Jürgen Woköck leitet seit mehr als 20 Jahren Fußballspiele. Von der Altersgrenze für Profi-Schiedsrichter, wie sie aktuell beim DFB besteht, hält er nichts. © Thorsten Teimann
Fußball

Kamener Schiedsrichter (72) zur Diskussion um Manuel Gräfe: „Die Jüngeren sind keine Granaten“

Der Profi-Schiedsrichter Manuel Gräfe (47) muss die Pfeife im Sommer an den Nagel hängen - aus Altersgründen. Jürgen Woköck kann das nicht verstehen und hält ihn für besser als viele jüngere Kollegen.

Jürgen Woköck ist seit mehr als 20 Jahren Schiedsrichter auf den hiesigen Kreisliga-Plätzen. Dabei kam er erst relativ spät zu seinem Referee-Dasein – auch weil er bis ins hohe Fußballer-Alter selbst aktiv war und sogar in der Regionalliga gekickt hat. „Meine Frau meinte nach meinem Karriereende zu mir: Mach doch den Schiedsrichter, es gefällt dir doch“, erzählt Woköck, wie er ans Pfeifen kam.

Eine Schiedsrichter-Karriere in höheren Ligen hätte sich der ehemalige Vorsitzende des Kamener SC (1993-1999) als er mit dem Pfeifen anfing aber ohnehin abschminken können. Denn hier gibt es eine Altersgrenze. In den Profiligen liegt diese gar bei 47 Jahren. Deshalb muss einer der wohl besten Schiedsrichter Deutschlands, Manuel Gräfe, im Sommer mit dem Pfeifen aufhören.

Jürgen Woköck ist besonders von Manuel Gräfes Art angetan

Dass es diese Altersgrenze gibt, kann Jürgen Woköck nicht wirklich nachvollziehen. „Ich finde, Manuel Gräfe sollte noch ein paar Jahre weiterpfeifen dürfen. Die Leistung stimmt, er macht immer einen guten Job“, meint der 72-Jährige. Die Spieler sollten seiner Meinung nach froh sein, so einen guten Schiedsrichter zu haben. Besonders von Gräfes Art ist Woköck angetan: „Er strahlt stets Ruhe aus, dazu lacht er viel und erklärt den Spielern immer seine Entscheidungen“, sagt Wököck. „Das finde ich wirklich super.“

Manuel Gräfe wird im Sommer 47 Jahre alt – und ist dann zu alt, um weiter Bundesliga-Spiele leiten zu dürfen. © dpa © dpa

Er glaubt, bei einer Abstimmung unter allen Trainern und Spielern in der Bundesliga würden mindestens 90 Prozent dafür appellieren, dass Gräfe weiterpfeifen sollte. Unter anderem Christian Günter, Kapitän beim SC Freiburg, hatte sich am vergangenen Bundesliga-Spieltag in einem TV-Interview in die Diskussion eingebracht und für Gräfe eine Lanze gebrochen. „Es gibt für einen Schiedsrichter doch nichts Schöneres, als wenn Spieler sich so positiv über einen äußern. Besser als wenn sie sagen würden: Guck mal, da kommt die Graupe schon wieder“, sagt Woköck.

Nicht alle erfahrenen Schiedsrichter sind automatisch gute Schiedsrichter

In seinen Augen kommt kaum ein Referee an Gräfe heran – gerade den Jüngeren fehle häufig das gewisse Fingerspitzengefühl: „Das ist bei den Amateuren ja genauso. Da fehlt einfach noch die Erfahrung und es werden irrsinnig Karten verteilt. In der Bundesliga würde ich nicht behaupten, die Jüngeren sind alle Granaten.“

Aber auch nicht alle erfahrenen Schiedsrichter sind automatisch gute Spielleiter, findet Woköck: „Bei Felix Brych (45) zum Beispiel würde ich das nicht behaupten. Der steht mir zu oft im Mittelpunkt der Partien und braucht häufig den Videobeweis.“

Auch mit 72 Jahren ist Jürgen Woköck noch unheimlich fit

Die Altersgrenze lehnt Woköck pauschal erstmal ab. „Wir Schiedsrichter werden doch immer beobachtet. Wenn die Beobachter sehen, die Spieler regen sich zurecht auf, dann muss man dem Schiedsrichter auch sagen, es macht keinen Sinn mehr. Dann muss man sich das auch selbst eingestehen, wenn man merkt, man kommt nicht mehr mit oder sieht Abseitsstellungen nicht mehr so richtig.“

Woköck würde dann auch mit dem Pfeifen aufhören. „Aber ich fühle mich noch unheimlich fit“, sagt er. Er sieht aber auch den fehlenden Nachwuchs als Gefahr für den Amateurfußball: „Wir haben mittlerweile sowieso zu wenig Schiedsrichter. Es kommen nicht viele nach.“ Deshalb werden die Schiedsrichter im Schnitt immer älter. Ein Grund, weswegen der Fußballkreis Unna/Hamm neuen Schiedsrichter-Nachwuchs sucht. Ans Aufhören denkt Woköck derzeit nicht „Mir macht das Pfeifen nach wie vor unglaublich Spaß und ich hoffe, es geht bald wieder los mit dem Amateurfußball. Für mich ist das ein guter Ausgleich.“

Über den Autor
Volontär
Jahrgang 1992. Geboren und aufgewachsen in Unna. Kennt den Kreis Unna wie seine Westentasche, hat in seinem Leben aber noch nie eine Weste getragen. Wollte schon als Kind Sportreporter werden und schreibt seit 2019 für Lensing Media über lokale Themen - auch über die Kreisgrenzen hinaus.
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Marcel Schürmann

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