Urlaub in der Vorbereitung oder während der Saison? „Wäre früher nie in Frage gekommen“

mlzFußball in Dortmund

Die Saison beginnt - und einige Teams haben trotzdem personelle Probleme. Der Grund: Urlaub. Nicht bei allen Klubs stößt das auf Verständnis. Einer holte seinen Stürmer sogar früher zurück.

Dortmund

, 23.08.2019, 17:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ahmed Ersoy bekam es mit der Langeweile zu tun. Der Kemminghauser Angreifer befand sich im dreiwöchigen Familienurlaub in der Türkei und nach einer Woche Istanbul juckte es in den Füßen. Ein paar Tage später war er schon wieder in Deutschland, pünktlich zur Endphase der Vorbereitung.

„Zwei Wochen müssen reichen“

„Als er zu mir kam, um mir den dreiwöchigen Urlaub anzukündigen, da haben wir ihm schon gesagt, dass das eigentlich nicht geht“, sagt Trainer Reza Hassani hinterher. „Sie haben mich in den Tagen danach immer damit aufgezogen, dass zwei Wochen reichen müssten“, bestätigt Ersoy.

Nägel mit Köpfen machte dann schließlich Hassani-Trainerkollege Kevin Großkreutz: „Sie haben Lattenschießen gemacht. Ahmed hat gewonnen und Kevin hat zugesagt, ihm das Ticket zu bezahlen, wenn er früher nach Hause kommt.“ Als das Finanzielle geklärt war, gab es für Ersoy keinen Grund mehr, in der türkischen Heimat zu bleiben: „Meine Familie war erst dagegen, weil sie nicht wollten, dass ich alleine fliege“, sagt Ersoy. „Ich hab ihnen dann aber gesagt, dass ich da meinen Fußball habe und mich noch ein bisschen auf meine Arbeit vorbereiten kann.“

„Ich wäre zu Hause geblieben“

Also flog Ersoy zurück, hatte in der Türkei auch ein individuelles Trainingsprogramm absolviert und war deshalb ohne Fitness-Verlust zurück beim Bezirksligisten. „Ich bin ja ehrlich“, sagt Hassani, „für mich wäre es früher überhaupt nicht in Frage gekommen, mit der Familie während der Fußball-Zeit in den Urlaub zu fahren. Und wenn sie sechs Wochen gefahren wären - ich wäre zu Hause geblieben“, sagt Hassani.

Auch Maik Kortzak, Trainer beim A-Ligisten SF Sölderholz sieht das so: „Ich habe früher auch immer so geplant, dass der Urlaub nicht mit dem Fußball kollidiert ist. Aber es sind jetzt natürlich andere Zeiten.“ Fünf Spieler fehlten ihm teilweise gleichzeitig in der entscheidenden Phase der Vorbereitung, am vergangenen Wochenende beim 3:3 gegen den TuS Holzen-Sommerberg waren es immer noch drei, hinzu kamen zahlreiche verletzte und einer, der lieber auf ein Konzert gegangen ist: „Deshalb musste ich selbst spielen“, sagt Kortzak.

Familie und Kinder sind ein Faktor

„Es ist natürlich ein Faktor, wenn man Familie und Kinder hat“ sagt Kortzak, und da die Saison ja meist vor Ferienende beginne, sei es für die entsprechenden Spieler schwierig. So sieht es auch Hassani: „Wenn es nicht anders planbar ist, weil man Kinder hat, dann nervt es zwar, aber dafür ist es halt immer noch Amateurfußball“, sagt der Coach, der selbst mit der Familie in der Vorbereitung im Urlaub war. Drei seiner Spieler hätten fünf Wochen Vorbereitung in den Knochen gehabt - und sich dann in den Urlaub verabschiedet.

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Dass das nicht auf die unteren Ligen beschränkt ist, zeigt auch ein aktuelles Beispiel aus Brünninghausen. Der ohnehin nicht besonders große Kader des Westfalenligisten muss nun die urlaubsbedingten Abstinenzen der Stamm-Außenverteidiger Sebastian Schröder und Onur Tekin verkraften: „Das ist natürlich nicht optimal“, sagt Trainer Sebastian Borchmann, „normalerweise würde man sich wünschen, dass so ein Urlaub in eine spielfreie Woche gelegt wird.“

„Man muss es akzeptieren“

Die hat der FC Brünninghausen am Wochenende des 15. September. „Aber wenn es nicht anders möglich ist, wie bei den beiden, dann muss man es akzeptieren“, sagt Borchmann, der von Verboten nichts hält. Ähnlich hatte sich auch Schüren-Torhüter Sascha Samulewicz im Interview mit dieser Redaktion geäußert: „Ich persönlich bin kein Freund davon, meinen Urlaub in die Vorbereitung zu legen. Aber wenn die Jungs an die Sommerferien gebunden sind, müssen wir das akzeptieren.“

Kortzak kann aufatmen

Immerhin: Sölderholz-Coach Mike Kortzak kann die Schuhe in der kommenden Woche wieder an den Nagel hängen: „Nächste Woche sind alle wieder zurück.“

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