderen Namen trug: Sedanplatz, im Gedenken an die berühmte Schlacht aus dem deutsch-französischen Krieg am 1. September 1870.

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Montags und donnerstags waren Markttage auf dem "Stern des Nordens", wie der Borsigplatz wegen seiner Sternform auch genannt wurde. Zunächst unter freiem Himmel, später in der "Borsighalle", einer beliebten Verkaufshalle.

Verbindung mit Straßenbahn

Borsigplatz und Hoesch AG wurden ab 1891 über eine Dampfstraßenbahn mit der Innenstadt verbunden. Betreiber war die Berliner "Allgemeine Lokal- und Straßenbahngesellschaft". 1897 wurde die Linie elektrifiziert.

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So geht es mit der Serie weiter:
Den siebte Teil der Serie "125 Jahre Dortmund am Ball“ können Sie bei uns am 26. März im Internet lesen. Das Thema: Im Jahre 1909, da wurd’ ein Stern geborn... – Die BVB-Gründung.

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