Mohamed Yarhdi läuft ab sofort für den Lüner SV in der Westfalenliga auf. © Marc-André Landsiedel
Fußball

HSC-Coach kritisiert Lüner SV nach Yarhdi-Verpflichtung: „Das gehört sich einfach nicht“

Mit Mohamed Yarhdi wechselt bereits der sechste Spieler vom Holzwickeder SC zum Lüner SV. Bislang zeigte der Fußball-Oberligist einigermaßen Verständnis - doch das scheint jetzt aufgebraucht.

Im Frühjahr konnte man sich beim Holzwickeder SC ein wenig so fühlen wie Bill Murray in „Und täglich grüßt das Murmeltier“. In dem Filmklassiker von 1993 ist der Wetteransager Phil Connors – gespielt von Murray – in einer Zeitschleife gefangen und erlebt ein und denselben Tag immer und immer wieder.

Wieder ein Abgang, wieder zum Lüner SV

Ähnlich muss es sich beim Fußball-Oberligisten in der Emschergemeinde angefühlt haben, als es im Frühjahr in regelmäßigen Abständen von ein paar Wochen hieß: Wieder verlässt ein Spieler den Holzwickeder SC, wieder schließt er sich dem Lüner SV an. Fünf Mal war dieser Fall eingetreten – bei Nico Berghorst, René Richter, Ferdinand Franzrahe, Robin Rosowski und Sebastian Hahne.

Doch mit dem Verstreichen der Wechselfrist (Stichtag war der 30. Juni) schien die Zeitschleife endlich durchbrochen. Ein Happy End also, wie es auch Bill Murray in „Und täglich grüßt das Murmeltier“ erlebt? Anfang August steht fest: Nein. Denn mitten in der Vorbereitung überraschte Mittelfeldspieler Mohamed Yarhdi den HSC mit seinem Wechselwunsch in die Westfalenliga. Dort erhofft er sich mehr Spielanteile als beim HSC. Erst später wird klar, wo die Reise für ihn hingeht: Nämlich ebenfalls zum Lüner SV.

Marc Woller: „Ich dachte: Das kann doch nicht wahr sein“

Ein Unding, findet der neue HSC-Coach Marc Woller. „Als ich gehört habe, dass es wieder Lünen wird, habe ich gedacht: Das kann doch nicht wahr sein.“ Bislang hatte man beim HSC die vielen Abgänge in Richtung Lünen zwar mit deutlichem Zähneknirschen hingenommen, aber auf sonstige Kommentare verzichtet. Zumal aus Lünen stets beteuert wurde, dass die HSC-Spieler auf Axel Schmeing und Marcel Piaszyk zugegangen seien – und nicht etwa anders herum.

HSC-Coach Marc Woller zeigt sich enttäuscht über das Verhalten des Lüner SV und Mohamed Yarhdi.
HSC-Coach Marc Woller zeigt sich enttäuscht über das Verhalten des Lüner SV und Mohamed Yarhdi. © Timo Janisch © Timo Janisch

Im Fall von Mohamed Yarhdi aber ändert sich nun der Tonfall seitens der Holzwickeder. „Ich habe absolut Verständnis dafür, wenn ein Spieler eine gewisse Sympathie für seinen Trainer hegt und ihm folgt. Das war bislang alles legitim. Das war bei uns mit Lucas Arenz (kam wie Marc Woller vom SV Lippstadt zum HSC; Anm. d. Red.) ja auch so. Aber dass der LSV jetzt in der Vorbereitung aktiv an einen Spieler rangeht, mit dem wir fest planen – das gehört sich einfach nicht“, findet Woller deutliche Worte.

Kein akuter Handlungsbedarf beim Holzwickeder SC

„Wo sollen wir denn jetzt Ersatz herkriegen? Sollen wir den gleichen Weg gehen und einem anderen Verein einen Spieler klauen? Das ist nicht der richtige Stil“, so Woller weiter. Glücklicherweise sei man beim HSC auf der Sechser- und Achter-Position – also Yarhdis Einzugsgebiet – personell gut besetzt. Deshalb werde man nur dann einen weiteren Spieler verpflichten, wenn sich etwas ergebe, so Woller.

Dennoch macht Woller keinen Hehl daraus, dass er Yarhdi gerne gehalten hätte: „Mo bringt mit seinen 28 Jahren eine gewisse Ruhe mit. Das fehlt uns nun ein wenig. Die jungen Wilden sind in manchen Situationen ein bisschen zu wild.“

Zwar könne Woller Yarhdis Wunsch nach mehr Einsatzzeiten nachvollziehen, jedoch habe er seinem Schützling gegenüber immer mit offenen Karten gespielt. „Ich habe ihm gesagt, dass ich noch nicht so viel Vertrauen in seine Physis habe und dass er in dem Bereich noch etwas tun muss. Trotzdem hat er ja fast in jedem Spiel in der Vorbereitung auf dem Platz gestanden – nur nicht von Anfang an“, so Woller.

Keinen reinen Wein eingeschenkt

Enttäuscht zeigte sich Woller hingegen von der Tatsache, dass Yarhdi ihm nicht gesagt habe, dass er zum Lüner SV wechseln wolle. „Da hat er mir keinen reinen Wein eingeschenkt. Als ich gefragt habe, um welchen Verein es geht, hat er es mir nicht gesagt“, so Woller.

Und so fand sich der Holzwickeder SC, als dann das Ziel – nämlich der Lüner SV – feststand, plötzlich mal wieder an seinem persönlichen Murmeltiertag wieder. Bleibt aus HSC-Sicht nur zu hoffen, dass die Zeitschleife damit zumindest für diesen Sommer endgültig beendet ist.

Über den Autor
2014 als Praktikant in der Sportredaktion erstmals für Lensing Media aufgelaufen – und als Redaktionsassistent Spielpraxis gesammelt. Im Oktober 2017 ablösefrei ins Volontariat gewechselt und im Anschluss als Stammspieler in die Mantel-Redaktion transferiert. 2021 dann das Comeback im Sport, bespielt hauptsächlich den Kreis Unna.
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