Der Lüner SV befindet sich im Umbruch. Marcel Ramsey ist das egal. Er ist seinem Klub treu geblieben. Mit uns hat er über die Meisterschaft und seine polarisierende Spielweise gesprochen.

Lünen

, 10.07.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Marcel Ramsey (28) schnürt seit vergangenem Jahr seine Fußballschuhe für den Westfalenligisten Lüner SV. Trotz des Umbruchs spielt der flexible Offensivspieler auch in der kommenden Saison für die Schwansbeller und kämpft mit dem runderneuerten Team um die Meisterschaft.

Die Sommerpause ist vorbei. Sie sind seit gut einer Woche wieder im Training, haben das erste Testspiel bereits hinter sich gebracht. Wie groß ist die Gier auf Fußball wieder?

Nach der Sommerpause kribbelt es natürlich in den Füßen und es ist schön, jetzt wieder auf dem Platz zu stehen und auf eine gute Saison hinzuarbeiten.

Der LSV durchlebt momentan einen gewaltigen Umbruch mit vielen Neuzugängen und Abgängen. Sie sind Lünen treu geblieben - warum eigentlich?
Ja, das stimmt. Ich muss sagen, die Atmosphäre ist gut. Es sind zu den alten Spielern neue, gute Charaktere und Spieler hinzugekommen. Ich fühle mich wohl in Lünen und freue mich auf die kommende Saison.

Sie sprechen es an: Es sind neue Spieler dazugekommen - auch mit sehr großer Qualität im Mittelfeld, die Konkurrenz ist also insgesamt gestiegen. Fürchten Sie um Ihren Stammplatz?

Ich freue mich natürlich darüber, dass wir richtig Qualität in der Mannschaft haben. Es gibt mehrere Spieler, die variabel einsetzbar sind. Es wird die Aufgabe des Trainers sein, daraus die entsprechende Mannschaft zu formen. Ich denke, ich werde meinen Teil dazu beitragen können.

Genau, der Trainer ist neu - Marc Woller. Sie haben jetzt eine Woche unter ihm trainiert. Wie unterscheidet sich seine Arbeit von Mario Plechatys Training?

Man merkt bereits nach einer Woche, dass Marc und Ersin (Ersin Ekiz, Co-Trainer des Lüner SV, Anm. d. Red.) eine klare Vorstellung davon haben, wie wir Fußball spielen wollen. Das ist wichtig und spiegelt sich in den Einheiten bereits wider. Wir wollen guten und ansehnlichen Fußball spielen und haben mit Memo (Mehmet Kara, Anm. d. Red.) jemanden, der als verlängerter Arm des Trainerteams dabei mit auf dem Platz fungiert. Einen Vergleich zu Mario will und kann ich nach so einer kurzen Zeit nicht unbedingt ziehen. Ich wünsche ihm lieber an der Stelle alles Gute in Iserlohn.

In der Halbzeitpause des ersten Testspiels konnte man Sie gut beobachten, wie Sie angeregt mit Emre Yildiz gesprochen haben. Später haben Sie bei Instagram ein Foto von der Szene gepostet und ihn „Sohn“ genannt. Fühlen Sie sich als eine Art Vorbild für die jungen Spieler?
Ich war selber mal jung und mir hat es gutgetan, wenn mich ältere Spieler mit mehr Erfahrung mal zur Seite genommen haben und versucht haben, mir zu helfen. Ich versuche das entsprechend auch bei unseren Jungs.

Beim Spiel gegen Dröschede ist auch wieder Ihr Spielstil aufgefallen. Sie haben wieder sehr dominant gespielt - sogar mit einem leichten Hang zur Arroganz, in dem Sie einfach mal drei bis vier Spieler austanzen. Woher nehmen Sie dieses Selbstbewusstsein?

Ich kenne meine Stärken und fühle mich sicher am Ball. Ich denke, es ist wichtig fürs Spiel auch mal zwei bis drei Leute auf sich zu ziehen, um damit Räume für meine Mitspieler zu schaffen. Dementsprechend halte ich den Ball auch manchmal etwas länger, aber im Endeffekt versuche ich damit der Mannschaft zu helfen.

Wer hat Sie denn zu dem gemacht, der Sie sind?

Ich bin ein Straßenkicker, war jede freie Minute mit dem Ball draußen und liebe es auch heute noch, mit Freunden in die Soccer Halle auf Kleinfeld zu gehen. Das formt dich zu einem gewissen Spielertypen. Und natürlich gab es immer wieder Mitspieler, von denen ich versucht habe, mir etwas abzuschauen - wie zum Beispiel Freistöße von Fatmir Ferati, die Ruhe am Ball von Danilo in Lippstadt. Marco Reus war damals auch schon eine Maschine, wo man sich viel abgucken konnte. Aber auch zum Beispiel von „Ö“ (Stefan Örterer, Anm. d. Red.) aus Haltern, der jedes Jahr kontinuierlich trifft, versucht man sich dann abzugucken, was er vor dem Tor macht. Meine Lieblingsspieler im Weltfußball waren Ronaldinho und Zidane.

Zurück zum Lüner SV: Der Verein will in die Oberliga, Sie selbst kennen die Oberliga ja gut. Reicht es rein personell für den Aufstieg?

Rein personell kann man keinen Aufstieg garantieren, finde ich. Man muss ein Team, eine Einheit sein. Wir werden in den nächsten Wochen versuchen, ein Team zu werden. Dann bin ich guter Dinge, dass wir jedes Spiel gewinnen können.

Wen sehen Sie in dieser Liga als ärgsten Konkurrenten um den Titel - und warum?

Ich weiß nicht, wer wohin gewechselt ist oder welche Mannschaft komplett wie im letzten Jahr zusammengeblieben ist. Im letzten Jahr gab es für mich mit Meinerzhagen auch nur ein Team, das herausgestochen ist. Wir müssen auf uns schauen. Alles andere wird man sehen.

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