„Wären wir alle bei 100 Prozent, wäre kein Team in dieser Liga besser als wir“

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Savas Turhal ist der neue Trainer des VfL Kemminghausen. Im Interview spricht er er über die Qualität seiner Mannschaft und erzählt, was sein Auftreten auf dem Platz mit Brettspielen zu tun hat.

Dortmund

, 18.10.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Ende des Engagements von Mirsad Gutic beim VfL Kemminghausen, der erst in diesem Sommer als Coach zum Fußball-Bezirksligisten stieß, legte sein Amt vor etwa zwei Wochen nieder. Als Grund nannte er unter anderem Unzufriedenheit mit seiner Arbeit bei den Spielern, die ihm „niemand ins Gesicht gesagt“ habe.

Der neue VfL-Coach Savas Turhal (39) hat bei Kemminghausen unter Gutic gespielt. Im Interview spricht er über die Vereinsmentalität, die Qualität der Mannschaft und erzählt, wie sein Auftreten auf dem Platz auch mit Brettspielen zusammenhängt.

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Savas Turhal, vor fast zwei Wochen lösten Sie Mirsad Gutic als Trainer des VfL Kemminghausen ab. Sie führen mit Ihrem Sportlichen Leiter Tuna Kayabasi die Mannschaft. Haben Sie lange überlegen müssen, denn Sie waren ja als Spieler gekommen?

Nein, natürlich war es mein Plan, hier zu spielen. Aber wenn die Frage kommt, sage ich nicht nein. Ich bin ein Typ, der gerne etwas zurückgeben möchte.


Was haben Sie denn schon erhalten?

Viel ehrenamtliches Engagement! In der kurzen Zeit seit dem Sommer habe ich den VfL schon ein wenig in mein Herz geschlossen. Denn die Leute, die sich hier einsetzen, tragen ihren Verein im Herzen. Das scheint mir in Kemminghausen besonders ausgeprägt zu sein. Hier besteht eine besondere Bindung zum Klub. Die Leute geben sich viel Mühe, den Verein liebenswert zu machen. Das gelingt ihnen.


Sie erhalten etwas, Sie geben etwas zurück. Haben Sie auch etwas mitgebracht?

Ja, ich bin mit 39 Jahren natürlich sehr erfahren. Ich war nie der Spieler oder später Spielertrainer, der sich ins gemachte Nest setzt. Ich wollte immer etwas entwickeln. Daher sehe ich den VfL auch nicht als Zwischenstation.

Mit YEG Hassel sind wir von der Landesliga in die Westfalenliga aufgestiegen. Dann haben wir sogar ans Tor zur Oberliga geklopft. Ich war acht Jahre da.

Ich erinnere mich auch noch an ein Spiel in einem anderen Verein, das wir zu acht beginnen mussten. Ich habe die Partie nicht abgesagt. Wenn ich in der Verantwortung bin, habe ich immer einen Matchplan.

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Schon das 2:4 gegen den FC Castrop-Rauxel erlebte Mirsad Gutic nicht mehr als Trainer. Er führte als Grund für seinen Rückzug „Kritik hinter vorgehaltener Hand“ an. Wie haben Sie das erlebt?

Ich sage gerne zu fast jedem Thema etwas, aber da halte ich mich zurück. Ich war da ja noch Spieler. Und als solcher steht es mir nach meinem Verständnis nicht zu, Vereinspolitik zu kommentieren. Das sind erwachsene Menschen, die klären das.

Aber wenn sie mich fragen, ob ich übernehme, bin ich jemand, der die Verantwortung auch gerne trägt. Das war kein Problem. Ich war ja auch schon Spielertrainer. Wie lange das geht, entscheiden wir dann gemeinsam.

Als Trainer werden Sie aber dann doch auch mal deutlich.

Das muss ich ja. Jedem versichere ich immer, dass Kritik oder Einschätzungen rein sportlich sind. Das Menschliche steht auf einem anderen Blatt.

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Menschlich stimmt es auch mit Tuna Kayabasi, mit dem Sie ein Gespann bilden, oder?

Aber natürlich. Ich kenne Tuna schon sehr lange. Der Kontakt riss nie ab. Als er mich fragte, ob ich kommen möchte, sah ich die Chance, endlich mit ihm etwas zusammenzumachen. Und da mir der Verein aus genannten Gründen gefiel, bin ich jetzt hier.
Ich weiß, dass Tuna viel auf seinen Schultern trägt. Tuna macht enorm viel für die Mannschaft. Er unterstützt mich auch im Training und während der Spiele. Es ist gut, ihn an meiner Seite zu haben.

Das erste richtige Spiel, auf das sie das Team vorbereitet haben, war das 1:1 bei BW Huckarde. Wie hat es Ihnen gefallen?

Ein frühes Tor in der vierten Minute für Huckarde hätte den Matchplan gefährden können. Wie so oft war es dann später so, dass wir als die Mannschaft in Unterzahl plötzlich aufdrehen und Huckarde mehr Probleme mit unserer neuen Ordnung bekommen hat.
Klar, Huckarde hatte auch gute Chancen. Nachdem Kemal Özdemir runter musste, lief es aber besser für uns. Natürlich lief nicht alles rund. Wir haben einige Baustellen, aber ich freue mich immer auf Baustellen.

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Jetzt wartet der Tabellenzweite FC Roj auf Ihren VfL. Ihr Team hatte im Sommer einen großen Umbruch, Roj macht aus seinen Ambitionen keinen Hehl. Geht da trotzdem was für Kemminghausen?


Ja, obwohl ich gerne Fußball spielen lasse, müssen wir jetzt erst einmal ein Kampfspiel abliefern. Ja, wir haben Respekt, aber wir haben auch große Qualität im Kader.

Die für welche Tabellenregion reicht?

Da sage ich konkret nichts zu. Denn ich kenne die Liga noch nicht so gut. Ich bin mir aber sicher: Wären wir alle bei 100 Prozent, wäre kein Team in dieser Liga besser als wir. Ich nenne zum Beispiel Burhan Akgül, der früher in höheren Ligen am Ball war. Mit Seyit Ersoy habe ich viele Jahre für YEG Hassel gespielt. Ein-Top-Mann! Aber wir müssen uns, da so viele Spieler neu sind, finden. Wir arbeiten eben gemeinsam auf unserer Baustelle.

Was passiert, wenn auch nach dem siebten Saisonspiel nur fünf Punkte auf der Habenseite stehen?

Dann arbeiten wir weiter. Ich bin aber kein Verlierer-Typ. Ich möchte immer und überall gewinnen, nicht nur im Fußball, sondern auch zum Beispiel bei Brettspielen. Daher setze ich alles daran, den VfL weiterzuentwickeln. Auch bei Roj hätte ich wenig Spaß, sollten wir verlieren.

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