Türkspor-Spieler trainiert die Kids von zwei bekannten Dortmunder Trainern

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Die Corona-Pandemie hat auch für den Amateurfußball viele negative Konsequenzen. In Dortmund hat die Zwangspause aber auch zu einer ungewöhnlichen Trainingsgruppe geführt.

Dortmund

, 18.11.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Kein Training. Keine Spiele. Kein Fußball. Die Coronavirus-Pandemie hat auch Dortmunds Kickern die schönste Nebensache der Welt genommen. Und in Anbetracht der immer noch hohen Infektionszahlen ist die Chance auf Fußball noch in diesem Jahr eher gering.

„Ganz ehrlich?“, sagt Serdar Bingöl über die aktuelle Zeit ohne Fußball und mit geschlossenen Fitnessstudios, „Mir geht es beschissen.“ Der Spieler von Landesligist Türkspor Dortmund, der in der Türkei schon Erstliga-Erfahrung gesammelt hat, kann aktuell außer Joggen nicht viel machen. Obwohl der 24-Jährige natürlich viel lieber auf dem Platz den Saison-Fehlstart von Türkspor wieder wett machen würde. „Aber leider“, so Bingöl, „kann man da nunmal nichts dran ändern.“

Aber für den Türkspor-Spieler gibt es während der Pandemie sportlich auch einen Lichtblick. Etwas, das ohne den ersten Lockdown Anfang des Jahres wahrscheinlich gar nicht zustande gekommen wäre - und auch damals, vor etwa fünf Monaten, nur ganz zufällig entstanden ist.

Bingöl trainierte den Nachwuchs zunächst im Hoeschpark

Bingöl telefonierte gerade mit Reza Hassani, der zu diesem Zeitpunkt noch Trainer bei Türkspor war, über die Daten seiner letzten Laufeinheit. Bingöl erkundigte sich nach Hassanis Sohn Youness, der gerade beim Kirchhörder SC das Fußballspielen lernt, und wie er mit der Sport-Zwangspause zurecht komme. „Trainier‘ du ihn doch“, sagte Hassani plötzlich - und schon war der Anfang für die ganz besondere Trainingsgruppe gemacht.

Nicht nur auf dem Feld stark: Serdar Bingöl (r.) beweist sich momentan auch als Trainer.

Nicht nur auf dem Feld stark: Serdar Bingöl (r.) beweist sich momentan auch als Trainer. © Folty

Es dauerte auch nicht lange, bis der beste Freund und Mannschaftskollege von Reza Hassanis Sohn mit dabei war: Da Hassani und Eichlinghofen-Trainer Marc Risse privat sehr gut befreundet sind und ihre Söhne ebenso, war es keine Frage, dass Bingöl auch Risses Sohn Jonah unter seine eine Fittiche nahm.

Zu Beginn habe Bingöl mit den beiden Nachwuchs-Kickern im Hoeschpark trainiert, als die Coronaschutzverordnung es wieder zugelassen habe, sei der Türkspor-Spieler mit Junior-Hassani und Junior-Risse dann ins Goystadion in Hörde ausgewichen. Aber was trainiert man mit zwei Siebenjährigen überhaupt?

Marc Risse: „Das macht er überragend“

„Taktisch kann man da nicht nicht so viel machen“, erklärt Bingöl, der von Hassani und Risse genügend Equipment wie Bälle, Leitern und Hütchen bekommt, „in dem Alter müssen Kinder das Passspiel, erste Kontakte mit dem Gegner und auch die Koordination trainieren.“ Der 24-Jährige versuche seinen beiden Schülern das beizubringen, was er selbst in seiner Karriere gelernt hat. Und das macht Bingöl laut Marc Risse offensichtlich mehr als gut.

Marc Risses Sohn Jonah (l.) und Reza Hassanis Sohn Youness werden von Serdar Bingöl trainiert.

Marc Risses Sohn Jonah (l.) und Reza Hassanis Sohn Youness werden von Serdar Bingöl trainiert.

„Das macht er überragend“, freut sich der Eichlinghofen-Trainer, „ich habe selten jemanden erlebt, der so freundlich, so nett, so höflich und so sympathisch ist wie Serdar. Und unsere Kinder entwickeln sich wirklich super.“ Auch fußballerisch hält Risse viel vom Türkspor-Kicker, wie er im RN-Format „Meine Dortmunder Traum-11“ verriet. „Er ist unbestritten ein überragender Fußballer, der eigentlich in der Landesliga nichts verloren hat“, schwärmt Risse. „Selbst wenn er nicht so gut kicken könnte, wie er es kann, würde ich ihn gerne in meiner Mannschaft haben. Fußballerisch und menschlich ist er einfach ein guter Typ.“

Zu guten Typen scheinen auch Hassanis und Risses Söhne heranzuwachsen, das beobachtet Bingöl bei jeder Trainingseinheit. Risses Sohn Jonah sei eher „der klassische Achter, der die Bälle gut verteilt“, so Bingöl. Youness Hassani dagegen „ist ein kleiner, flinker, dreckiger Spieler. Er spielt provozierend und macht immer ein paar Tricks“, erklärt der 24-Jährige, dessen Händchen für Kinder kein Zufall ist.

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„Wir sind zuhause sieben Kinder“, erzählt Bingöl, der auch schon ein einjähriges Praktikum im Kindergarten absolviert hat, „ich habe alleine vier kleine Schwestern.“ Aktuell trifft sich die Trainingsgruppe Bingöl aber nicht so regelmäßig wie noch während des ersten Lockdowns, da der Schulbetrieb gerade läuft. Aber egal wie häufig sich der Türkspor-Spieler mit seinen zwei Schülern trifft, die Trainings sind auf jeden Fall einer seiner Lichtblicke in der Fußball-freien Zeit. Und auch wenn Bingöl gerade selbst nicht auf dem Platz angreifen kann, er baut dafür schonmal die nächste Dortmunder Amateurfußballer-Generation auf.

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