Mitten in der Corona-Krise: Lüner Fußballer sieht Pokalfinale vor 9.000 Zuschauern - ohne Abstand

mlzFußball

Nicht in allen Teilen Europas finden Fußballspiele derzeit nur als Geisterspiele statt. Ein Lüner Fußballer besuchte nun sogar ein Pokalfinale - und erlebte gleich etwas Historisches.

Lünen

, 01.07.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In Deutschland sind Zuschauer bei Profi-Fußballspielen strengstens untersagt. Die Bundesliga beendete ihre Saison ausschließlich mit Geisterspielen. Dass im Amateurbereich bis zu 100 Zuschauer bei Testspielen zugelassen sind, ist eine erste, zarte Öffnung in Richtung Fans. In anderen Teilen Europas geht man mit der Corona-Pandemie ganz anders um.

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Zum Beispiel in Serbien. Dort stieg vergangenen Mittwochabend (24. Juni) das nationale Pokalfinale zwischen Vojvodina Novi Sad und Partizan Belgrad - mit Zuschauern. Mittendrin: Daniel Mikuljanac, Westfalenliga-Fußballer des Lüner SV.

Strenge Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie gab es keine. Zwar wurde die Kapazität des Stadion Čair in Niš (drittgrößte Stadt Serbiens, Anm. d. Red.) von 18.000 auf 9.000 Zuschauer verringert. Die Zuschauer sollten laut Mikuljanac auch den Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten. Aber: „Das war nicht so gegeben im Stadion“, so Mikuljanac.

Daniel Mikuljanac: Sicherheitsabstand wurde nicht eingehalten

Schaut man sich Videoaufnahmen der Partie an, erblickt man gut gefüllte Blöcke, in denen die Fans dicht an dicht stehen - und einige beinahe komplett leere Stadionbereiche.

Auch persönliche Daten wie Name, Adresse oder Telefonnummer musste der Allrounder des Lüner SV nicht angeben. Eine Person konnte bis zu vier Karten für das Endspiel erhalten und lediglich der Name dieser Person wurde registriert, so der Lüner.

Daniel Mikuljanac spielt seit 2014 für den Lüner SV.

Daniel Mikuljanac spielt seit 2014 für den Lüner SV. © Timo Janisch

Im Stadion dominierten dann die Partizan-Fans, zu denen auch Mikuljanac gehört. Lautstark und intensiv feuerten sie ihre Mannschaft an, die Partizan-Fanszene zeigte vor Anpfiff sogar eine ordentliche Bengalo-Show und einige Choreos.

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„Die Atmosphäre und Stimmung an sich waren überragend. Das ganze Stadion hat ordentlich Stimmung gemacht“, sagt Mikuljanac. Natürlich habe man irgendwann mal ohne Fans mit dem Fußballspielen begonnen, so der 26-Jährige. „Aber die Atmosphäre mit Fans macht schon viel aus“, so Mikuljanac. Die Partizan-Fans pfiffen, schrien und sangen - all das ist in Deutschland seit Mitte März nicht mehr denkbar.

Daniel Mikuljanac sieht Ausgleich per Fallrückzieher in der Nachspielzeit

Und auch das Spiel selbst hatte einiges zu bieten, was noch untertrieben formuliert ist. Novi Sad ging mit 2:0 in Führung, Partizan stand unter Druck. In der 80. Spielminute gelang der Ausgleich. In der sechsten Minute der Nachspielzeit rettete sich Belgrad mit einem Fallrückzieher-Tor schließlich in die Verlängerung. Die Partizan-Fans übersprangen die Absperrungen, mischten sich unter das jubelnde Team. „Wenn in der 96. das 2:2 ohne Fans fällt, ist es nicht dasselbe“, sagt Mikuljanac.

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Grund zum Jubeln hatte er aber nur vorübergehend. In der Verlängerung fielen keine Tore mehr, im Elfmeterschießen setzte sich Novi Sad durch.

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