Es wird immer kurioser: TuS Bövinghausen verpflichtet sogar vier Schiedsrichter

mlzFußball

Regelmäßig macht Bövinghausen mit spektakulären Spielertransfers auf sich aufmerksam. Nun kommt ein ungewöhnliches Neuzugänge-Paket dazu. Der TuS verpflichtet jetzt auch noch Schiedsrichter.

Dortmund

, 22.06.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wenige Stunden, nachdem der überraschende Aufstieg des TuS Bövinghausen vom FLVW bekanntgegeben wurde, machte Ajan Dzaferoski, Vorsitzender des zukünftigen Westfalenligisten, eine erste Kampfansage. Der ohnehin schon starke Kader werde noch weiter verstärkt. Nach der Ankündigung wurde mit Andreas Ogrzall schon wieder ein Oberliga-Spieler geholt. Nun gibt es gleich vier Neuverpflichtungen auf einen Schlag. Die Neuen sollen aber keine Partien für Bövinghausen entscheiden - sie werden Spiele anderer Teams leiten.

Mit Amir Aletic (FC Brünninghausen), Marius Feldmeier (Dortmunder Löwen - Brackel 61), Andreas Braun und Dennis Joseph (beide ETuS/DJK Schwerte) holt der TuS Bövinghausen vier Schiedsrichter. „Wir hatten ja nur einen“, erklärt Dzaferoski die ungewöhnlich anmutenden Transfers. Je höher ein Verein spielt, desto mehr Schiedsrichter muss er aber im Verein haben. Sonst drohen Geldstrafen, die der Landesliga-Zweite so nun vermeidet. „Fünf Schiedsrichter müssten reichen“, sagt der TuS-Vorsitzende. Die Initiative für die Zusammenarbeit sei von beiden Seiten ausgegangen. „Die wollten sowieso wechseln“, sagt er. Und Bövinghausen brauchte weitere Unparteiische.

Mit der Verpflichtung von Amir Aletic (l.), Marius Feldmeier (2.vl.), Andreas Braun (M.) und Dennis Joseph (r.) haben Ajan Dzaferoski (2.v.r.) und der TuS Bövinghausen ein ungewöhnliches Neuzugänge-Paket geschnürt.

Mit der Verpflichtung von Amir Aletic (l.), Marius Feldmeier (2.vl.), Andreas Braun (M.) und Dennis Joseph (r.) haben Ajan Dzaferoski (2.v.r.) und der TuS Bövinghausen ein ungewöhnliches Neuzugänge-Paket geschnürt. © TuS Bövinghausen

Während Amir Aletic und Marius Feldmeier in der Bezirksliga pfeifen und als Assistenten sogar in der Westfalenliga eingesetzt werden können, gehören Andreas Braun und Dennis Joseph zu den am höchsten pfeifenden Schiedsrichtern im ganzen Dortmunder Raum. Die beiden Unparteiischen sind zwei der sechs Schiedsrichter, die in der Westfalenliga pfeifen. Mit Sina Diekmann (Frauen-Bundesliga), Timo Gansloweit (Regionalliga West) und Yannick Rupert (Oberliga Westfalen) gibt es nur drei Schiedsrichter im Fußballkreis Dortmund, die noch höher pfeifen. Zudem können Braun und Joseph auch noch in der Oberliga als Assistenten zum Einsatz kommen.

Bei vielen Vereinen „sind Schiedsrichter nur eine Nummer“

„Wir waren mit unseren Vereinen unzufrieden“, sagt Amir Aletic. Teilweise seien Absprachen nicht eingehalten worden. Zudem fehlte ihnen die Wertschätzung im Verein. Die sei der Hauptgrund für ihren Wechsel. Mit viel Geld habe er die vier Männer nicht locken müssen, sagt Dzaferoski. „Hier geht es nicht ums Geld“, stellt auch Aletic klar. Die Wertschätzung, die sich die vier befreundeten Schiedsrichter vom TuS Bövinghausen erhoffen, sei der Hauptgrund für ihren Wechsel.

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„Die meisten Schiedsrichter pfeifen für irgendeinen Verein, haben aber keine wirkliche Verbindung zu ihm“, erklärt Dzaferoski. Das soll bei Bövinghausen anders werden. Die Vorstellungen beider Parteien hätten sofort zueinander gepasst, erzählt Amir Aletic. Er und seine drei Kollegen wollen sich dafür einsetzen, dass Schiedsrichter mehr in ihren Vereinen eingebunden werden.

„Bislang gibt es kaum Kontakt mit dem Verein“, sagt er über die Arbeit der meisten Schiedsrichter. Immer wieder höre er auch von Kollegen, die beispielsweise monatelang auf ihre Ausrüstung warten müssten, weil ihr jeweiliger Verein sich nicht wirklich darum kümmere. Auch Absprachen würden immer wieder nicht eingehalten werden. Bei vielen Vereinen „sind Schiedsrichter nur eine Nummer“, so Aletic. Genau das wollen er, Feldmeier, Braun und Joseph nun aber ändern.

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„Wir wollen mehr Wertschätzung für die Schiedsrichter. Alleine kriegen wir das aber nicht hin“, sagt Aletic, der mit 42 Jahren der älteste der vier Neuen ist. Bei Dzaferoski seien sie mit ihrem Konzept auf offene Ohren gestoßen. „Er möchte uns dabei unterstützen.“ Ein erster Aspekt wird eine engere Verbindung zwischen Spielern und Unparteiischen sein. Andreas Braun und Dennis Joseph sollen beim TuS Bövinghausen Schulungen mit den einzelnen Mannschaften durchführen. Eine Aktion, die zumindest Aletic noch nicht bekannt ist. „Welcher Verein schult schon seine Mannschaften?“

Schiedsrichter wollen mehr Wertschätzung und Respekt

Bei den Schulungen soll es zum einen darum gehen, Spielern Regeländerungen näher zu bringen und verständlich zu machen. Zudem soll allen erklärt werden, wie Spieler sich am besten gegenüber Schiedsrichtern verhalten. „Wir wollen einfach mehr Kommunikation zwischen Schiedsrichtern, Spielern und Verein“, erklärt Amir Aletic einen der wichtigsten Aspekte ihres Konzeptes. Von dem Kennenlernen zwischen Spielern und Schiedsrichtern erhofft er sich das Wegfallen von Vorurteilen sowie auf Dauer auch mehr Verständnis füreinander. „Wir machen das alle ehrenamtlich. Es sollte mehr Respekt gegenüber den Schiedsrichtern geben.“

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Die Neuzugänge sollen beim TuS Bövinghausen gut integriert werden und zudem mithelfen, die Schiedsrichter-Strukturen des Vereins von Grund auf neu aufzubauen. In Zukunft gehe es dann beispielsweise auch darum, weitere Schiedsrichter zu holen. Denn die Westfalenliga soll für Bövinghausen nicht das Ende sein, bisher galt die Oberliga immer als auserkorenes Ziel.

Bei einem weiteren Aufstieg bräuchte der Verein aber auch dementsprechend wieder mehr Schiedsrichter, um keine Strafen zahlen zu müssen. Die vier Neuzugänge „sollen sich um die Schiedsrichter-Strukturen im Verein kümmern“, sagt Ajan Dzaferoski. Er hofft, dass die Neuen erste Kontakte zu möglichen weiteren Schiedsrichtern herstellen können, sollte der Verein in Zukunft weitere benötigen. „Das ist ja wie mit Spielern“, erklärt er. Auch dort gehe oft der erste Kontakt zu einer möglichen Neuverpflichtung von einem befreunden Spieler im eigenen Team aus.

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In Pflichtspielen von Bövinghausen können die Schiedsrichter des TuS logischerweise nicht pfeifen. Aber wird man sie in Zukunft öfter mal abends auf dem Platz beim Abschlussspiel im Training sehen? „Das wäre natürlich am besten“, sagt Dzaferoski und lacht. Zumindest bei Freundschaftsspielen sei der Einsatz von ihnen aber auch möglich. Und dafür hätten sie sich auch bereits angeboten, erzählt er.

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