Zwei Dortmunder Fußballklubs fehlen nur 0,02 Punkte zum Aufstieg

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Der Fußballkreis Dortmund hat die Aufsteiger in den Kreisligen bestimmt. In der B-Liga war die Entscheidung hauchdünn - und könnte bei einem Verein sogar zu einer Krise führen.

Dortmund

, 29.05.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein verlorenes Entscheidungsspiel. Liegengelassene Punkte gegen ein Team aus dem Tabellenkeller. Das schlechtere Torverhältnis. Manchmal sind Kleinigkeiten das Zünglein an der Waage, wenn es um den Aufstieg geht. So eng wie bei der Aufstiegsentscheidung von der Kreisliga B in die A-Liga im Fußballkreis Dortmund ging es aber es aber wohl noch nie zu.

0,02 Punkte. So viele – oder eher so wenige – Zähler fehlen Phönix Eving und dem VfR Sölde II zum Aufstieg. „Was soll ich sagen, natürlich sind wir enttäuscht“, sagt Marcel Müller, Trainer der Sölder Reserve. „Das ist ein richtiger Nackenschlag“, kommentiert Christian Nurk, Vorsitzender von Phönix Eving.

Aber von vorne. Der Fußballkreis Dortmund hat am vergangenen Mittwoch die Aufsteiger von den C- in die B-Ligen und von den B- in die A-Ligen bestimmt (siehe Infokasten) – unter dem Vorbehalt, dass die Saison vom FLVW-Verbandstag im Juni tatsächlich abgebrochen wird. So weit, so gut.

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Trainer der Sölde-Reserve „Wir hätten es verdient gehabt“

Nach Anwendung der Quotientenregel (Punkte geteilt durch Spiele) sind die Aufsteiger aus den Dortmunder B-Ligen VfR Kirchlinde II (Staffel 1), VfL Hörde (Staffel 2), BV Brambauer II (Staffel 3), SV Körne (Staffel 4). Ganz einfach. Der Kreis hat aber noch einen fünften Aufsteiger bestimmt, der eigentlich in der Relegation zwischen den Tabellenzweiten der Staffeln ausgespielt wird, wenn es eine entsprechende Anzahl von Absteigern aus der A-Liga gibt. Da Corona auch das unmöglich macht, muss also wieder die Quotientenregel herhalten. Das Ergebnis? Glückwunsch, FC Sarajevo-Bosna zum A-Liga-Aufstieg. Das Problem? Bosna (20 Spiele, 52 Punkte, Quotient 2,6 ) landet nach der Rechnung nur hauchdünn vor Phönix Eving und VfR Sölde (beide 19 Spiele, 49 Punkte, Quotient 2,58), dahinter die ungeschlagene zweite Mannschaft von Mengede 08/20 (20 Spiele, 50 Punkte, Quotient 2,5).

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„Das ist bitter, wir hätten es verdient gehabt“, sagt Söldes Müller, der über die Entscheidung auch ein bisschen verärgert ist, „man hätte auch drei Teams mehr aufstiegen lassen können.“ Darin hätte Müller vor allem eine Würdigung der Arbeit in den Teams gesehen. „Kreisliga B hört sich immer nach nichts an, aber da steckt auch Arbeit drin, viele unserer Jungs haben kleine Kinder zuhause und investieren trotzdem sehr viel Zeit“, erklärt Müller, „und wir verdienen hier alle kein Geld damit.“ Trotzdem freut sich Müller für die Aufsteiger – auch für Sarajevo Bosna.

Deren Trainer und Geschäftsführer Muhamed Ahmeckovic wiederum freut sich über den Aufstieg, kann den Ärger von Eving und Sölde aber auch nachvollziehen. „Ich weiß genau“, sagt Ahmeckovic, „wie viel Arbeit in so einem Ehrenamt steckt und wie sich die anderen jetzt fühlen.“ Am liebsten, so der baldige A-Liga-Trainer, hätten alle den Aufstieg sportlich ausgespielt.

Phönix Eving zittert um die erste Mannschaft und die Zukunft

Das geht aber dank Corona in dieser Saison nunmal nicht – deshalb musste der Fußballkreis Dortmund auf andere Weise zu einer Entscheidung kommen und hat mit der Quotientenregel den Vorschlag des Verbandes umgesetzt. Die Regelung ist aber für Evings Christian Nurk „unterirdisch“, wie er sagt. Die Rechnung des Verbandes gehe nicht auf.

„Uns fehlen bei einem Spiel weniger genau drei Punkte, weil wir noch ein Nachholspiel ausstehen hatten, dafür können wir nichts“, erklärt Nurk, der sich sicher ist, dass Eving von den vier Zweitplatzierten eindeutig die stärkste Mannschaft ist. „Das ist einfach Wettbewerbsverzerrung“, so der Vorsitzende, der die Schuld nicht dem Kreis, sondern dem Verband gibt. „Die Zeit hat noch nicht gereicht, um das zu verarbeiten.“

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Die 0,02 Punkte und der Nicht-Aufstieg werden Nurk, der bei Phönix Eving derzeit auch mit vielen Abmeldungen zu kämpfen hat und um die erste Mannschaft in der nächsten Saison fürchtet, wohl noch länger verfolgen.

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