Tullberg lobt und triezt: BVB-U23 siegt 2:1 gegen Meinerzhagen

Fußball-Regionalliga

Die erste Mannschaft überzeugte weitgehend, die zweite nicht. Trainer Tullberg sammelte einige Erkenntnisse in der Generalprobe vor dem Regionalliga-Wiederauftakt. Nicht alle waren positiv.

von Leon Elspaß

Dortmund

, 20.01.2020, 22:26 Uhr / Lesedauer: 3 min
Tullberg lobt und triezt: BVB-U23 siegt 2:1 gegen Meinerzhagen

BVB-U23-Trainer Mike Tullberg formulierte ein gemischtes Resümee. © Schulze

Gianluca Rizzos Laune war im Keller. „Wir wollen alle in der ersten Elf spielen“, raunte er gut hörbar, „und dann spielen wir so.“ Was der Angreifer meinte: Die zweite Garde, die Trainer Mike Tullberg in der Generalprobe vor dem samstäglichen Regionalliga-Wiederauftakt ab Minute 60 aufs Feld geschickt hatte, sie überzeugte nicht.

Fast alle hingen durch, auch Rizzo. „Hier laufen viele Spieler rum, die höhere Ansprüche haben“, sagte Tullberg wenige Minuten nach dem 2:1 (2:0)-Erfolg gegen RSV Meinerzhagen, „dafür war mir das zu wenig.“

Dieses Resümee des Dänen bezog sich freilich nur auf die letzten 30 Minuten des Testkicks gegen den Zweiten der Oberliga Westfalen, der unter anderem von Ex-BVB-Profi Nuri Sahin gecoacht wird. Davor hatte es ihm durchaus gut gefallen, was seine Belegschaft auf dem Kunstrasen in Dortmund-Brackel geboten hatte.

Gute Performance im 3-5-2-System

„Das war eine gute Generalprobe“, meinte der 34-Jährige, lobte die Überlegenheit seiner Mannschaft in der ersten Hälfte und die schon recht stimmige Performance im 3-5-2-System, das Dortmunds U23 in den vergangene zweieinhalb Wochen im Intensivkurs erlernen sollte.

„Im Ballbesitz waren wir gut. Und auch das Spiel gegen Ball hat gut ausgesehen“, analysierte Tullberg, „der Gegner hatte nur eine Chance in der ersten Hälfte.“ Und die resultierte aus keiner Schieflage im System, sondern einem individuellen Fehler von Marco Rente.

Zentral in letzter Reihe wurden er diesmal neben Julian Schwermann und Lars Bünning aufgeboten; mit Maximilian Hippe blieb ein weiterer Kandidat zunächst auf der Bank. Dominik Wanner durfte den rechten Flügel bespielen, Kolbeinn Finnsson kam links zum Zuge. Davor brachte sich Steve Tunga als zweikampfstarker Sechser und Marco Hober als umsichtiger Achter ein. Im Angriff agierten Tigges, Kapitän Joseph Boyamba und Chris Führich.

Viel Intensität, zwei frühe Tore

Eine personelle Anordnung, die am Samstag gegen den Wuppertaler SV (14 Uhr, Stadion Rote Erde) gute Chancen hat, so oder so ähnlich auflaufen zu dürfen. Weil sich ihre Ersatzleute gegen Meinerzhagen nicht aufdrängten. Und weil die eigene Leistung den Anforderungen entsprach.

Mit viel Intensität agierte der BVB zuvorderst in Halbzeit eins, kam in Minute 11 und 13 gleich zu den beiden erfolgreichen Torabschlüssen. Nach Ballgewinnen, die in Folge guter Pressingangriffe gelungen waren, spielte Dortmunds U23 da im Vollsprint und erfolgreich nach vorne.

Erst traf der nach innen ziehende Wanner per Linksschuss, dann Stürmer Tigges. Steve Tunga, hatte zuvor den Ball geklaut, ihn an Kapitän Joseph Boyamba weitergegeben – finaler Abnehmer war der letztlich erfolgreich abschließende Stürmer, der mit dem schwächeren rechten Fuß verwandelte.

Aggressives Balljagen

Erst danach, im Anschluss an eine halbe Stunde hoher Geschwindigkeit in Phasen mit und ohne Ball, genehmigten sich die Schwarzgelben ein paar Phasen der etwas ruhigeren Ballzirkulation. Was nicht heißen soll, dass sie ihre Bemühungen kollektiv minimierten, es wurde nur etwas gemächlicher, wenn der Ball in den BVB-Reihen war.

Bei Ballverlust indessen schaltete Tullbergs Mannschaft sofort um, attackierte aggressiv. Hielt der Gegner den Ball in letzter Verteidigungsreihe, wurde er spätestens im Mittelkreis empfangen und belagert. „Das hat Bock gemacht und klappt schon ganz gut“, rekapitulierte Tunga nachher.

Wenngleich freilich nicht alles passte. Tullberg betonte: „Wenn wir etwas einstudieren, dann wird das nicht innerhalb weniger Wochen perfekt funktionieren.“ Zumal sein Kollegium im ersten Halbjahr „immer wieder Probleme in der Abwehr hatte“. Die ließen sich jetzt nicht so schnell abstellen.

Zu passiv beim Gegentor

Beim Gegentor rückte niemand der eigentlich gut sortierten Fünferreihe auf den Torschützen, kein zentraler Mittelfeldspieler störte ihn. Also schoss Pascal Beilfuss in der 55. Minute von außerhalb des Strafraums aufs Tor – Luca Unbehaun, der später noch zwei, drei Mal reaktionsschnell eingriff und den Sieg rettete, hatte da keine Abwehrchance. Und Tullberg ärgerte sich über einen erneut relativ simpel verschenkten Gegentreffer.

Es blieben einige Erkenntnisse: Das 3-5-2-System wird in Gänze bereits gut beherrscht. Sicherlich bedarf es immer wieder Anpassungen, im Pressing- und Anlaufverhalten oder dem Besetzen von wichtigen Halbräumen. In Gänze aber scheinen Tullberg und sein Trainerteam die wichtigsten Grundsätze effektiv vermittelt zu haben. Dass die neu erlernte Formation schon gegen Wuppertal Anwendung findet, ist gut möglich.

Wer sie ausfüllen kann, war gegen Meinerzhagen zu sehen. Während die erste Elf weitgehend überzeugte, strauchelte die zweite. Allein U19-Mann Alaa Bakir und mit Abstrichen Jose Relucio taten sich etwas hervor. Innenverteidiger Hippe hat sich schon im Jahr 2019 als höchst verlässliche Alternative erwiesen, er konkurriert wohl mit Schwermann.

Ob Chris Führich einsatzbereit ist, werden die nächsten Tage zeigen. Denn der Ex-Kölner – das war wohl der schwerwiegendste Negativ-Eindruck, den Tullberg mit nach Hause nahm – musste bereits nach 25 Minuten ausgewechselt werden. Er lief unrund, signalisierte schon ein paar Minuten zuvor, nicht mehr richtig mitwirken zu können. Was den Flügelspieler plagt, war am Abend noch unklar.

BVB II: Unbehaun – Schwermann (60. Ferjani), Rente (60. Ruprecht), Bünning (60. Hippe) – Wanner (60. Schell), Tunga (60. Relucio), Hober (60. Bakir), Führich (25. Duman, 60. Baxmann), Finnsson (60. Kaastrup) – Tigges (60. Et), Boyamba (60. Rizzo) – Trainer: Tullberg.

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