Trainergeneration U40 will ihre Mannschaft taktisch nicht überfordern

mlzFußball-Landesliga

Am Sonntag steht das Derby zwischen Brackel und Kirchhörde an. Die Tabellensituation unterscheidet sich bei beiden Mannschaften extrem. Ihre Trainer sind sich hingegen ziemlich ähnlich.

Dortmund

, 24.10.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Überschrift „Neben der Spur“ gegen „Inkonstanz“ träfe den Kern des Dortmunder Landesliga-Derbys zwischen SV Brackel 06 und Kirchhörder SC zwar wegen der Ergebnisse der vergangenen Wochen. Aber eine andere Bilanz und das, was die Trainertypen verbindet, verleiht dem Duell am Sonntag um 16 Uhr an der Oesterstraße einen besonderen Reiz. Und Potenzial für mehr als zuletzt weniger erbauliche Resultate haben beide Teams ohnehin.

Also der Reihe nach: S | N | N | U | N steht auf der Ergebnis- und Statistik-Plattform „fussball.de“ hinter den Brackelern, was so viel heißt: Die vergangenen vier Spiele gewannen sie nicht. S | N | U | S | U: Auch Kirchhörde-Coach Sascha Rammel hätte lieber ein paar „S“(Siege) mehr.

Und darüber gilt es zunächst, zu sprechen. Brackel-Trainer Giovanni Schiattarella erklärt, dass „mangelnde Erfahrung und Cleverness“ zu der zuletzt enttäuschenden Bilanz geführt hätten. „Wir kreieren Situation und treffen dann die falsche Entscheidung.“

Kirchhörde mit bescheidener Torquote

Sascha Rammel sieht in seiner Mannschaft eine ähnliche Situation. Was Schiattarella mit „falschen Entscheidungen“ umschreibt, erklärt der KSC-Coach so: „Wir müssen es hinbekommen, die Bälle sicherer nach vorne zu spielen.“ Das führt zu einer für den immer noch Tabellenzweiten bescheidenen Trefferquote von 13 Toren in sieben Spielen. Die sieben Treffer des Elften aus Brackel lesen sich zwar noch bescheidener. Für den SVB spricht aber die für ein Team aus dem unteren Bereich auffällig geringe Gegentorzahl von neun.

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Was beiden Teams offenbar fehlt, ist mehr Erfahrung. Nun zählen in Brackel Jonah Ernst und Levin Cakirlar, die wegen Bänderrissen pausieren, nicht zu den alten Eisen. Aber sie täten den Rot-Weißen im Derby bestimmt gut. Deren Ausfall wiegt offenbar aber nicht so schwer wie das Fehlen des Kapitäns auf der anderen, genauer der linken Seite, des Kirchhörder SC. „Ich hatte vor der Saison gesagt, jeder Ausfall tut weh. Wenn dann ein Spieler wie Mustafa Yüksel fehlt, können wir das kaum kompensieren“, sagt Rammel.

Die interessante Bilanz der vergangenen Jahre, die eindeutig ausfällt, ändert aber nichts am gegenseitigen Respekt. Am 4. März 2018 gewann Brackel zuletzt gegen Kirchhörde. Seitdem trafen beide Teams in Meisterschaft und auf Turnieren häufig aufeinander. Immer hieß der Sieger KSC. „Sehr knapp und umkämpft“, sagen beide Trainer.

KSC-Trainer Sascha Rammel

KSC-Trainer Sascha Rammel © Nils Foltynowicz

„Wir wollen das Derby annehmen“

„Das heißt nichts, selbst wenn Tabellenstand und diese Serie für uns sprechen“, stellt Rammel klar. Schiattarella findet: „Kirchhörde ist so stark, weil sie auf den Schlüsselpositionen große Qualität haben. Aber wir wollen das Derby annehmen und sehen unsere Chance.“

Beide Trainer schätzen Entwicklungen und Konstellationen häufiger ähnlich ein. Sie stehen für eine U40-Generation, die in nahezu allen oberhalb der Bezirksliga spielenden Dortmunder Vertretern ihren Fußball spielen lässt. Schiattarella und Rammel, deren Temperament sich zwar deutlich unterscheidet, sehen sich in vielen Aspekten verbunden.

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Schiattarella erklärt: „Wir Trainer von heute sind im Vergleich zu denen, die uns in unseren jungen Jahren trainierten, weicher und umgänglicher.“ Rammel ergänzt: „Ja, wir begegnen den Spielern eher auf Augenhöhe, sind ihnen näher.“

Noch einmal Schiattarella: „Auf richtig harte, kompromisslose Hunde würde sich die heutige Spielergeneration nicht mehr einlassen.“ Was Rammel wiederum bestätigt: „Es ist heutzutage wichtig, die Spieler bei Laune zu halten. Und das geht nicht mit der alten Schule.“

Giovanni Schiattarella, Trainer von Brackel 06

Giovanni Schiattarella, Trainer von Brackel 06 © Nils Foltynowicz

Beide Trainer stoßen immer wieder an Grenzen

Beide legen aber Wert darauf, dass trotz moderner Mitsprachekultur der Respekt vor ihnen vorhanden sein müsse und sie taktisch weiterentwickelten Fußball sehen möchten. In Brackel und Kirchhörde funktioniert es: Schiattarella und Rammel sind Typen, denen Spieler zuhören. Denn ihre Erfahrungen als den Fußball liebende aktive Spieler, ihr Fachwissen und die Fähigkeit, beides zu vermitteln, haben sie zu respektierten Persönlichkeiten gemacht.

Beide sind sich dann aber wieder darin einig, dass sie auch an Grenzen stoßen. Rammel beispielsweise sagt: „Ich bin ein Trainer, der flexiblen Fußball mag, wenn wir das Spiel lenken. Aber ich muss immer sehen, in welcher Liga wir spielen und welche Spielertypen ich habe.“

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Jungs, die in der Landesliga kicken würden, seien da, weil sie entweder nicht höher spielen wollten oder könnten. „Das ist okay so. Ich denke aber auch, in Kirchhörde entwickeln wir die Spieler weiter.“Schiattarella ergänzt: „Wenn du dich mit den Spielern auf eine Ebene stellst, erfährst du auch, was und wie sie spielen können. Wir müssen eher aufpassen, dass wir sie mit unseren taktischen Ansprüchen nicht überfrachten.“

Mit der Harmonie ist es am Sonntag kurz vorbei

An der Seitenlinie stehen zwei Männer, die gleichermaßen den Fußball, aber auch sich gegenseitig mögen. Rammel sagt: „Giova ist ein Fachmann. Ich wünsche ihm, dass er eine Mannschaft hat, der er viel vermitteln kann. Momentan steht Brackel nicht oben. Ich würde ihm gönnen, dort zu landen. Ich wünsche ihm ein sorgenfreies Trainerleben.“

Schiattarella wird dies gerne lesen. Vielleicht haben sich beide auch dahingehend schon öfter ausgetauscht. Denn der Brackeler sagt: „Wir sehen uns alle vier, fünf Wochen. Ich schätze Sascha ohnehin sehr, mag auch, dass er als Trainer immer einen Plan hat. So spielt Kirchhörder in der Regel auch.“

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Das klingt alles sehr harmonisch. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass gerade die Mannschaften in diesen Duellen aber sehr wohl Kontroversen suchen. Davon leben nun mal Derbys. Die beiden Trainer dürften sich also sicher sein, dass dieses Duell in vier, fünf Wochen, wenn sich beide privat treffen, wesentlich mehr Gesprächsstoff liefert als die zuletzt mäßigen Wochen.

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