Wickede-Rückkehrer Nils Dietz: Entscheidung gegen den Profifußball war richtig

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Nach einem Jahr Kreisliga kehrt Nils Dietz zu Westfalia Wickede zurück. Mit Wickede will er in der Westfalenliga nach der Katastrophen-Saison oben angreifen - obwohl der Fokus auf seinem Beruf liegt.

Dortmund

, 10.06.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Wickede-Neuzugang Nils Dietz hat bereits vier Jahre Westfalia hinter sich. Nach seiner Juniorenzeit bei Borussia Dortmund lief der 24-Jährige von 2015 bis 2019 im Pappelstadion auf. Nach einem Jahr Kreisliga ist der Mittelfeldspieler zurück und gleichzeitig mitten im Berufsleben angekommen. Im Interview spricht Dietz über seinen neuen Beruf, seinen Bruder Lars, der bei Union Berlin unter Vertrag steht und erklärt, warum er sich gegen eine Profikarriere entschieden hat.

Worauf freuen Sie sich mehr? Auf die alten Kollegen oder darauf, wieder höher zu spielen?

Teils teils. Ich freue mich natürlich auf meine alten Kumpels wie Anil (Konya, Anm. d. Red.) und natürlich auch auf meinen alten Trainer Marko, den kenne ich noch ganz gut aus meiner alten Zeit. Aber ich wollte auch unbedingt wieder ein paar Ligen höher spielen, weil hier im Kreis ist das Niveau nochmal ein bisschen schlechter als in Dortmund, das war auf die Dauer nichts für mich. Vielleicht später mal irgendwann, aber jetzt ist es noch zu früh dafür.

Sie haben von der U12 bis zur U19 alle Juniorenstationen beim BVB durchlaufen, danach vier Jahre in der Westfalenliga bei Wickede gespielt. Warum wechselt jemand mit Ihrer Qualität in die Kreisliga?

Damals war es so, dass ich gerade frisch in den Fischhandel von meinem Vater eingestiegen bin. Ich habe mich selbstständig gemacht mit einem eigenen Wagen auf Wochenmärkten und Festen und das war genau die Anfangszeit, das sollte erstmal alles ins Laufen kommen, da habe ich dann den Fußball erstmal ein bisschen hinten angestellt. Jetzt mittlerweile läuft‘s ganz gut, ich bin echt zufrieden und Zeit für den Fußball habe ich jetzt auch einigermaßen mit eingeplant.

Nils Dietz in seiner Zeit bei der U19 des BVB.

Nils Dietz in seiner Zeit bei der U19 des BVB. © Ludewig

Also wird es nächste Saison kein Zeitproblem mit Fußball und Beruf geben?

Hundertprozentig kann man das ja nie sagen. Man weiß nie was kommt, aber so wie wir das jetzt geplant haben mit Wickede, haben wir eine gute Lösung gefunden, dass ich mindestens zwei Mal die Woche beim Training sein kann und sonntags immer beim Spiel. Ein drittes Mal Training ist in Planung. Ich bin da ganz zuversichtlich, dass das klappt.

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Sie waren eine harte Nuss: Daniel Dukic, Sportlicher Leiter der Wickeder, hat seit Dezember 2019 versucht, Sie zur Rückkehr zu bewegen.

Ja, wir haben schon ewig dadrüber gequatscht, haben ein bisschen Spaß gemacht, wenn wir uns gesehen haben. Ansonsten hat er mich auch immer wieder angerufen, immer wieder neue Systeme vorgestellt, wie man das verwirklichen kann. Das hat er echt super gemacht, großes Lob an Daniel. Ich habe mich aber lange nicht richtig getraut, den Schritt zu gehen, wegen meinem Beruf. Aber jetzt haben wir eine super Lösung zusammen gefunden und ich bin gespannt, ob es so klappt, wie wir es ausgemacht haben.

Haben Sie das Jahr in Sassendorf denn bereut?

Auf gar keinen Fall, da spielen auch noch ganz viele alte Kumpels von mir, das war echt eine tolle Erfahrung, mit denen zusammen zu kicken. Ich kann mir auch vorstellen, dass ich da mal wieder hingehe, wenn es mir dem höherklassigen Fußball nicht klappen sollte. Es hat echt Spaß gemacht mit den Jungs.

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Nach der U19 beim BVB sind Sie zu Westfalia Wickede in die Westfalenliga gewechselt. War eine Profikarriere keine Option für Sie?

Nach der U19 wollte mich die U23 von Borussia Dortmund nicht übernehmen, es gab dann andere Angebote aus der Regionalliga und aus dem unteren Drittel der 3. Liga. Aber Dortmund hat mir eine Ausbildung im Versicherungsbüro vom damaligen Sportlichen Leiter Andreas Barth besorgt. Da habe ich dann meine Ausbildung zum Kaufmann für Versicherung und Finanzen gemacht und die auch abgeschlossen. Andreas Barth war damals auch Sportlicher Leiter bei Westfalia Wickede und so bin ich dann dahin gekommen.

War es rückblickend die richtige Entscheidung, sich damals gegen die höherklassigen Angebote und für die Ausbildung zu entscheiden?

(lacht) Ich glaube, dass ich alles richtig gemacht habe. Ich glaube zum richtigen Profifußball hätte es nicht gereicht und ich bin so, wie es jetzt ist, ganz zufrieden.

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Ihr ein Jahr jüngerer Bruder Lars hat sich für den anderen Weg entschieden, ist von der U19 des BVB in die U23 gewechselt. Heute steht er bei Union Berlin unter Vertrag und ist aktuell an Viktoria Köln in die 3. Liga ausgeliehen.

Genau, wir unterhalten uns natürlich immer über sowas. Als es bei mir gerade um die Entscheidung ging, hat er ja bei den A-Junioren gerade selbst noch für den Traum gekämpft. Als es bei ihm ein Jahr später dann soweit war und er das Angebot von der U23 hatte, habe ich ihn auch gesagt: Geh den Weg, wenn du die Chance dazu hast. Er hatte eben das Angebot von der U23, die haben ihn übernommen. Nach zwei Jahren hat er dann den Schritt zu Union gemacht, im Nachhinein kann man auch bei ihm nur sagen, dass er bis jetzt alles richtig gemacht hat. Mal schauen, wie es weitergeht.

Was hat Ihr Bruder denn zu Ihrem Wechsel in die Kreisliga gesagt?

(lacht) Zu dem Zeitpunkt hat er gesagt, dass das super so ist, weil er auch wegen dem Fischhandel Bescheid wusste. Aber er lacht natürlich auch immer ein bisschen über mich.

Niels Dietz‘ Bruder Lars ist aktuell bei Union Berlin unter Vertrag und an Viktoria Köln ausgeliehen.

Niels Dietz‘ Bruder Lars ist aktuell bei Union Berlin unter Vertrag und an Viktoria Köln ausgeliehen. © imago images/Herbert Bucco

Wer ist denn im eins gegen eins der bessere auf dem Platz?

Mittlerweile, wenn wir zusammen auf dem Platz stehen, komme ich fast gar nicht mehr an den Ball, wenn er kickt, das wird schon relativ eng für mich. Da ist er auf jeden Fall ganz weit vorne.

Zurück zu Westfalia Wickede: Die Saison 2019/2020 lief alles andere als gut für Ihren zukünftigen Verein. Haben Sie die Spiele Ihrer alten Kollegen verfolgt?

Ich habe jeden Sonntag nach den Spielen geguckt, ich war auch ständig immer mit Anil in Kontakt. Wir haben auch nach den Spielen direkt geschrieben, er war auch immer sehr niedergeschlagen, ich musste ihn aufbauen. Man verfolgt das immer mit einem Auge und ich war dann auch bei einem Spiel da, beim Comeback von Schotti (Marko Schott, Anm. d. Red.), habe mir das live angeguckt, aber das ist leider auch in die Hose gegangen. Das kann man nur besser machen nächste Saison, was soll ich dazu groß sagen?

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Was haben Sie sich denn für nächste Saison mit den Wickedern vorgenommen?

Mein persönliches Ziel ist es auf jeden Fall oben mitzuspielen nächste Saison. Ich glaube, dass wir dafür auch ein ganz gutes Team haben.

Auch wenn Sie wahrscheinlich nur zwei Mal die Woche trainieren werden, in die Startelf wollen Sie trotzdem unbedingt?

Auf jeden Fall, hundertprozentig. Aber wenn es mal hart auf hart kommt, dann geht mein Beruf tatsächlich vor.

Sie haben eine Ausbildung in der Tasche, sind beruflich angekommen. Wenn es irgendwann noch mal ein Angebot von einem höherklassigen Verein geben würde, würden Sie es annehmen?

Es kommt natürlich auch wieder auf die Problematik an, wie man das mit dem Training geregelt bekommt. Aber grundsätzlich auf jeden Fall, warum nicht, wenn es möglich ist?

Was ist härter? Ein Training bei Marko Schott oder ein Tag bei Ihnen im Fischhandel?

Ein Training bei Marko Schott natürlich. (lacht)

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