Warum dominieren die Lüner Teams die Dortmunder Fußball-Kreisliga A2?

mlzFußball-Kreisliga A2 Dortmund

Den Titel der Fußball-Kreisliga A2 scheinen die Lüner unter sich auszumachen. Warum die Lüner so gut sind und was den Dortmunder Titelanwärtern fehlt, haben wir aufgearbeitet.

von Moritz Lerch

13.02.2019, 16:16 Uhr / Lesedauer: 6 min

Ein Blick auf die Tabelle der Dortmunder Fußball-Kreisliga A2 spiegelt die Verhältnisse deutlich wider. Die Liga wird vom VfB Lünen mit 40 Punkten angeführt. Zweiter ist die Zweitvertretung vom Lüner SV mit ebenfalls 40 Punkten und einem Spiel weniger. Das derzeit stärkste Dortmunder Team ist – für viele überraschend – der SC Husen Kurl mit 31 Punkten. Der SF Brackel 61, der vor der Saison als Topfavorit gehandelt wurde, konnte den Erwartungen bislang nicht gerecht werden. Die Brackler stehen mit 26 Punkten nur auf Platz fünf. Die Trainer der vier Teams wissen sowohl um die Stärken des eigenen Teams, als auch um die der anderen. Der Respekt voreinander ist groß und die Erklärung für den Tabellenstand scheint klar zu sein.

Was macht die Lüner Teams so gut?
Für Kadir Kaya, Trainer von Lüner SV II, ist es klar, warum sein Team dieses Jahr so stark ist. „Wir setzen seit zwei Jahren verstärkt auf junge Spieler. Ich habe sieben Jungs aus der letztjährigen A-Jugend in meinem Kader. Davon stehen circa fünf am Wochenende bei mir in der ersten Elf. Die Jungs verbinden etwas mit dem Klub und haben selbst die Möglichkeit, sich für eine höhere Klasse bei uns zu qualifizieren“. Zudem sei es einfacher, gebürtige Lüner in das Team zu integrieren als Spieler, die aus Dortmund kommen. Beim Lüner SV passt schlichtweg „die Mischung zwischen Jung und Alt“.

Auch für Mark Bördeling, Trainer von VfB Lünen ist der aktuelle Tabellenplatz seines Teams „keine Überraschung“. Der Verein habe sich vor der Saison nominell verstärkt. „Gerade im Mittelfeld haben wir durch gute Neuzugänge unser Spiel stabilisiert“. Für den VfB Lünen war es außerdem sehr wichtig, „dass wir einen guten Start erwischt haben. Mit etwas Glück und guten Spielen konnten wir uns oben etablieren und sind dann in einen positiven Lauf gekommen“, erklärt Bördeling.

Jens Weidemann vom SC Husen Kurl findet ebenfalls klare Worte zur Dominanz der Lüner Teams. „Die zweite Mannschaft vom Lüner SV darf ab und an die Unterstützung von drei bis vier Spielern aus der ersten Mannschaft genießen. Der VfB Lünen hat um Tim Gehrmann einen starken Spieler, der zusammen mit zwei bis drei anderen den Unterschied ausmacht“.

Tim Gehrmann hat schon 26 Tore erzielt.

Tim Gehrmann hat schon 26 Tore erzielt. © Foto: Goldstein

„Ich würde gerne mal die Tabelle ohne Murat Büyüdere und Tim Gehrmann sehen. Das sind die Garanten für den Erfolg der Lüner Teams. Die beiden sind die Spieler, die diese Saison den Unterschied ausmachen“, berichtet Michael Kalwa, Trainer von SF Brackel 61. Gehrmann hat schon 26-mal getroffen, Büyükdere 21-mal. Das Team vom VfB Lünen sei verglichen mit dem Hinspiel im Rückspiel als Kollektiv deutlich stärker gewesen. „Das zeigt, welche Klasse ein Team hat, wenn es über eine Halbserie eng zusammenrückt“, sagt Kalwa

Warum schwächeln die Dortmunder Teams?

Weidemann, der mit der Tabellensituation seines Teams „sehr zufrieden“ und sogar „echt überrascht ist“ will sich über Platz vier absolut nicht beschweren und vom Schwächeln seiner Mannschaft noch nicht einmal ansatzweise reden.

„Entscheidend ist natürlich auch immer der Start in die Saison. Der war bei Brackel 61 eher holperig und das Team tat sich sehr schwer. Wir hingegen hatten das Glück, einen echt guten Start erwischt zu haben“, erklärt Kaya. Bördeling sieht das Verletzungspech der Dortmunder Teams ausschlaggebend für den Rückstand der Klubs. „Gerade bei Brackel 61 sieht man das ganz gut. Wenn drei bis vier wichtige Stützen des Spiels wegbrechen, dann wird es ganz schwierig, das zu kompensieren“.

„Bei dem Verletzungspech, was uns vor der Saison widerfahren ist, ist unsere aktuelle Situation in der Tabelle nicht schlecht.“
Michael Kalwa
(SF Brackel 61)

Für Kalwa, dessen Anspruch es vor der Saison war, ganz oben mitzuspielen, ist die bisherige Saison trotz des großen Abstandes auf einen Aufstiegsplatz zufriedenstellend. „Bei dem Verletzungspech was uns vor der Saison widerfahren ist, ist unsere aktuelle Situation in der Tabelle nicht schlecht. Uns fehlen die Saison über vier Stammspieler, die wir nicht so leicht ersetzen konnten. Dafür stehen wir echt gut dar“.

Sind die Lüner Teams durch und machen den Aufstieg unter sich aus?
„Wir sind auf jeden Fall noch nicht durch. Wir haben einen guten Abstand, doch der kann ganz schnell ganz klein werden. Wichtig wird es sein, dass wir die ersten Spiele der Rückrunde gewinnen. Dann sieht es gut für uns aus, schwächeln dürfen wir dann trotzdem nicht“, berichtet Kaya. Auch Bördeling möchte „Teams wie Brackel nicht abschreiben“. Zwar habe der VfB Lünen einen guten Abstand, doch müsste sein Team direkt wach sein und wenn möglich Verletzungen aus dem Weg gehen.

„Jeder hat noch eine realistische Chance. Es wird auf den Start ankommen. Kommen die Lüner Vereine gut aus der Winterpause, dann wird es für die anderen schwierig, sie einzuholen. Wichtig wird für den VfB Lünen sein, dass sich Spieler wie Tim Gehrmann nicht verletzen. Dann könnte es nämlich ganz hart für sie werden“, blickt Kalwa auf die Rückrunde.

Wie groß ist die Hoffnung, am Ende aufzusteigen?
Bei Kadir Kaya und seinen Schützlingen vom Lüner SV ist die Hoffnung „nach einer starken Hinrunde sehr groß“. Es gilt „die Form zu bestätigen“, so Kaya. „Trotz unserer Serie von elf Siegen in Serie ist der VfB Lünen auf Augenhöhe mit uns. Das zeigt, dass es sehr hart für uns wird, den ersten Platz zu verteidigen. Über die Relegation könnte der Aufstieg sehr hart werden“.

Bördeling vom Stadtrivalen VfB Lünen hingegen möchte aktuell nicht auf das Saisonende blicken. „Wir haben noch eine ganze Halbserie mit schweren Spielen vor uns. Der Fokus gilt dem ersten Spiel und dann wollen wir von Spiel zu Spiel blicken“.

Michael Kalwa un SF Brackel 61 liegen nur auf Platz fünf.

Michael Kalwa un SF Brackel 61 liegen nur auf Platz fünf. © Foto: Schwerte

Der SC Husen Kurl möchte „nicht vom Aufstieg reden“, so Weidemann. „Wir haben neun Punkte Rückstand auf die ersten beiden Plätze. Selbst wenn wir das erste Spiel gegen den Lüner SV gewinnen sollten, sind es noch sechs Punkte Rückstand. Es müssen schon einige Überraschungen zusammenkommen, dass wir uns mit dem Aufstieg befassen können“. Kalwa und Brackel 61 haben vergangene Saison „eine geile Rückrunde gespielt“. Dass sie das wiederholen, liege tendenziell bei null. Es stehe im Fokus, die Langzeitverletzten im Laufe der Rückrunde wieder einzugliedern.

Haben die Teams das Niveau, sich in der Bezirksliga zu etablieren?
„Definitiv! Viele unserer Jungs haben das Potenzial, die nächsten Jahre sogar noch höher zu spielen und den Sprung in unsere erste Mannschaft zu schaffen“, steht für Kaya fest. Auch Bördeling ist davon überzeugt, dass sein Team sich in der Bezirksliga etablieren würde. „Das kann man gut am Beispiel DJK TuS Körne festmachen. Das Team ist letzte Saison souverän aufgestiegen und spielt nun eine starke Saison in der Bezirksliga.“

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Kalwa sieht den VfB Lünen unter den „Top Ten“ der Bezirksliga. „Beim Lüner SV bin ich mir nicht so sicher. Es ist nicht leicht, eine zweite Mannschaft auf Dauer in der Bezirksliga zu halten. Husen-Kurl hingegen hat eine lange Bezirksliga Tradition. Die haben auch das Zeug, da wieder zu spielen“, erklärt der Brackel-Trainer.

Fehlen den Dortmunder Teams Stürmer, wie Gehrmann und Büyükdere?
„Ganz klar, ja. Wenn wir einen Stürmer hätten, der 30 Tore in der Saison erzielt, würden wir wahrscheinlich noch besser dastehen, als wir es ohnehin schon tun. Ich hätte gerne einen solchen Stürmer in meinem Team“, bewundert Weidemann von Husen-Kurl die Stärken der Topstürmer. Kadir ist „ sehr froh“, Büyüdere beim Lüner SV zu haben. Beim VfB Lünen sieht er Tim Gehrmann als „Erfolgsgaranten“. „Das Spiel vom VfB Lünen ist sehr auf Gehrmann fokussiert. Das könnte zum Nachteil sein, wenn der Junge mal ausfällt“. Für Michael Kalwa ist es klar, dass „es immer Ausreißer gibt“. Es sei nur sehr schwer, die dann im Verein zu halten, falls das Team den Aufstieg nicht schaffe.

SF Brackel 61 galt als Titelfavorit. Was fehlt dem Team dieses Jahr?
„Uns fehlt neben den Verletzten die Konstanz und Cleverness. Wenn wir in einem Spiel in der 89. Minute bei 2:1-Führung einen Konter zum 2:2-Ausgleich bekommen, dann ist das schlichtweg blöd“, nennt Michael Kalwa das Problem der bisherigen Saison. Sein Team genießt von den Topteams jedoch großen Respekt.

Murat Büyükdere ist der Topspieler des Lüner SV 2.

Murat Büyükdere ist der Topspieler des Lüner SV 2. © Foto: Goldstein

„Brackel hat eine sehr starke Truppe. Ihnen fehlt die Kaderbreite diese Saison. Gegen uns haben sie ein riesen Spiel gemacht. Wir haben uns aufs Verteidigen konzentriert und die wenigen Chancen, die wir hatten, genutzt. Das könnte dieses Jahr den Unterschied machen. Brackel hat auch gegen vermeintlich leichte Gegner überraschend viele Punkte gelassen. Ihnen fehlt auch ein Stück weit die Konstanz“, erklärt Kaya.

„Brackel hat eine sehr starke Mannschaft und unser 4:0-Erfolg in Brackel entspricht sicher nicht dem Spielverlauf. Wir standen in weiten Teilen des Spiels sehr unter Druck. Im Hinspiel haben wir beim 2:2 auch etwas Glück gehabt“, so Bördeling.

Jens Weidemann findet eine klare Antwort auf die Frage: „Brackel fehlt Pascal Thomas. Seinen Ausfall konnten sie nicht kompensieren“. Thomas fällt seit Anfang Juni wegen eines Kreuzbandrisses aus.

Der SC Husen-Kurl empfängt noch die Lüner-Topteams. Was erwartet uns da für ein Spiel?
Husen-Kurl empfängt direkt nach der Winterpause die Zweitvertretung vom Lüner SV. Sportclub-Coach Jens Weidemann rechnet sich für das Spiel etwas aus. „Ich erwarte ein sehr abwartendes Spiel. Wir sind sehr heimstark und ich gehe davon aus, dass der Lüner SV mit Respekt anreisen wird. Das wird ein Spiel auf Augenhöhe, in dem letztlich die Tagesform entscheidend sein wird“. Auch Kadir Kaya erwartet ein „Geduldspiel“. „Wir werden mit viel Geduld anreisen. Alle unserer Spiele in Dortmund werden hart werden. Husen hat eine sehr kompakte Mannschaft. Das wird ein heißes Spiel“, blickt der LSV-Coach auf die Begegnung. Auch Bördeling und sein VfB müssen in der Rückrunde beim SC Husen Kurl antreten. Bördeling weiß, dass es in Husen immer schwer ist und merkt an, dass Husen in Heimspielen „alles rausholt“.

Kalwa hat eine klare Antwort auf die Frage: „Husen Kurl kann definitiv beide Lüner Teams in Heimspielen besiegen. Generell wird es für den VfB Lünen und den Lüner SV auf Dortmunder Boden hart werden, Siege mitzunehmen. Viele Teams, die im Mittelfeld stehen, haben Zuhause realistische Chance diese Beiden richtig zu ärgern“.

Wie wichtig kann es für einen Westfalenligisten sein, eine zweite Mannschaft in der Bezirksliga zu haben?
„Für uns ist es extrem wichtig, talentierte Spieler, die aus unserer Jugend kommen, auch bei uns zu halten. Der Sprung aus der Jugend in die Senioren-Westfalen- oder bald vielleicht Oberliga ist riesengroß. Daher wollen wir uns verstärkt darum kümmern, unseren Verein und somit auch die zweite Mannschaft so attraktiv wie möglich zu gestalten. Der von vielen jungen Spielern gewünschte Sprung in die erste Mannschaft wird mit Erfahrung aus der Bezirksliga natürlich einfacher“, hofft Kaya auf den Aufstieg

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