Verpflichtet! Rote Karte! Karriereende? Die turbulenten Tage des Pascal Königs in Bövinghausen

mlzAmateurfußball in Dortmund

Erst vor drei Wochen fanden Pascal Königs und der TuS Bövinghausen zusammen. Doch nur eine Rote Karte später ist die Liaison bereits wieder beendet. Der Torhüter denkt nun sogar ans Karriereende.

Dortmund

, 06.08.2019, 07:05 Uhr / Lesedauer: 4 min

Es ist nicht mehr als ein Satz, doch er zeigt recht deutlich, wie es um das Befinden von Pascal Königs derzeit so bestellt ist. „Ich habe einfach keine Lust mehr, mich immer wieder mit solchen Schiedsrichtern wie in der vergangenen Woche auseinandersetzen zu müssen“, sagt der 33 Jahre alte Torwart und meint in erster Linie wohl die Rote Karte, die er beim Hecker Cup, auf der Bank sitzend wohlgemerkt, gegen den FC Brünninghausen (1:1) gesehen hat.

Dass Königs nicht auf dem Platz stand und auch nicht das Tor des TuS Bövinghausen hütete, hatte übrigens einen einfachen Grund: Dem Keeper fehlt die Spielberechtigung. Mit dem Fußball-Landesligisten, zu dem er erst in diesem Sommer gestoßen ist, bestand noch kein Vertragsverhältnis als Spieler.

Dass der Unparteiische ihm dennoch Rot zeigen durfte, lag an dem Umstand, dass der 33-Jährige als Torwarttrainer auf dem Spielberichtsbogen eingetragen gewesen sein soll und damit als Offizieller des Klubs galt. Der TuS Bövinghausen bestreitet einen solchen Eintrag. Bövinghausens Vorsitzender Ajan Dzaferoski, der den Spielbericht selbst ausgefüllt haben will, sagt: „Wir haben ihn aber nicht als Torwarttrainer eingetragen.“

Königs bestreitet Vergehen gegen Schiedsrichter-Assistenten

Königs selbst besteht zudem weiterhin darauf, dass er in besagtem Spiel gegen Brünninghausen niemanden beleidigt und auch nicht den Mittelfinger in Richtung des Schiedsrichter-Assistenten gezeigt hätte. „Ich habe lediglich abgewunken“, sagt Königs. „Natürlich habe ich nicht den besten Ruf und ich ecke mit meiner Spielweise an. Es gibt auch mal verbale Scharmützel, aber das geht nie unter die Gürtellinie.“

Nur: Die Rote Karte, sie steht eben trotzdem da. Und hat nun Konsequenzen mit sich gebracht, die in dieser Form wohl so nicht zu erwarten waren. Königs und der TuS Bövinghausen gehen ab sofort getrennte Wege, wie sowohl Spieler als auch Verein am Montag gegenüber dieser Redaktion bestätigt haben. „Wir haben es nicht geschafft, ein Vertragsverhältnis zu realisieren“, sagt Königs über die plötzlich und ziemlich überraschend gescheiterten Gespräche mit dem Fußball-Landesligisten.

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Weil sich der 33-Jährige in diesem Sommer bereits beim FSV Duisburg angemeldet hatte – Königs verließ den Verein allerdings nach nur zwei Trainingseinheiten wieder –, bedurfte es jetzt eines Amateurvertrags. „Es war kompliziert, und am Ende hat es leider nicht gepasst“, sagt Königs. „Man hat mir vonseiten des Vereins frühzeitig mitgeteilt, dass es nicht klappt, damit ich zumindest noch die Möglichkeit habe, vielleicht etwas anderes zu finden.“

TuS Bövinghausen will Klarheit haben

Wer Ajan Dzaferoski zu dem geplatzten Deal befragt, landet dagegen schnell wieder bei der Roten Karte vom Hecker Cup. „Pascal darf solange nicht spielen, bis die Kreisspruchkammer den Platzverweis verhandelt hat“, sagt der TuS-Vorsitzende. Die Ungewissheit darüber, wie lange der Torhüter tatsächlich fehlen würde, soll demnach auch der wesentliche Grund für die Trennung gewesen sein.

„Wir wollten jetzt Klarheit haben“, betont Dzaferoski. „Mit der Suche nach einem Verhandlungstermin plus eine mögliche längere Sperre hätte er wahrscheinlich in den kommenden zwei, drei Monaten gar keine Spielberechtigung erhalten.“ Einen weiteren Torhüter will der Verein trotz des Abgangs aber nicht verpflichten. „Wir haben zwei Keeper, damit müssen wir jetzt durch die Saison“, sagt Dzaferoski.

Der Fall Königs, er spiegelt in gewisser Weise auch ein bisschen die Richtung wider, die der Landesligist zuletzt eingeschlagen hat: Große Undiszipliniertheiten sollen nicht toleriert werden. Der Verein will Werte wie Familie, Zusammenhalt und eben Disziplin vorleben. Darauf haben auch Dzaferoski & Co. zuletzt immer wieder hingewiesen.

Legat: Am Ende muss man mit den Konsequenzen leben

„Ich habe Pascal, zu dem ich wirklich ein inniges Verhältnis habe, gesagt, dass er seine Emotionen in den Griff bekommen muss“, sagt Trainer Thorsten Legat, der mit Königs bereits in Remscheid zusammengearbeitet hat und dessen Abschied durchaus bedauert. „Aber auch ich habe mich im Laufe meiner Karriere anpassen müssen und werde das auch hier tun“, sagt der 50 Jahre alte, ehemalige Bundesliga-Profi und schiebt noch einen eindeutigen Satz hinterher: „Wer das nicht macht, muss am Ende eben mit den Konsequenzen leben.“

Verpflichtet! Rote Karte! Karriereende? Die turbulenten Tage des Pascal Königs in Bövinghausen

Thorsten Legat pflegt ein gutes Verhältnis zu Pascal Königs. © Stephan Schuetze

Die sehen nun so aus, dass Pascal Königs vorerst keinen Verein mehr hat. Er selbst habe „richtig Bock auf Bövinghausen und das Projekt“ gehabt, sagt der 33-Jährige. „Ich wollte meinen Teil dazu beitragen, dass wir vielleicht sogar den Aufstieg schaffen.“ In der Vorbereitung unter Legat habe er „einige Kilo abgenommen“. Bei einer Größe von 1,96 Meter wiege er noch etwas unter 100 Kilogramm. „Ich spiele seit fast 30 Jahren Fußball, ich bin so fit wie noch nie“, meint Königs.

Doch ob es für ihn eine Zukunft im Fußball geben wird, lässt der Torhüter derzeit überraschend offen. Was wohl vor allem mit der Roten Karte und dem Schiedsrichterverhalten ihm gegenüber zu tun habe. „Es kann doch nicht sein, dass Schiedsrichter mir vor der Partie schon entsprechende Ansagen mit auf den Weg geben“, sagte Königs, dem man den Frust und die Enttäuschung deutlich anmerkt.

Auch Karriereende ist für Königs eine Option

Was also tun? „Vielleicht hänge ich meine Fußballschuhe jetzt ganz an den Nagel“, sagt er. Dabei kann man sich einen wie ihn kaum vorstellen ohne Fußball. Bei 18 Vereinen (Bövinghausen nicht mit eingerechnet) stand der 33-Jährige, der sein Herz gerne auf der Zunge trägt, in den vergangenen neun Jahren im Tor, darunter Westfalia Herne und der FC Remscheid. Und das soll es jetzt gewesen sein?

Mal sehen. In den kommenden Wochen will sich Königs, der in Duisburg zu Hause ist und dort auch arbeitet, bei der U23 von Fortuna Düsseldorf fithalten. Am liebsten vier Mal die Woche. Er kenne den Torwarttrainer dort noch aus seiner Zeit in Herne. So ist der Kontakt zur Fortuna und die Chance auf regelmäßiges Training kurzfristig entstanden.

Bis zum 31. August hat Königs noch die Möglichkeit, bei einem anderen Verein als Vertragsamateur unterzukommen. Drei lose Anfragen habe er bereits erhalten, so Königs. „Mal schauen, was sich noch ergibt.“ Alleine entscheiden wird er seine Zukunft allerdings nicht. „Wichtig dabei ist die Meinung meiner Verlobten“, sagt er. „Sie hat ein großes Mitspracherecht.“ Und so wird am Ende wohl seine Lebensgefährtin mit darüber entscheiden, ob Pascal Königs auch in Zukunft zwischen den Pfosten steht, und kein Schiedsrichter.

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