Warum sich der Dortmunder Niklas Geske dagegen entschied, in der Bundesliga zu spielen

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Der Dortmunder Basketballer Niklas Geske war ein hoffnungsvolles Bundesliga-Talent. Jetzt spielt er - freiwillig - zwei Ligen tiefer für Schwelm. Ein Grund dafür ist auch seine Position.

Dortmund

, 25.12.2018, 10:10 Uhr / Lesedauer: 4 min

Unter den Top-Fünf der besten Schützen der dritthöchsten deutschen Basketball-Liga Pro B befinden sich vier Amerikaner und ein Deutscher. Der eine ist Niklas Geske. Ein Dortmunder Junge, der seit dieser Saison für die EN Baskets Schwelm spielt.

Freiwilliger Rückzug

In der Vorsaison stand er noch mit dem Bundesligisten MHP Riesen Ludwigsburg im Final Four der Champions League, verpasste gegen den Gastgeber AEK Athen damals knapp den Finaleinzug (75:77). Insgesamt 153 Bundesliga-Spiele hat Geske schon auf dem Buckel. Doch aktuell spielt er – freiwillig – zwei Ligen darunter.

Der Rückzug aus der Bundesliga in die Pro B ist für den 24-jährigen Geske kein Rückschritt. Der Aufbauspieler ist ganz bewusst diesen Weg gegangen. „Es war nie mein Plan, die Karriere bis zum Ende komplett auszureizen. Ich wollte schon immer studieren, mir ein zweites Standbein aufbauen“, sagt Geske. Er studiert in Dortmund aktuell evangelische Theologie und Mathematik auf Lehramt. Das Fach Sport soll bald hinzukommen.

Die Rolle des Backups ist nicht seine

Geske hat für Phönix Hagen, Vechta und zuletzt Ludwigsburg in der deutschen Eliteliga gespielt. Er war Mitglied der U20- und A2-Nationalmannschaft, landete 2015 mit dem deutschen Team auf Rang zwei der Universiade in Südkorea. Im Finale unterlag Deutschland mit Geske erst nach doppelter Verlängerung der USA mit 77:84. Geske war mit elf Punkten zweitbester Schütze des Teams von Hendrik Rödl, der heute die A-Nationalmannschaft coacht. Für die USA stand unter anderem Frank Mason auf dem Feld, der jetzt sein Geld in der NBA bei den Sacramento Kings verdient.

2015 erzielte Niklas Geske für Phönix Hagen in Bayreuth den „Gamewinner des Jahres“ - hier kann man sich den unglaublichen Wurf noch einmal anschauen:

Trotz der beeindruckenden Vorgeschichte und Leistung kehrte Geske der Bundesliga den Rücken, obwohl es Angebote gab. „Aber nichts, was mich überzeugt hat. Die Rolle des Backups wurde mir angeboten. Diese Entwicklungsphase habe ich schon überschritten“, sagt Geske. Die Entscheidung, dann das Angebot aus Schwelm anzunehmen und in Dortmund zu studieren, fiel nicht von heute auf morgen. „Es war ein schleichender Prozess“, sagt er.

Umgang in Ludwigsburg war ausschlaggebend

Sein guter Freund Felix Fuhrmann hat diesen Prozess miterlebt. Der Aufbauspieler des SVD 49 Dortmund war und ist täglich in Kontakt mit Geske. Fuhrmann sieht in der Ludwigsburger Zeit den Grund, für Geskes Rückzug. „Es hat Niklas getroffen, wie mit ihm in Ludwigsburg umgegangen wurde. An dem einen Spieltag bekam er lange Spielzeiten, am nächsten saß er wieder die gesamte Partie auf der Bank“, erinnert sich Fuhrmann. Geske beschreibt seine Zeit in Ludwigsburg als wellenförmig. „In den wichtigen Spielen war ich aber außen vor. Da muss ich ehrlich sein.“

Gute Kumpel: Niklas Geske und Felix Fuhrmann:

#roadtrip #nieohnemeinteam #sandiego #LA #lasvegas

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Sein größtes Problem ist wohl seine Position. Aktuell gibt es kaum einen deutschen Bundesligisten, der einem deutschen Aufbauspieler das Vertrauen als Starter ausspricht. Lediglich Ulm setzt phasenweise auf den 23-Jährigen Ismet Akpinar. Fast jedes andere Team hat zwei Aufbauspieler aus dem Ausland im Kader. „Der Markt ist überflutet mit ausländischen Aufbauspielern“, sagt Geske. Sechs Nicht-Deutsche dürfen pro Bundesligateam im Kader stehen. „Wäre ich 25 Zentimeter größer und Center, hätte ich wohl größere Einsatzchancen in der Bundesliga gehabt“, sagt der 1,89 Meter große Geske. Es hat viele Experten und Freunde überrascht, dass Geske den Weg in die Pro B gegangen ist.

Wiedervereinigung mit Coach Falk Möller

„Mich natürlich auch. Ich habe ihm gesagt, du hast es drauf. Und er hat es drauf. Er hätte nur einen Verein und einen Trainer finden müssen, die ihm vertrauen. Ich bin überzeugt, Niklas hätte das Vertrauen zurückgezahlt. Er gehört in die Bundesliga“, sagt Fuhrmann.

Geske fand diesen Trainer und Verein aber nicht in der Bundesliga. So nahm er das Angebot aus Schwelm an. Hier, wo er jetzt mit seinem alten Jugendtrainer und jetzigen Chef-Coach Falk Möller und seinem Kumpel Thomas Reuter zusammenarbeitet. „Er wird der Leader sein, den wir brauchen“, sagte Möller bei der Vorstellung. Und das ist Geske gleich geworden. „Er ist für mich der beste Aufbauspieler der Liga“, sagt Philipp Kappenstein, Trainer des Konkurrenten aus Münster.

Endlich Führungsspieler

Das beweisen die Statistiken. Mit 20,3 Punkten im Schnitt liegt er auf Rang drei der Liga. 5,9 Assists stehen zu Buche – Platz fünf. „Ich bin jetzt Führungsspieler, entscheide über Sieg oder Niederlage, kann jungen Spielern in ihrer Entwicklung helfen. Ich bin zufrieden mit meiner neuen Situation.“

2016 traf Geske wieder in Bayreuth erneut per Buzzerbeater - dieses Mal aber „nur“ zum Ende des dritten Viertels:

Er sieht sich immer noch als Profi-Basketballer. Insgesamt sieben Mal trainiert er pro Woche, hinzu kommt das Ligaspiel am Wochenende. Trotz der hohen Belastung, sei sein Studium zu bewältigen. 16 Wochenstunden verbringt er an der TU Dortmund. „Mein Terminplan ist definitiv voller als zu Bundesliga-Zeiten. Da hatte ich zwischen den Trainingseinheiten Zeit zum Ausruhen. Das ist vorbei.“

Doppelkopfrunden mit Felix Fuhrmann

Nach dem Abschied aus Ludwigsburg hat er sich erstmal bei seinen Eltern einquartiert, hat aber auch eine Wohnung in Schwelm. „Aktuell ist es ein bisschen wie im Urlaub bei meinen Eltern“, sagt er. Im Juni ist das aber wieder vorbei. Dann zieht er in ein Neubaugebiet nach Barop, 500 Meter von der Uni entfernt. In dasselbe Haus zieht auch Felix Fuhrmann.

„Dann gibt es wieder mehr Doppelkopfrunden“, sagt Fuhrmann, der am Sonntagabend wieder mit Geske zusammen saß und sich das Basketball-Pokalspiel Bayern München gegen Alba Berlin angeschaut hat. Geske ist aber auch für Amateur-Basketball empfänglich, hat sich in dieser Spielzeit schon Spiele seiner beiden Ex-Klubs SVD 49 Dortmund und TVE Barop angeschaut. „Vielleicht spiele ich in meiner Referendariats-Zeit ja mal wieder für einen Dortmunder Klub“, sagt Geske.

Er kann sich aber auch eine Rückkehr in die Bundesliga vorstellen – irgendwann. Aber erstmal steht das Studium im Vordergrund.

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