Wie sollte es mit der Fußball-Saison weitergehen? – 27 Spieler und Trainer antworten

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Die Corona-Neuinfektionen steigen: Sollte die Saison unterbrochen werden, sollte weitergespielt werden? Diese Frage haben wir 27 Spielern, Trainern und Funktionären der überkeislichen Fußball-Teams gestellt.

Dortmund

, 26.10.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 7 min

Nur noch drei Landkreise in NRW liegen unter dem 50er-Inzidenzwert. In Dortmund ist die 7-Tages-Inzidenz laut dem Robert-Koch-Institut am Montag auf 134,6 gestiegen. Während im Kreis Unna seit Montag wieder Fußball gespielt werden darf, hat die Stadt Bochum das Fußballspielen ab dem gleichen Tag untersagt. Wir haben Spieler, Trainer und Funktionäre der Dortmunder Vereine, die überkreislich spielen, gefragt, wie es mit der Saison weitergehen soll? Hier sind die Antworten:

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Kevin Brümmer, ASC 09-Spielführer:

„Ich bin durch und durch Fußballer und möchte immer spielen. Das merke ich im Moment durch meinen verletzungsbedingten Ausfall ganz deutlich. Ich glaube, dass es mir und auch den Zuschauern guttut, durch den Fußball Ablenkung von der Pandemie zu haben. Aber natürlich geht die Gesundheit immer vor und wenn sich herausgestellt haben sollte, dass durch das Training oder die Spiele das Virus weiterverbreitet wird, hätte ich Verständnis für eine Saisonunterbrechung.“

Antonius Kotziampassis, ASC 09-Trainer:

„Ich will eigentlich weiter Fußball spielen, aber wir akzeptieren alle Entscheidungen, die zur Erhaltung der Gesundheit der Menschen beitragen. Gesundheit ist das Wichtigste.“

Arthur Matlik, Trainer BSV Schüren:

„Die Gesundheit steht natürlich über allem. Wenn ich aktuell Bilder aus Belgien sehe, dann wird mir angst und bange. Am liebsten wäre es mir natürlich, wenn das ganze Problem sportlich gelöst wird. Ich tue mich mit einer halben Saison zum Beispiel schwer. Das hätte einfach einen faden Beigeschmack.“

Ajan Dzaferoski, Vorsitzender TuS Bövinghausen:

„Auf freiem Feld soll die Ansteckungsgefahr ja nicht so extrem sein. Deswegen sollte man weiterspielen lassen, denke ich. Wenn es einen Verdachtsfall gibt, dann muss man das Spiel natürlich absetzen. Wenn die Fußballspiele wegfallen, weiß man nicht, ob die Zahlen dann sinken werden. Die Leute brauchen irgendein Ventil, brauchen das soziale Zusammensein.

Wenn der Fußball wegfällt, dann treffen sich die Leute untereinander. Die einzige Lösung des gesamten Corona-Problems ist für mich nur ein Impfstoff. Vorher wird alles sehr schwierig sein. Wenn die Zahlen weiter steigen sollten, dann kann man aber auch mal eine 14-tägige Pause machen. Freundschaftsspiele sollte man gar nicht ansetzen in der Zeit.“

Savas Turhal, Trainer VfL Kemminghausen:

„Es soll so lange wie möglich gespielt werden. Ich bin gegen eine Pause. In der Bundesliga sind doch noch mehr Zuschauer als bei uns und die spielen ja auch weiter.“

Thomas Behlke, Sportlicher Leiter FC Brünninghausen:

„Es müsste eine Unterbrechung geben. Man fühlt sich einfach nicht mehr so wohl auf dem Sportplatz. Als wir den ersten Lockdown hatten, da hatten wir nicht so hohe Zahlen wie jetzt. Und andere Städte treiben es ja voran: In Bochum ist alles zu, Unna war zu. Es fallen immer mehr Spiele aus.

Es arbeiten nicht alle Spieler bei einer großen Firma, es gibt immer noch einige, die bei einem kleinen Krauter sind und die müssen dann erklären: Es hat einer Corona, ich muss zwei Wochen zu Hause bleiben, dann spiele ich wieder und dann gibt es den nächsten Fall und ich muss wieder zwei Wochen zu Hause bleiben. Ich weiß nicht, wie viele Arbeitgeber das mitmachen.

Der Verband hat da auch eine Fürsorgepflicht, bloß zweifle ich die mittlerweile an, wenn ich am Donnerstag auf die Seite gucke und der Verband schreibt, dass die Futsalserie eröffnet wird. Das verstehe ich nicht. Ich kann aktuell doch nicht 5 gegen 5 auf engstem Raum in der Halle spielen. Man sollte 14 Tage oder drei Wochen pausieren und dann sieht man weiter.“

Alex Enke, Trainer Hombrucher SV:

„Ich halte eine Unterbrechung der Saison für sinnvoll. Die vielen Spielausfälle nerven, außerdem weiß zum jetzigen Zeitpunkt keiner wie sich die Lage in den kommenden Wochen entwickelt.“

Dennis Wegner, Co-Trainer SV Brackel 06:

„Klar wollen wir spielen. Aber wenn es zu riskant wird, müssen wir doch pausieren. Gesundheit geht vor Es soll ja keiner Probleme im Job bekommen, sollte er sich doch beim Fußball infizieren. Und wenn wir spielen, sollen es alle dürfen. Mit solchen Tabellen verliert das auch den Sinn.“

Sascha Rammel, Trainer Kirchhörder SC:

„Prinzipiell wären wir bereit, zu spielen. Es kommt aber auf die Begleitumstände an. Wir wollen spielen, wenn alle spielen. Wenn die anderen nicht antreten dürfen oder können, müssen wir den Betrieb nicht weiterlaufen lassen. Jetzt ist ja am Wochenende ohnehin spielfrei. Wir warten die Entscheidung ab.“

Dimitrios Kalpakids, Interimstrainer und Sportdirektor Türkspor Dortmund:

„Man muss in der jetzigen Situation vorsichtig sein. Ich sage aber, wenn Fußball zugelassen wird, dann sollte man auch weiterspielen. Wir hatten am ersten Spieltag gegen Kirchhörde drei Corona-Fälle und haben ohne die Drei trotzdem gespielt. Als Quittung kriegen wir eine Niederlage. Andere machen es sich leichter und sagen bei einem Verdachtsfall die Spiele ab.

Da müssen sich Staffelleiter und der Verband besser absprechen. Ich denke, dass der größte Teil froh ist, dass sie ihrem Hobby noch nachgehen können, auch um auf andere Gedanken zu kommen. Ich würde aber die Kabinen schließen. Die Leute sollen umgezogen zum Platz kommen.“

Marco Nagel, Trainer VfR Sölde:

„Ich wäre für eine Unterbrechung der Saison bis Januar oder Februar 2021. Danach könnten zumindest 50 Prozent der Spiele durchgezogen werden und damit die Saison gewertet werden. Der Fußball ist nicht der Nabel der Welt.“

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Daniel Dukic, Sportlicher Leiter Westfalia Wickede:

„Der Kreis Unna hat dichtgemacht, jetzt machen sie wieder auf. Für mich ist das unerklärlich, die Zahlen sind ja nicht gerade besser geworden, trotzdem werden die Türen aufgemacht. Ein bisschen weiter in Bochum werden die Türen wieder geschlossen. In Dortmund passiert erst mal gar nichts. Da fehlt mir eine gemeinsame Marschlinie. Ich denke, man muss da konsequent handeln.

Ich glaube, das ist einfach keine angenehme Geschichte für alle Beteiligten, seien es Spieler, Vorstände, Sportliche Leiter, es gibt keine einheitliche Marschroute. Da würde ich mir wünschen, dass wir mal einheitlich entscheiden: Passt auf, lasst uns zwei Wochen Pause machen zum Beispiel.“

Thomas Faust, Trainer DJK BW Huckarde:

„Das ist für mich schwer zu beurteilen, ich bin kein Mediziner. Viele Mediziner sagen aber wohl, dass man sich auf dem Platz direkt kaum anstecken kann, sondern eher im privaten Bereich. Es wird auf jeden Fall schwierig, wenn immer mehr Spiele ausfallen. Wann soll das alles nachgeholt werden? Wir sind aber Sportler, natürlich wollen wir weiterspielen.

Wir hatten hier in Huckarde noch keinen Fall. Ich würde die Saison erst einmal weiterlaufen lassen. Wenn es dann aber zu viele Spielausfälle gibt oder Mannschaften in Quarantäne müssen, dann bleibt keine andere Wahl, als eine Pause zu machen.“

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Thomas Gerner, Trainer Mengede 08/20 (Befindet sich aktuell in Quarantäne):

„Ich bin für eine Unterbrechung der Saison. Ein Abbruch kommt für mich noch nicht in Frage, weil wir auf die Saison ja sehr lange hingefiebert haben und weil dann auch zu viele Vereine kaputtgehen würden. Man sollte jetzt einen Break machen und die Grippewelle abwarten.

Mitte Januar oder im Februar kann man dann wieder starten. Mit der dreimonatigen Winterpause haben wir doch Luft, die Spiele nachzuholen. Nach 14 Tagen Quarantäne merkt man, was es für einen bedeutet, eingesperrt zu sein. Man muss auch an die Spieler denken, die in Kleinbetrieben, im Gastronomie-Bereich oder im Gesundheitswesen arbeiten.

Ich bin als Trainer momentan ganz weit davon weg, wieder auf den Trainingsplatz zu gehen. Mir ist einfach nicht nach Fußball, obwohl seit dem vierten Lebensjahr mein ganzes Leben darauf ausgerichtet war.“

Ibrahim Berro, Kapitän TuS Hannibal:

„Es bringt nichts weiterzuspielen. Da die Gesundheit vorgeht, plädiere ich für eine sofortige Unterbrechung der Saison.“

Florian Schulz, Kapitän Mengede 08/20 (Befindet sich aktuell in Quarantäne):

„Ich denke, es ist sinnvoll, die Saison zu unterbrechen, in der Hoffnung, dass es nach Eindämmung der Infektionswelle weitergehen könnte. Ich bin gerade in Quarantäne und es ist wenig verantwortungsbewusst meiner Familie und meinem Arbeitgeber gegenüber, wenn ich mich danach sofort wieder in die zusätzliche Gefahr der Ansteckung beim Fußball begebe.

Ein Fußballlockdown ist kein Problem, der nächste wirtschaftliche Lockdown aber schon. Fußball ist für mich seit 26 Jahren die schönste Nebensache der Welt, aber im Moment gibt es Wichtigeres.“

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Kevin Kastner, Spielführer VfR Sölde:

„Der Verband muss zeitnah eine Entscheidung mit einer einheitlichen Regelung für alle Vereine treffen. Die Gesundheit geht vor, eine Fortsetzung der Saison macht deshalb keinen Sinn.“

Marcel Ramsey, Kapitän FC Roj:

„Natürlich ist es für uns als Spieler schöner auf dem Platz zu stehen als nicht. Fußball sollte aber, wenn es um das gesundheitliche Gemeinwohl unserer Gesellschaft geht, selbstverständlich in den Hintergrund rücken. Ich bin aber kein Experte auf dem Gebiet und halte mich daher auch mit Meinungen zurück.“

Jan Ramadan, Trainer FC Roj:

„Ich habe meine Spieler und die gesamte Mannschaft gut darauf vorbereitet, dass es ab und zu zu Unterbrechungen und vielleicht auch zu einer kompletten Unterbrechung kommen kann.

Die Gesundheit geht immer vor. Ich bin aber der Meinung, wenn weitergespielt würde, dann wäre das ganz gut. Ich verlasse mich dabei aber voll auf die Meinungen der Experten. Ich bin mir sicher, dass sie gute Entscheidungen treffen werden. Ich hoffe, dass alle gesund bleiben.“

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Mathias Tomaschewski, Trainer Westfalia Huckarde:

„Priorität hat die Gesundheit und die damit verbundene Verantwortung sich selbst und vor allem auch seinen Familien und Mitmenschen gegenüber. Und nicht zu vergessen gegenüber seinen Arbeitgebern, da man durch eine Quarantäne immer wieder Ausfallzeiten riskiert.

Wir bewegen uns im Amateursport und sind zwar die Basis für den Profisport, haben aber nicht die wirtschaftlichen Ressourcen, um zweimal die Woche einen Test zu machen und Risiken zu minimieren. Für die Vereine stehen aktuell Aufwand und Ertrag in keinem Zusammenhang und das schadet finanziell nur noch mehr.

Deswegen ist und bleibt Fußball in diesem Bereich und vor allem aktuell die schönste Nebensache der Welt und so sollte man es jetzt auch bewerten. Ich tendiere zu einer Unterbrechung bis zu einem Tag X und wenn es sich dann weiterhin nicht verantworten oder sportlich organisieren lässt zu einem Abbruch.“

Luca Gutierrez Blanco, Spielführer ASC 09 II:

„Aufgrund der steigenden Corona-Zahlen sollten wir sofort einen Cut machen und die weitere Entwicklung abwarten. Ein Abbruch der gesamten Saison wäre für mich die falsche Entscheidung“.

Alexander Schwarz, Spielertrainer RW Germania:

„Ich denke, man sollte die Saison pausieren lassen und sofort unterbrechen. Wie das Ganze aber weitergehen beziehungsweise die Saison zu Ende gebracht werden soll, kann und soll ich nicht entscheiden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man die Saison ganz normal mit Hin- und Rückrunde regulär bis zum Sommer zu Ende bekommt.“

Hamsa Berro, Trainer TuS Hannibal:

„Mir persönlich wäre eine Unterbrechung lieber. Der Restart könnte dann im Januar 2021 beginnen. Meines Erachtens haben wir zu früh wieder mit dem Spielbetrieb begonnen. Ich kann die Haltung der Offiziellen nicht nachvollziehen. Die Glaubwürdigkeit des Sports geht verloren, der Fußball wird immer mehr zur Last.“

Dominik Grobe, Trainer TuS Körne:

„Durch das Drumherum macht es momentan keinen Spaß. Ich wäre für eine Unterbrechung der Saison, alles andere macht für mich keinen Sinn. Die Gesundheit aller Beteiligten sollte im Vordergrund stehen.“

Tim Schwarz, Trainer ASC 09 II:

„Ein Abbruch der Saison wäre zu früh. Grundsätzlich wäre ich für eine Unterbrechung, obwohl es echt schwierig ist, die augenblickliche Lage zu beurteilen. Durch die vielen Ausfälle in den letzten Wochen kommen wir gar nicht in den Spiel-Rhythmus. Außerdem sind einige Akteure nicht richtig fit.“

Christian Strelau, Kapitän TuS Körne:

„Der Fußball steht nicht über Allem. Weil zum Beispiel die Vereine aus dem Kreis Unna in den letzten 14 Tagen weder trainieren noch spielen konnten, kommt es zu einer Wettbewerbsverzerrung. Auch deshalb bin ich dafür die Saison zu unterbrechen.“

Marc Risse, Trainer TuS Eichlinghofen:

„Ich habe ein ungutes Gefühl, aktuell auf die Fußballplätze zu gehen. Deshalb würde ich mir wünschen, dass die Liga so schnell wie möglich pausiert. Wir müssen dann schauen, wie die Zahlen sich entwickeln.“

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