Spielerberater haben per se einen schlechten Ruf - auch dank solch zwielichtiger Gestalten wie Mino Raiola. © imago images/LaPresse
Amateurfußball

Spielerberater reagiert auf Kritik: „Man darf nicht alle über einen Kamm scheren“

Spielerberater im Amateurfußball? Mehrere Sportliche Leiter aus Dortmund äußerten zuletzt Kritik an diesem Trend. Ein Berater zeigt dafür nun Verständnis - aber wirbt auch für mehr Akzeptanz.

Junge Amateurfußballer wollen mit einem Klub verhandeln – und kreuzen mit einem eigenen Spielerberater zum Gespräch auf. Zwar sind solche Fälle von der Landes- bis zur Oberliga wohl noch immer eher die Ausnahme als die Regel. Und doch geht der Trend im Amateurbereich derzeit verstärkt in die Richtung, dass immer mehr Spieler sich professionelle Unterstützung holen, um ihre Karriere voranzutreiben. Das sorgte zuletzt für Kritik durch diverse Sportliche Leiter aus dem Dortmunder Raum.

Berater im Amateurfußball? „Ich halte da nicht viel von“

Mehmet Aslan vom Westfalenligisten BSV Schüren etwa machte keinen Hehl daraus, dass er dem Trend eher kritisch gegenübersteht. „Ich halte da nicht viel von“, sagte er und ließ durchblicken, dass er das Gespräch unter vier Augen bevorzuge. Dennoch setze er sich auch mit Spielerberatern an einen Tisch – wenn auch eher kurz, so Aslan weiter.

Deutlicher wurden hingegen zwei seiner Kollegen. Wenn ein Spieler einen Berater mit an den Tisch bringt „muss man sich schon fragen, ob der noch alle Tassen im Schrank hat“, meinte etwa Dimitrios Kalpakidis, Sportlicher Leiter des Landesligisten Türkspor Dortmund. Und Daniel Dukic vom Westfalenligisten Westfalia Wickede gab gar an, Gespräche mit Spielerberatern direkt abzublocken. Sein Credo: „Wer einen Berater mit 17 Jahren für den Amateurfußball braucht, der braucht auch einen im privaten Leben.“

Gedanken an Mino Raiola und Geldgier

Harsche Worte, die Lars Rohwer nicht komplett nachvollziehen kann – auch, wenn er sogar Verständnis für eine gewisse Skepsis durch die Vereinsvertreter hat, wenn das Wort „Spielerberater“ fällt. „Es gibt Vereine, die sind erschrocken. Das ist auch nachvollziehbar. Weil es eben noch nicht gang und gäbe ist. Bei Spielerberatern denkt sofort jeder an den Profifußball, an Mino Raiola – und an Geldgier. Doch man darf nicht alle über einen Kamm scheren“, sagt Rohwer, der im Jahr 2019 eine eigene Beratungs-Agentur für Amateur-Fußballer auf dem Sprung in den Seniorenbereich gegründet hat.

Lars Rohwer hat sich mit seiner Beratungs-Agentur „GoalTalents“ auf junge Amateur-Fußballer spezialisiert, die sich auf dem Sprung in den Seniorenberiech befinden. © DENNIS ECHTERMANN © DENNIS ECHTERMANN

Rund 20 Spieler hat „GoalTalents“ heute im Portfolio. Etwa die Hälfte davon kickt in der U17- und U19-Bundesliga oder der U19-Westfalenliga, die andere Hälfte ist kaum älter als 21 Jahre und spielt im Seniorenbereich Westfalen- oder Oberliga. Im Dortmunder Raum hat er jeweils einen seiner Schützlinge in der neuen Spielzeit beim BSV Schüren, FC Brünninghausen sowie dem Kirchhörder SC untergebracht, andere Spieler schnüren etwa für die Hammer SpVg, den SC Neheim oder Holzwickeder SC ihre Fußballschuhe.

Rohwer sieht sich nicht als Berater – sondern Betreuer

Die Aussagen von Dukic und Co. seien ihm im ersten Moment sauer aufgestoßen, gibt Rohwer zu. „Aber eigentlich sollte ich mich nicht angesprochen fühlen“, so Rohwer weiter. Schließlich versteht sich der 25-Jährige weniger als Spielerberater, sondern als Spielerbetreuer, der seine Schützlinge in vielerlei Hinsicht unterstützt – die Beratung bei Gesprächen mit Vereinsvertretern sei da nur ein kleiner Teil.

Jeder Berater oder Betreuer arbeite anders – er kenne zahlreiche Funktionäre, die es ablehnen mit vielen Beratern zu sprechen, ,,aber die Art und Weise, wie wir uns bei GoalTalents kümmern, schätzen – weil es eben auf dem Level auch garnicht wie in den bekannten Vorurteilen funktioniert“, sagt Rohwer.

Nicht immer bei jedem Gespräch dabei

„Bei manchen Spielern und Vereinen bin ich auch gar nicht bei jedem Gespräch dabei. Wenn ich beide Parteien kenne und weiß, dass das passen wird, führt der Spieler die Gespräche auch alleine“, so Rohwer. Überhaupt gehe es weder darum, irgendwelche finanziellen Forderungen seiner Spieler durchzusetzen, noch darum, selber großartig Gewinn abzuschöpfen, betont Rohwer – man dürfe sich nicht zu wichtig nehmen.

„Dass ich für einen Spieler intensiv um Geld verhandelt habe, kam bislang höchsten ein- oder zweimal vor. Auf dem Leistungsniveau muss man in der Regel nicht groß verhandeln. Es geht darum, den Spielern zu helfen, gute Vereine mit guter Perspektive zu finden“, erklärt Rohwer.

Keine Gewinne, nur Kostendeckung

„Und wir als Agentur sind in dem Bereich ebenfalls nicht auf das schnelle Geld aus. Von unseren Senioren-Spielern erhalten wir einen kleinen Prozentsatz ihres Grundgehalts. Aber damit können wir gerade so unsere Handyrechnung und unsere Fahrtkosten decken“, führt Rohwer aus. Und ergänzt: „Die Jungs sind froh, jemanden im Rücken zu haben. Berater heißt nicht gleich Verhandler. Da gehört mehr dazu – zum Beispiel Einzeltraining für Spieler.“

Spielerberater Mino Raiola zählt unter anderen Zlatan Ibrahimovic sowie BVB-Stürmer Erling Haaland zu seinen Klienten – und gilt in der Branche als knallharter Verhandlungspartner. © picture alliance © picture alliance

Die Agentur investiere derzeit vor allem Zeit – und damit in die Zukunft. Rohwers Hoffnung: Irgendwann auch mal einen jungen Spieler an sich zu binden, der den Sprung in den Profi-Bereich schafft – und dann auch perspektivisch der Agentur hilft.

Netzwerk aufbauen, Beziehungen pflegen

Bis es aber so weit ist, geht es Rohwer und seiner Agentur vor allem darum, ein Netzwerk aufzubauen, Beziehungen zu pflegen, sich auszutauschen – oftmals ganz unverbindlich. Mit Schürens Mehmet Aslan habe er erst in dieser Woche noch gesprochen, so Rohwer. Und auch mit Wickedes Daniel Dukic habe in der Vergangenheit schon öfters Kontakt gehabt – auch, wenn am Ende kein Deal zustande gekommen sei.

„Es funktioniert in beide Richtungen. Zum einen fragen wir Vereine, ob sie Interesse an einem bestimmten Spieler hätten. Zum anderen kommen die Vereine aber auch erkundigen sich häufig bei uns, wenn sie auf der Suche nach einem bestimmten Spielertypen sind“, erklärt Rohwer.

Positiver Effekt für beide Seiten

Somit ergebe sich ein positiver Effekt für beide Parteien. „Auf der einen Seite helfen wir den jungen Spielern, die frisch aus dem Jugendbereich kommen und bereiten sie vor, wie sie sich im Seniorenbereich verhalten sollen. Auf der anderen Seite weisen wir Vereine auf Talente aus der Region hin, die sie vielleicht noch gar nicht auf dem Schirm haben. Man mag es kaum glauben: Das erleben wir jede Woche. Und am Ende freut sich der Verein.“

Und dennoch haftet Spielerberatern weiterhin ein schlechtes Image an – auch im Amateur-Fußball. Rohwer hofft, dass damit irgendwann Schluss ist: „Die Zeiten ändern sich. Die Vereine und auch die Spieler stellen sich professioneller auf. Ich hoffe und denke, dass die Akzeptanz deshalb in den kommenden Jahren weiter steigen wird.“

Über den Autor
2014 als Praktikant in der Sportredaktion erstmals für Lensing Media aufgelaufen – und als Redaktionsassistent Spielpraxis gesammelt. Im Oktober 2017 ablösefrei ins Volontariat gewechselt und im Anschluss als Stammspieler in die Mantel-Redaktion transferiert. 2021 dann das Comeback im Sport, bespielt hauptsächlich den Kreis Unna.
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