Der Nachwuchs von Borussia Dortmund untermauert seine Ausnahmestellung auch in dieser Saison. Egal ob in der 3. Liga oder in der A-Jugend-Bundesliga - ein herausragender Jahrgang macht Freude.

Dortmund

, 26.02.2019, 20:24 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wenn Andreas Heiermann auf den Nachwuchs von Borussia Dortmund zu sprechen kommt, gerät er regelmäßig ins Schwärmen. Die schwarzgelbe Jugendarbeit gehöre im Frauen-Handball längst zu den Besten in Deutschland, betont der Abteilungsvorstand immer wieder. „Da sind Spielerinnen hinten dran, die sind brutal gut.“ Sei es eine Mariel Wulf, Carlotta Fege, Hannah Kriese, Lena Hausherr, Marie Michalczik, Anna Filmar und, und, und…

Verlustpunktfrei durch die Jugend-Bundesliga

Wie gut der Nachwuchs tatsächlich ist, beweisen die Teams von Trainer Tobias Fenske einmal mehr in dieser Saison. Die A-Jugend marschierte verlustpunktfrei durch die Vor- und Zwischenrunde in der Jugend-Bundesliga und trifft auf dem Weg ins Final Four im Viertelfinale auf Gröbenzell. Die zweite Mannschaft, personell fast identisch mit der A-Jugend, kletterte in Liga drei mit 22:8 Punkten auf Platz zwei hinter Solingen-Gräfrath (27:5).

Man ernte heute den Ertrag von dem, was man vor gut vier Jahren beim BVB gesät habe, sagt Fenske. Damals habe der Verein damit begonnen, die Nachwuchsarbeit in der Handball-Abteilung neu aufzustellen. Die Rahmenbedingungen wurden angepasst, „strukturell haben wir einen großen Schritt nach vorne gemacht“, sagt Fenske. „Und wir haben ein Leistungskonzept initiiert, das jetzt zunehmend greift.“

Kern der Mannschaft spielt schon seit der E-Jugend zusammen

So haben Mariel Wulf, Hannah Kriese oder Carlotta Fege allesamt bereits in der E- oder D-Jugend von Borussia Dortmund gespielt. Heute bilden diese Spielerinnen den Kern der Mannschaft. Dana Bleckmann und Leonie Kockel, die ja vom Alter her ebenfalls noch in diesen Teams spielen könnten, sind längst fester Bestandteil der ersten Mannschaft. Er mag nicht so gerne von einer goldenen Generation sprechen, sagt Fenske, „aber dieser Jahrgang ist schon herausragend“. Und genau das ist es ja, was sie beim BVB wollen: Talente für die erste Mannschaft schmieden.

Dana Bleckmann und Gino Smits.

Er sei wenig überrascht von diesen Leistungen, sagt Gino Smits, Trainer der Bundesliga-Frauen und verantwortlich für das Nachwuchsleistungszentrum des BVB. „Das war ja am Anfang der Saison noch meine Mannschaft, da konnte ich mir ein ganz gutes Bild machen.“ Das Potenzial mit mehreren Jugend-Europameisterinnen und Auswahlspielerinnen sei von vornherein groß gewesen.

„Die Mannschaft hat einen Riesen-Schritt nach vorne gemacht“

Mittlerweile sei das Team aber auch in der Lage, selbst die schwierigen Spiele wie jüngst in der WA-Bundesliga gegen den Frankfurter HC (26:25) zu gewinnen, sagt Smits. „Diese Mannschaft hat einen Riesen-Schritt nach vorne gemacht.“

Eine, die großen Anteil am Erfolg hat, ist Mariel Wulf. Die 17-jährige Rückraumspielerin, im vergangenen Jahr Teil der B-Jugend-Meistermannschaft, hat in der Drittliga-Saison bislang 115 Tore erzielt – Liga-Spitzenwert.

Warum es so gut läuft? „Ich denke, dass es auch damit zu tun hat, dass wir alle schon sehr lange zusammenspielen und uns kennen“, sagt sie. Jede Spielerin habe sich weiterentwickelt und übernehme mehr und mehr Verantwortung. Teamkollegen Kriese fügt hinzu: „Viele Gegner haben uns um Vorfeld unterschätzt.“ Insgesamt hätten sie es „sehr gut geschafft die individuellen Stärken der einzelnen Spielerinnen zusammenzubringen“, so Kriese.

Niederländische und deutsche Schule vereint

Es sei ein Lernprozess gewesen, meint Smits, mit dessen Ankunft auch die niederländische Schule Einzug in die BVB-Nachwuchsarbeit gehalten hat. „In Deutschland wird immer viel über Erfahrung gesprochen und das man Talente schützen müsse, aber Talente müssen spielen“, sagt der 54-Jährige. Die Spielerinnen sollen eigenverantwortlich handeln und eigenständig Lösungen finden. „Wir wollen die deutsche Philosophie mit viel Struktur und die niederländische mit all ihren Freiräumen verbinden.“

Auch Wulf hat mit der Verpflichtung des Niederländers „frischen Wind“ beim BVB gespürt. „Er hat neue Reize gesetzt, die uns in unserer Entwicklung weiterhelfen“, sagt sie. Trotz allem, so Wulf, brauche es auch „erfahrene Spielerinnen, an denen sich die jungen stützen können“. Eine wie Nicol Bojda zum Beispiel, die nach dem Abgang von Nadja Zimmermann im Herbst zum BVB 2 gewechselt ist und nach Angaben von Fenske „einen gewichtigen Anteil am Erfolg“ habe. „Sie führt die Mannschaft, denn nur allein mit 17-, 18-Jährigen geht es auch nicht“, sagt der Trainer, ohne dabei Smits zu widersprechen. Es gehe eben nicht nur, „aber schon mit einem breiten Anteil an jungen Spielerinnen“.

Die A-Jugend will ins Final Four

Das zeigt auch die aktuelle Saison. Wohin der Weg am Ende führen wird, hat Mariel Wulf klar vor Augen. In der 3. Liga soll es Platz zwei sein. Und mit der A-Jugend will sie ins Final Four. Unterstützung erhält sie auch hier von Hannah Kriese: „Wir haben uns jetzt für das Viertelfinale qualifiziert und wollen dieses nun auch dieses gewinnen, dafür geben wir alles.“ Auch im Final Four gäbe es dann ein ganz bestimmtes Ziel, meint Wulf: „Und wenn wir dann schon mal da sind, wollen wir natürlich auch gewinnen.“ Überraschen würde selbst das wohl niemanden.

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